Erstellt am 20. Dezember 2010, 00:00

Die Stunden des Christoph Herbst. FLUGHAFEN WIEN / Der Wirtschaftsanwalt hat in NÖ schon einige heikle Fälle gelöst. Nun soll er den Flughafen in eine neue Zukunft führen.

VON MARTIN GEBHART

Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung der Flughafen Wien AG am vergangenen Mittwoch hatten sich die Personal-Spekulationen überschlagen. Bis hin zur These, dass die drei Flughafenvorstände Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann bleiben und Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Herbst geht. Er war ja zuletzt vehement für einen radikalen Schnitt in der Flughafenführung eingetreten.

Am Ende der Aufsichtsratssitzung steht nun Christoph Herbst als der große Macher da. In der Sitzung, die sich über 14 Stunden zog, hat er seinen radikalen Schnitt durchgesetzt. Zwar mit Kompromissen, wie er danach einräumte, aber doch mit seiner Intention: Vorstandssprecher Herbert Kaufmann räumt mit Ende des Jahres seinen Sessel. Die beiden übrigen Vorstände scheiden Ende 2011 aus. Die neue Führung soll dann international ausgeschrieben werden.

Christoph Herbst selbst wird statt Herbert Kaufmann in den Vorstand wechseln. Ein Jahr lang, dann zieht er sich wieder in den Aufsichtsrat zurück. In dieser Zeit führt Karl Samstag den Aufsichtsrat. Mit der Ablöse hat Herbst auch die Zahlungen an die scheidenden Vorstände besprochen. Demnach konnten diese um einiges reduziert werden. So hat Herbert Kaufmann seine Forderungen auf ein Brutto-Jahresgehalt von 350.000 Euro reduziert, was selbst Anlegervertreter Wilhelm Rasinger für vertretbar hält. Eingeräumt wurde den Vorständen allerdings auch Konsulententätigkeit für den Flughafen.

Christoph Herbst will als Vorstand sicherstellen, dass beim Projekt des neuen Terminals skylink der Kostendeckel drauf bleibt und die Fertigstellung im Jahr 2012 gewährleistet ist. Das Finanzdebakel rund um den Skylink hatte ja die Turbulenzen am Flughafen Wien-Schwechat ausgelöst. Das Skandal-Image rund um den Skylink sei wegzubringen, „indem wir demonstrieren, dass es ordnungsgemäß läuft“, so Herbst. Und er will das Vertrauen in den Flughafen, das zuletzt erschüttert war, zurückgewinnen.

Christoph Herbst als Mann  für schwierige Fälle

Dass Landeshauptmann Erwin Pröll just den 50-jährigen Wirtschaftsanwalt Christoph Herbst in den Flughafenaufsichtsrat entsandt hatte, kommt nicht von ungefähr. Der Jurist hatte bislang immer wieder bewiesen, dass er heikle Fälle lösen kann. Deswegen wurde auch er sofort als Opferanwalt geholt, als die Tragödie rund um Josef Fritzl ans Tageslicht kam. Dabei ist er gar kein Parteimitglied. Pröll allerdings schätzt seine Arbeit sehr.

Übrigens: Wenige Stunden vor der Flughafen-Sitzung wickelte Herbst noch einen anderen wichtigen Deal in NÖ ab, und zwar jenen rund um das Schlosshotel in Waidhofen an der Ybbs.