Direktoren-Vertreter sind gegen Matura "ultralight" . Isabella Zins vom BORG Mistelbach kritisiert die Pläne des Bildungsministeriums. Sie spricht sich gegen den Entfall der mündlichen Matura aus. Aus ihrer Sicht braucht es eine Reifeprüfung, die zwar auf die Corona-Umstände Rücksicht nimmt, aber von der Öffentlichkeit ernst genommen wird.

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 26. November 2020 (16:59)
Symbolbild
lonndubh, Shutterstock.com

Erleichterungen für den Matura-Jahrgang 2021 in ähnlicher Form wie für den letzten Jahrgang im Sommer kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an. So sollen die Maturantinnen und Maturanten wie schon ihre Vorgänger die Vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA) etwa nicht verpflichtend präsentieren müssen. Außerdem gibt es Überlegungen, den Stoff zu reduzieren. Um den Schülerinnen und Schülern mehr Vorbereitungszeit zu geben, soll die Reifeprüfung außerdem zum spätest möglichen Zeitpunkt stattfinden. 

Kritik an diesem Modell sowie an dessen Kommunikation kommt vom Verband der AHS-DirektorInnen Österreichs. Isabella Zins, die Vorsitzende der AHS-DirektorInnen Österreichs und Direktorin am BORG Mistelbach, spricht von einer "Notamputation" der Reifeprüfung.

 Aus Sicht der Schulleiterinnen und Schulleiter wären schon zu Beginn des Schuljahres klare Aussagen über die Klausurprüfungen notwendig gewesen. "Nachdem wertvolle Zeit verstrichen ist, scheint nun als Panikreaktion eine Amputation der Matura geplant zu sein – eine Matura ohne mündliche Elemente", meint Zins. Sie kritisiert, dass selbst die Direktorinnen und Direktoren davon "aus der Zeitung erfahren" hätten.

Mündliche Matura als Vorbereitung für Berufsleben

Für den letzten Matura-Jahrgang im Sommer war die mündliche Matura nur freiwillig. Zins ist dagegen, diese heuer wieder ausfallen zu lassen. "Das im Laufe der gesamten Oberstufe erworbene Wissen in selbst gewählten Fächern vor einer Maturakommission mündlich zu präsentieren, macht Maturantinnen und Maturanten seit Jahrzehnten zu Recht stolz und stellt eine wichtige Vorbereitung auf Studium und Beruf dar." 

Sinnvoll und entlastend sei ein eingeschränkter Stoffumfang durch die nachträgliche Möglichkeit zum Streichen einzelner Stoffgebiete, nicht jedoch der völlige Entfall. Auch den Entfall der Präsentation der Vorwissenschaftlichen Arbeit finden Lehrkräfte bedauerlich, zumal zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Prognose über die Infektionslage im Frühjahr möglich sei, meint Zins. Eine Entscheidung darüber sollte erst am Anfang des zweiten Semesters getroffen werden, wenn die Infektionslage klarer abschätzbar sei. 

Sie betont, dass es ein Maturamodell brauche,  das auf die Ausnahmesituation Rücksicht nimmt, aber gleichzeitig von Öffentlichkeit, Universitäten und Dienstgebern ernst genommen wird. "Eine ,Matura ultralight´ kann diesem Anspruch niemals genügen", ist die Mistelbacher Direktorin überzeugt.