China im Visier der NÖ-Firmen. Neue Chancen für die heimische Wirtschaft in Asien erkundet. NÖ-Autozulieferer hat die schon genützt.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 30. April 2019 (04:17)
NLK/Burchhart
Landesrat Martin Eichtinger und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner informierten sich in China über neueste Technologien. Hier bei Asiens größter Automesse in Shanghai, am Stand des chinesischen Autoriesen Great Wall Motors (GWM), der in Kottingbrunn ein Forschungszentrum betreibt.

Ein mittelständischer Produktionsbetrieb aus Niederösterreich bekommt auf einen Schlag eine Milliarde neue potenzielle Kunden. Völlige Utopie? Nicht wenn es nach dem chinesischen Multimilliardär Jack Ma geht. Mit seiner Onlinehandelsplattform „Alibaba“ hat er es zu einem der reichsten 20 Personen weltweit geschafft.

Jetzt bietet Ma 30 österreichischen Unternehmen ein Trainee-Programm an, um über sein Internet- Verkaufsportal, vergleichbar mit dem Internetriesen Amazon, in den gigantischen chinesischen Markt eintreten zu können. „Ich will kleinen und mittleren Unternehmen der Welt helfen, dass sie zu den Kunden kommen und nicht warten, bis die Kunden zu ihnen kommen“, begründet Ma nicht ganz uneigennützig.

Das hat der Tycoon in der Vorwoche beim persönlichen Treffen mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner angekündigt.

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China und Niederösterreich vertiefen Beziehungen

Mikl-Leitner führte dort gemeinsam mit Landesrat Martin Eichtinger die größte niederösterreichische Delegation an, die je nach China gereist ist. Mit an Bord waren Vertreter von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und der NÖ Wirtschaftsagentur ecoplus sowie über 30 blau-gelbe Unternehmer. Deren Vorhaben, die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Volksrepublik zu vertiefen, war erfolgreich.

Am Rückflug mit im Gepäck hatte die Crew erste Geschäftsanbahnungen, viele kreative Ideen zu modernen Technologien, neue Kooperationsverträge mit den florierenden Wirtschaftsregionen in Asien sowie Austauschprogramme von heimischen und chinesischen Bildungseinrichtungen, wie jene vom IMC FH Krems sowie der Donau-Uni Krems mit chinesischen Partneruniversitäten. „Diese Kooperationen geben den heimischen Studenten die Möglichkeit, gemeinsame Diplome zu erwerben oder in China zu studieren“, erklärt Landesrat Martin Eichtinger.

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In China werden schon Dreijährige am iPad geschult.

Wie die Elite von morgen ausgebildet wird, verdeutlichte der Besuch der Canadian International School in Hongkong, wo bereits Dreijährige mit PC und iPads vertraut gemacht werden.

Autozulieferer Pollmann ex pandiert in China

Die dunklere Seite Chinas mit der Unterdrückung von Arbeitnehmern, Umweltverschmutzung und Überwachung ist auch in den rasant aufstrebenden Metropolen wie Shanghai und Hongkong nicht (ganz) zu übersehen. Bereits am Flughafen werden von Touristen Fingerabdrücke genommen, Kameras an den Kreuzungen fotografieren sündige Verkehrsteilnehmer am laufenden Band. Doch das neue Selbstbewusstsein der Chinesen spiegelt ihren Drang zur wirtschaftlichen Weltmacht wider.

„China ist ein Land, wo persönliche Beziehungen für Geschäfte noch enorm wichtig sind“, weiß Christian Moser, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, dem vor allem die große technologische Entwicklung des Landes mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern imponiert hat. Von diesem Aufschwung könne auch Niederösterreichs Industrie profitieren. Bestes Beispiel dafür ist der Autozulieferer Pollmann aus Karlstein an der Thaya im Waldviertel.

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Autozulieferer Pollmann ist seit 2006 erfolgreich in China tätig.

Der Familienbetrieb in fünfter Generation hat 2006 den Schritt nach Kunshan unweit von Shanghai gewagt. „Der Kunde hat uns quasi dazu gedrängt“, sagt Eigentümer Markus Pollmann. Kunden sind bei Pollmann vor allem weitere Autoteile-Zulieferer wie Bosch, die ebenfalls in China produzieren.

Letzte Woche wurde bereits in dritter Ausbaustufe eine um 10 Millionen Euro erbaute Halle für Spritzgussanlagen eröffnet. Damit kann der Weltmarktführer von Mechanikteilen für Schiebedächer sowie Kunststoffteilen für Türschlösser seine Kapazitäten nahezu verdoppeln. Und das von 500 Mitarbeitern in China erwirtschaftete Geld führt wiederum zu Investitionen in der Heimat. Pollmann, im Vorjahr Gewinner des NÖN-Leopold-Preises in der Kategorie Wirtschaft, investiert aktuell 18 Millionen Euro in einen zusätzlichen Produktionsstandort in Vitis und beschäftigt dann insgesamt 1.800 Mitarbeiter.