Über 5.300 Kirchenaustritte in St. Pölten. Die Diözese St. Pölten verzeichnete 2019 insgesamt 5.340 Kirchenaustritte, 276 Wiedereintritte und 25 Widerrufe des Austritts. Die Zahl der Beitragszahlenden reduzierte sich damit um 1,1 Prozent auf exakt 484.107. Bischof Schwarz will sich stärker den Menschen widmen, die aus der Kirche austreten wollen.

Von Anita Kiefer und APA, Redaktion. Erstellt am 15. Januar 2020 (10:21)
2019 gab es 1,1 Prozent weniger Beitragszahlende in der Diözese St. Pölten.
APA (dpa)

„Nach wie vor gehören rund 70 Prozent der Bevölkerung in der Diözese St. Pölten der katholischen Kirche an“, erklärt die Diözese in einer Aussendung. „Ziel muss es weiterhin bleiben, die Zahl der Austritte so gering wie möglich zu halten“, erklärt Sprecherin Katharina Brandner. „Bischof Alois Schwarz ist es ein Anliegen, in Bezug auf die Art der Vorschreibungen des Kirchenbeitrags Verbesserungen herbeizuführen.“ Es dürfe jedenfalls der Blick auf die Kirchenstatistik nicht der einzige Moment sein, um an die Beitragszahlenden zu denken, so Brandner.

„Ein genauer Blick auf die demografischen Daten soll es in Zukunft ermöglichen, konkreter auf all jene Menschen zuzugehen, die austreten wollen oder ausgetreten sind. Bischof Schwarz wird daher den Diözesanrat beauftragen, Vorschläge zu erarbeiten, wie jene Menschen erreicht werden können, die nicht mehr bereit sind, einen Beitrag zur Erhaltung pfarrlicher und seelsorgerischer Strukturen zu leisten.“ Die zentrale Frage von Bischof Schwarz lautet: „Wie gehen wir den Menschen nach, die uns verlassen?“ Darauf müssen wir Antworten haben“, so Brandner.

Austritte österreichweit um 14,9 Prozent gestiegen

Die Zahl der Kirchenaustritte österreichweit ist im vergangenen Jahr um 14,9 Prozent gestiegen. Gab es Ende 2018 noch 5,05 Millionen Katholiken in Österreich, waren es 2019 nur mehr 4,98 Millionen, berichtete "Kathpress" am Mittwoch. Das entspricht einem Rückgang von 1,35 Prozent. Als Gründe werden Missbrauchsfälle und die Vorwürfe gegen den einstigen Klagenfurter Bischof Alois Schwarz vermutet.

In absoluten Zahlen traten laut vorläufigen Daten der Bischofskonferenz 67.583 Personen im vergangenen Jahr aus der römisch-katholischen Kirche aus. 2018 waren es laut amtlicher Statistik 58.807. Die Diözesen meldeten dabei unterschiedlich stark akzentuierte Entwicklungen. In einigen gab es moderate Anstiege bei den Kirchenaustrittszahlen, bei anderen waren die Anstiege deutlicher ausgeprägt, wie etwa in Kärnten.

Vergleicht man die Austritte mit jenen der Jahre zuvor, ist diesmal ein überdurchschnittlich starker Anstieg zu verzeichnen. 2018 betrug dieser 8,7 Prozent, 53.698 Menschen verließen damals die Kirche. Einen historischen Höchststand gab es 2010 mit 85.960 Austritten. Dies war zu einem Gutteil auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich zurückzuführen.