Klaudia Tanner: „Gerne erste Frau in Männerdomänen“. Klaudia Tanner – vom NÖ Bauernbund in das Vereidigungsministerium.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 05. Januar 2020 (08:21)
NÖ Bauernbundstärke nun auch in der Bundesregierung: Die designierte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Bauernbund-Obmann und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und der neue Bauernbund-Direktor Paul Nemecek aus Wieselburg (von links). Das Bild stammt von der großen Hofübergabe beim NÖ Bauernbund Ende März 2019 im Stift Melk.
Eplinger/Archiv

Sie stand als eine der ersten Personalentscheidungen von Sebastian Kurz fest und war für viele dennoch eine der größten Überraschungen: Klaudia Tanner ist die erste Frau als Verteidigungsministerin in Österreich.

Die 49-jährige Grestnerin (Bezirk Scheibbs) begibt sich damit auf die Spuren von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die 2013 in Deutschland diese Männerdomäne aufgebrochen hat. „Ich bin gerne die erste Frau in Männerdomänen und scheue die Herausforderung nicht. Das habe ich auch schon im Bauernbund bewiesen“, sagt die Juristin mit einem Lächeln im NÖN-Telefonat unmittelbar nach ihrem ersten Vier-Augen-Termin bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

„Ich bin gerne die erste Frau in Männerdomänen und scheue die Herausforderung nicht. Das habe ich auch schon im Bauernbund bewiesen“Klaudia Tanner

Inhaltlich wollte sie vor ihrer Angelobung (Dienstag nach Redaktionsschluss) noch kein Statement abgeben. Aber: „Ich trete dieses neue, verantwortungsvolle Amt mit großer Freude und großer Demut an“, betont Tanner, die die Regierungsarbeit selbst schon zwei Jahre als Mitarbeiterin im Kabinett von Innenminister Ernst Strasser kennengelernt hatte.

Vor ihrer Tätigkeit im Kabinett Strasser war sie von 1996 bis 2001 Rechts- und Sozialreferentin beim NÖ Bauernbund, danach wechselte als Juristin zu Kapsch, ehe sie 2010 in den Bauernbund zurückkehrte. 2011 wurde die verheiratete Mutter einer 14-jährigen Tochter als Direktorin die erste Frau an der Spitze des Bauernbundes.

Dass das Amt als Verteidigungsministerin kein Honiglecken wird, wissen auch langjährige Wegbegleiter wie etwa Bauerbund-Obmann und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Immerhin weisen Generalstab und Übergangsminister Thomas Starlinger seit Monaten darauf hin, dass dem Heer ein beträchtlicher Patzen Geld fehlt.

Dennoch: „Klaudia hat die notwendige Durchsetzungskraft, um dem Bundesheer wieder zu Stärke zu verhelfen. Politik ist Handwerk und das hat sie gelernt“, ist Pernkopf überzeugt und sieht die Entscheidung auch aus geopolitischer Sicht. Über ein Drittel des Österreichischen Bundesheeres ist in Niederösterreich stationiert.

Paul Nemecek folgt als Bauernbund-Direktor

Eine Entscheidung hat es auch im Bauernbund bereits gegeben. Der 40-köpfige Landesvorstand des NÖ Bauernbundes hat bereits am Freitag den 32-jährigen Wieselburger Paul Nemecek einstimmig zum Nachfolger von Klaudia Tanner als Bauernbund-Direktor bestellt.

„Mein absoluter Wunschkandidat“, betonte Tanner. Nemecek selbst freute sich über diese einstimmige Wahl: „Es ist schön, wenn man so gestärkt in eine neue Herausforderung starten kann“, betont der Wieselburger. Nemecek, so wie Pernkopf Josephiner, war seit 2012 beim NÖ Bauernbund als Organisationsreferent und Büroleiter tätig und fungierte ab April 2017 als stellvertretender Direktor der mit rund 100.000 Mitgliedern und 15.000 Funktionären stärksten Teilorganisation der ÖVP. Seine erste große öffentliche Aufgabe steht unmittelbar bevor. Am 11. Jänner steigt im Austria Center Vienna der 77. NÖ Bauernbundball. „Es wird ein Ball der Superlative. Neben Kanzler Kurz haben sich drei Minister sowie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner als Ehrengäste angesagt“, weiß Nemecek.

Das Landtagsmandat von Klaudia Tanner wird vom Bauernbund nachbesetzt. „Eine taffe Bäuerin allerdings aus einem anderen Landesviertel wird Klaudia Tanner nachfolgen“, sagt Pernkopf im NÖN-Gespräch. Mehr wollte er dazu aber nicht verraten.