NÖ zu Citymaut: „Wien soll Hausaufgaben erledigen“. Im Zuge der Diskussion um die Wiener Citymaut-Pläne fordert Niederösterreich nun, dass Wien zuerst einmal die eigenen Hausaufgaben erledigen solle, bevor überhaupt über das Thema diskutiert werden könne.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 08. Juni 2018 (12:40)
Marschik
Landesrat Ludwig Schleritzko

Denn, so betont Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko: "Wien wurde für Niederösterreich in den vergangenen Jahren vom Verkehrsknotenpunkt zum Flaschenhals." Denn Niederösterreich habe in den vergangenen Jahren das Öffi-Angebot in Richtung Wien massiv ausgebaut und zahle für das Bus- und Zugangebot mittlerweile 84 Millionen Euro, auch für die etwa 190.000 Wien-Pendler.

Eine weitere größere Frequenzsteigerung ist laut NÖ-Verkehrsplaner Werner Pracherstorfer nur mehr außerhalb der Stoßzeiten möglich, weil das Wiener Bahnnetz voll ausgelastet ist. 

Rascher umsetzbare Maßnahmen könnte Wien selbst leisten

Schleritzko fordert deshalb ein Maßnahmenpaket, das die Länder NÖ und Wien gemeinsam mit dem Bund schnüren. Die Eckpunkte sollen ein Konzept für den U-Bahn-Ausbau und eine weitere S-Bahn-Stammstrecke in Nord-Süd-Richtung sein. Beide sind allerdings Milliarden-Projekte mit langfristigen Umsetzungszeiträumen. 

Rascher umsetzbare Maßnahmen könnte aber Wien selbst leisten. Alleine durch die Verlängerung der Bahnsteige in den Stationen Handelskai, Traisengasse, Rennweg und Matzleinsdorfer Platz auf 230 Meter Länge auf der S-Bahn-Stammstrecke könnten pro REX-Zug 250 Sitzplätze mehr angeboten werden – also 40.000 Sitzplätze pro Tag mehr, ohne einen einzige zusätzlichen Zug. "Das würde die Südbahn-Überfüllung zwischen Wien und Baden sowie Wien und Wr. Neustadt kurzfristig lösen", erklärt Schleritzko. Hier müsse die Stadt Wien umgehend reagieren.

Auch die Aufwertung der Inneren Aspangbahn zur Anschlussstrecke des südlichen Wiener Umlandes an das Wiener U-Bahn-Netz sei leicht zu bewerkstelligen: Notwendig sei nur die Errichtung einer Bahnhaltestelle in Oberlaa. Hier stünde das Land NÖ als Finanzierungspartner zur Verfügung, betont Schleritzko.