Den ganzen Tag Schule. Ausbau-Beschluss | SPÖ und ÖVP haben sich im Bund geeinigt: Ganztagsschulen werden ausgebaut. In NÖ ist die Meinung weiterhin eine geteilte. Man stimmt zu, aber mit Vorbehalten.

Erstellt am 09. Dezember 2012 (20:19)
Von Tina Wessig

Der Ministerrat hat es fixiert: Die schulische Tagesbetreuung – samt Lern-, Ruhe-, Spiel-, Förder- & Essenszeiten – wird ausgebaut. Ein Vorzeigemodell in Sachen Ganztagsschule ist die Volksschule in Paudorf. Direktorin Hedwig Felsner kann verbuchen, dass fast die Hälfte ihrer Zöglinge bereits Nachmittagsbetreuung in Anspruch nimmt.

„Nach dem Unterricht werden die Schüler von einem pädagogischen Freizeitbetreuer übernommen, dann wird gegessen, die ,Lernstunde’ verbringen sie wieder mit einem Lehrer und können anschließend Zeit in einem unserer Clubs verbringen. Angeboten werden ein Forscherclub, ein Tanzsportclub, bei ,Leckermäulchen’ wird gekocht, es gibt ,Kreatives Theater’, die ,Bücherwürmer’ und vieles mehr.“

Für derlei Projekte stellt der Bund finanzielle Mittel zur Verfügung, die nicht nur die Pädagogen entlohnen, sondern auch die Infrastruktur auf Vordermann bringen sollen. Worin Franz Schaupmann, Obmann der NÖ Elternvereine, das größte Pro-blem ortet: „Die Gebäudesituation lässt ganztägigen Unterricht an vielen Standorten gar nicht zu. Der Elternverband kämpft mit Beschwerden über mangelhafte Bausubstanz an mehreren Bundesschulen!“

Apropos Finanzierung: Bildungslandesrat Karl Wilfing freut sich zwar über die Mittel des Bundes, „derzeit können wir diese jedoch nicht ausschöpfen, weil in NÖ der Bedarf an weiteren Standorten mit ganztägiger Schulform nicht gegeben ist – von 340 bewilligten Standorten haben nur 314 ein schulisches Nachmittagsangebot. Die Eltern müssen die Wahlfreiheit haben: Zwangsbeglückung kommt für uns nicht in Frage.“

Reserviert stehen auch die AHS-Lehrer dem Projekt noch gegenüber: „Wir begrüßen die Bereitschaft, mehr Geld für den Ausbau ganztägiger Schulangebote zur Verfügung zu stellen, sprechen uns aber gegen eine verpflichtende ,Massenschülerhaltung’ aus“, sagt AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin.

Auch die Schüler plädieren für die Wahlfreiheit: „Die Entscheidung, ob ein Schulstandort ganztägige Schulformen anbietet, soll bei den Schulpartnern liegen. Eltern, Lehrkörper und Schülerschaft sollen an jeder Schule selbst entscheiden, damit nicht alle Schulstandorte mit einer Lösung zwangsbeglückt werden”, sagt Paul Krisai, Landesschulsprecher der allgemeinbildenden höheren Schulen.

Ganztagsschule: Die Fakten
Das ÖVP-Modell sieht Nachmittagsbetreuung in den Schulen vor, in deren Rahmen auch die Hausübungen gemacht werden.
Das SPÖ-Modell propagiert einen „verschränkten“ Tagesablauf, der aus Freizeit und Unterrichtsstunden auch nach 14 Uhr besteht.
Bis 2018 soll es österreichweit 200.000 Betreuungsplätze geben. Von derzeit 119.000 soll die Zahl auf 200.000 erhöht werden.
Derzeit werden etwa 17,5 Prozent aller Schüler am Nachmittag betreut, künftig sollen es rund 30 Prozent der Schüler sein.
In den Ausbau sollen konkret ab 2014 bis zu 160 Millionen Euro pro Jahr fließen.
In NÖ gibt es 314 Standorte im Pflichtschulbereich (340 genehmigt) und 30 im AHS-Bereich, die ganztägig geführt werden.
Im Pflichtschulbereich werden 11.334 Kinder in 603 Gruppen ganztägig betreut.
Entscheidet sich ein Schulstandort für ein Ganztagsmodell, muss Betreuung von 8 und 16 Uhr geboten werden.
Der Bund zahlt 8.000 Euro pro Gruppe und Jahr für Betreuungspersonal und maximal 50.000 Euro einmalig für Infrastruktur. Verpflegung und darüber hinausgehende Mittel müssen Eltern tragen.
Der Elternbeitrag wird von den Schulerhaltern festgelegt, im Schnitt 80 Euro monatlich.
Eltern können künftig schon bei der Einschreibung an der Schule ihren Wunsch deponieren, ab 15 Eltern (in Ausnahmefällen 12) ist der Anspruch rechtlich gegeben.