Alfred Riedl: "Die Lokalen sind die Krisenmanager". Wie es den Gemeinden in der Corona-Zeit bisher erging, fragte der Gemeindebund nach. Präsident Alfred Riedl sieht Erfahrungen als Rüstzeug um zweiten Lockdown zu verhindern.

Von Maria Prchal. Erstellt am 24. September 2020 (17:36)
Alfred Riedl vom Gemeindebund sieht die Kommunen besonders gefordert durch Corona. Deswegen müsste ihnen auch mehr Verantwortung zugestanden werden.
Gemeindebund

Die Gesundheits- und Grundversorgung ihrer Bewohner_innen konnten Niederösterreichs Bürgermeister_innen in der Corona-Zeit aufrecht erhalten. Die wirkliche Herausforderung seien die wirtschaftlichen Strapazen.

Das ergab eine Befragung des Gemeindebunds, die 197 Ortschefs und Ortschefinnen in Niederösterreich und insgesamt 707 in Österreich nach ihren bisherigen Erfahrungen mit der Corona-Krise befragte. 

96 Prozent sahen den Rückgang der Gemeindeeinahmen als Herausforderung. Deswegen ist Präsident Alfred Riedl froh um die Gemeindemilliarde und die Unterstützung durch die Länder. Denn: "Die Lokalen sind die Krisenmanager." Ein Großteil der Arbeit fiele auf die Gemeinden.

Homeoffice für alle

Deswegen wünscht sich Riedl einen Schulterschluss zwischen Gemeinden, Ländern und Bund, um den Orten auch mehr Verantwortung einzuräumen. Denn für die meisten Bürger_innen sei der/die Bürgermeister_in die erste Anlaufstelle bei Fragen, hat die Studie ergeben.

Die Sicherstellung der Infrastruktur und der Schutz der Risikogruppen sei kein Problem gewesen. Was als  kurz- mittel- und langfristige Herausforderung klar wurde, ist die Digitalisierung. "Stellen Sie sich vor, der Wasser- oder Kanalausbau wäre ebenso lückenhaft wie der Netzausbau", will Riedl jedes Haus im letzten Winkel des Landes versorgen können. So soll Homeoffice ermöglicht werden. Der Dringlichkeit einer Digitalisierungsoffensive stimmten 88 Prozent aller niederösterreichischen Ortschefs- und chefinnen zu. 

Gemangelt hat es außerdem an der Kommunikation von "oben", das gaben 70 Prozent der Befragten Niederösterreicher_innen an. Oft hätten die Gemeinden erst durch die Medien über neue Schritte der Regierung erfahren.

Die Studie wurde schon Ende Juli abgeschlossen - also noch vor der Implementierung der Corona-Ampel und anderen Maßnahmen. Trotzdem glaubt Riedl, die Ergebnisse könnten im weiteren Krisenmanagement helfen.