Masern: Niederösterreich fordert Impfpflicht. Nach dem Schulverbot von Schülern in der Steiermark ist eine mögliche Impfpflicht bei Masern wieder Thema. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner spricht sich – wie Landesrat Martin Eichtinger bereits im Sommer - für eine Impfpflicht aus.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 06. Dezember 2019 (10:37)
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„Masern können lebensgefährlich sein, deswegen trete ich ein für eine verpflichtende Masernimpfung“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner heute früh im Ö1-Morgenjournal.

Umgesetzt werden könne eine Impfpflicht laut Mikl-Leitner über den Mutter-Kind-Pass. Im Sommer betonte dazu NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger bereits, dass Niederösterreich darauf poche, die Impfung gegen Masern in die Liste der verbindlichen Impfungen beim Mutter-Kind-Pass aufzunehmen.

Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (mit zwei Dosen) soll in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen werden und Voraussetzung dafür sein, das Kinderbetreuungsgeld in voller Höhe zu bekommen. „Die Gesundheit unserer Kinder darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Wer sein Kind gegen Masern nicht impfen lässt, riskiert die Gesundheit des Kindes und den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes“, meinte der NÖGUS-Vorsitzende damals.

Auch der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer ist für eine Impfpflicht. Sozialministerin Brigitte Zarfl hingegen folgt den Empfehlungen des Obersten Sanitätsrats, setzt auf eine Novelle des Epidemiegesetzes und ist dagegen, aber für mehr Aufklärung.

Impfpflicht in Deutschland

In Deutschland hat der Bundestag eine Impfpflicht beschlossen. Alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr müssen künftig bei Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen. Darüber hinaus müssen laut Bundesgesundheitsministerium auch Kindertagespflegepersonen in der Regel die Impfung nachweisen, genauso wie Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal (nach 1970 geboren). Auch Asylbewerber und Flüchtlinge müssten den Impfschutz vier Wochen nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft aufweisen.

In Deutschland wurden heuer bis Mitte Oktober bereits 501 Fälle registriert. In Österreich gab es bis 4. Dezember bereits 148 Masern-Fälle. Und: Weltweit starben vergangenes Jahr über 140.000 Menschen an Masern, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Am meisten gefährdet seien Kinder unter fünf Jahren.

Gefährliche Folgen

Die Krankheitsfolgen von Masern können schwerwiegend sein, warnt das Sozialministerium. Bei 20 von 100 Fällen von Masern würden Komplikationen, wie Bronchitis, Mittelohr- und/oder Lungenentzündung, auftreten. Bei ein bis zwei Personen von 1.000 Erkrankten komme es zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung. Besonders gefürchtet ist aber vor allem die Jahre später auftretende subakute sklerosierende Panenzephalitis, ein Gehirnzerfall, der zwar selten vorkommt, aber immer tödlich verläuft. Besonders gefährdet dafür seien Kinder, die im ersten Lebensjahr erkranken oder während der Geburt angesteckt werden.

Hoch ansteckend sind übrigens Menschen, die an Masern erkranken, bereits vor dem Auftreten des typischen Masernausschlages (rote, grobflächige Flecken). Acht bis zehn Tage nach der Infektion (höchstens 21 Tage danach) kommt es zu allgemeinen Beschwerden, wie Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung, begleitet vom typischen Ausschlag. Dabei seien die Erkrankten vier Tage vor bis vier Tage nach Auftreten des Ausschlags hoch ansteckend. Die Masernerkrankung schwäche die Abwehrkräfte des Körpers dermaßen, dass über mehrere Jahre hinweg das Risiko, an einer anderen Infektionskrankheit zu sterben, erhöht ist.

Schutz durch Impfung

Ein ausreichender Schutz besteht laut Sozialministerium nach zwei schriftlich bestätigten Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln oder wenn mittels Antikörperbestimmung nachgewiesen ist, dass ein ausreichender Schutz im Blut vorhanden ist. Fehlende Impfungen können und sollen in jedem Lebensalter nachgeholt werden. Es handle sich um einen Lebendimpfstoff, darum sei „überimpfen" nicht möglich. Der Impfstoff ist für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen sowie im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenfrei erhältlich.

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