Weiter Ärzte-Kritik an NÖ Impfzentren. Alle 20 Impfzentren des Landes NÖ sind in Betrieb. Ärzte und NEOS orten viel höhere Kosten als in Ordinationen.

Von Walter Fahrnberger und Lisa Röhrer. Erstellt am 28. April 2021 (05:47)
Im Bild: Das Impfzentrum des Landes für den Bezirk Scheibbs.
Usercontent, Christian Eplinger

Alle 20 Impfzentren des Landes – eines pro Bezirk – haben mittlerweile ihren Betrieb aufgenommen. 17.000 Impfdosen wurden dort schon verabreicht. In der ersten Maiwoche soll das Impf-Tempo weiter an Fahrt aufnehmen. Dann sollen die Stationen nicht mehr nur einen Tag, sondern an zwei bis vier Tagen geöffnet sein. Der Vollbetrieb ist ab Ende Mai geplant.

Doch nach wie vor kommt heftige Kritik von einem Teil der Hausärzte in Niederösterreich. So würden die Impfzentren doppelt so teuer kommen, als wenn weiter nur bei den Hausärzten geimpft würde, beklagt etwa der Mistelbacher Bezirksärztevertreter Oskar Kienast.

Nachdem die Hausärzte für die Impfung pro Person (jeweils zwei Dosen) 45 Euro bekommen, würden sich seiner Rechnung nach die Impfung von einer Million Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern auf 45 Millionen Euro belaufen. „Die Impfzentren kosten das doppelte, also 90 Millionen“, vermutet Kienast.

Auch die NEOS in Niederösterreich kritisieren die hohen Kosten: „Diese Zentren können nur eine Erweiterung der Struktur durch Impfordinationen sein – aber kein Ersatz dafür.“

Königsberger-Ludwig verteidigt Pläne

Ulrike Königsberger-Ludwig verteidigt die Impfzentren im Land.
NLK, NLK

Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig von der SPÖ verteidigt die Pläne der Landesregierung: „Der in der Ausschreibung festgelegte Betrag ist eine maximale Deckelung. Er beinhaltet nicht nur die Abgabe von zwei COVID-19-Impfdosen, sondern umfasst auch etwaige Auffrischungsimpfungen, die womöglich innerhalb des nächsten Jahres notwendig werden.“

Die Vorteile der Impfzentren lägen vor allem darin, dass an sechs Tagen der Woche geimpft werden könne. Königsberger-Ludwig: „Das Gesundheitsministerium hat in den letzten Wochen mehrmals darauf hingewiesen, dass entsprechende Strukturen aufgebaut werden müssen, damit die großen Impfstoffmengen, die im Mai und Juni erwartet werden, verimpft werden können. Deshalb war es notwendig, zusätzlich zum niedergelassenen Bereich auch in Impfzentren zu impfen.“

„Zentren für eine rasche Durchimpfung nötig“

Die Kritik der Ärzte richtet sich aber auch gegen die eigene Standesvertretung: „Die Ärztekammer ist in der aktuellen Situation nicht hilfreich“, meint Kienast. Dabei hat die Ärztekammer in der Vorwoche einen Erfolg für eine faire Verteilung der Impfstoffe für ihre Ärzte erzielen können. So konnte Ärztekammer-Präsident Christoph Reisner nach einem Gespräch mit der Impfkoordination Notruf NÖ vermelden, dass alle verfügbaren Impfstoffe auch in den Ordinationen der Hausärzte angeboten werden würden.

Zuvor war nur mehr das Vakzin von AstraZeneca für die Verabreichung bei den niedergelassenen Ärzten angedacht gewesen. Jetzt wird, so wie in den Impfstraßen, auch der Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei den Hausärzten verabreicht werden.

„Impfzentren sind teuer, aber in Spitzenzeiten wichtig, damit eine möglichst rasche Durchimpfung einer sehr großen Zahl von Menschen möglich ist“, ergänzt Dietmar Baumgartner, Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.