Ländliche Jugend „InTalk“ mit der Landeshauptfrau. „Was persönlich tun sie für den Umweltschutz“, „Wie macht man öffentliche Verkehrsmittel für Jugendliche attraktiver?“, „Wie stehen sie zur möglichen türkis-grünen Koalition?“ - diesen Fragen stellte sich Montagabend Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 26. November 2019 (15:27)
Bei der „InTalk“-Veranstaltung drehte sich alles um die Zukunft des Landes und der ländlichen Regionen in Niederösterreich (v.l.n.r.): NÖ Bauernbundjugend-Obmann Harald Hochedlinger, Landjugend NÖ-Geschäftsführer Reinhard Polsterer, Landjugend-Landesleiterin Kerstin Lechner, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, LKNÖ-Kammerdirektor Franz Raab, Forum Land-Obfrau Klaudia Tanner, Landjugend-Landesleiter Norbert Allram und NV-Vorstandsdirektor Christian Freibauer
Philipp Monihart

Rund 200 Jugendliche waren anlässlich der Veranstaltungsreihe InTalk ins NÖ Landtagsschiff gekommen, um unter dem Motto „Die Jugend ist unsere Zukunft“ ihre Fragen und Anliegen an die Landeshauptfrau zu richten. 

Die Landesorganisationen der Landjugend, des Forums Land und der Bauernbund-Jugend ermöglichen mit den Veranstaltungen "InTalk" einen Austausch zwischen Jugendlichen und Personen des öffentlichen Interesses. In der Vergangenheit stellten sich bereits Landeshauptfrau-Stellvertreter und Agrarlandesrat Stephan Pernkopf, der damalige Außenminister Sebastian Kurz sowie EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber den Fragen der ländlichen Jugendlichen. Montagabend war Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner an der Reihe, die besondere Herausforderungen im ländlichen Raum im öffentlichen Verkehr und der Digitalisierung ortete. Über eine Internet-Plattform konnten die Besucher während der Veranstaltung anonymisiert oder mit Namen Fragen stellen, die dann von der Landeshauptfrau spontan beantwortet wurden. 

Mikl-Leitner: "Kein Online-Shopping ist bester Beitrag zu Umweltschutz"

Vor allem sieht Mikl-Leitner die ruralen Regionen durch den immer populärer werdenden Online-Handel bedroht. „Städte und Ortskerne werden veröden, da die Leute nicht mehr in lokalen Geschäften einkaufen“, so Mikl-Leitner. „Es braucht Maßnahmen aus der Politik um dem entgegen zu wirken.“ Die Landeshauptfrau fordert die Jugendlichen dazu auf ein Forderungspaket zu schnüren, welches dann der neuen Regierung vorgebracht werden soll.

Zentrale Themen der Fragerunde wurden die Bereiche lokaler Konsum und Regionalität, wie auch Umweltschutz. Johanna Mikl-Leitner erzählte, dass sie selbst die Umwelt durch regionalen Einkauf schützt. „Jeder Griff ins Regal ist eine politische Entscheidung“, so die Landeshauptfrau. Auch ihre persönliche Meinung zu Selbstbedienungsläden und Nahversorgern gab die gebürtige Weinviertlerin preis. „Meine Familie führte selbst eine Greißlerei. Solche kleinen Betriebe können nicht bestehen, wenn nur die in der Stadt vergessenen Dinge im Einkaufskorb landen“, erklärte Mikl-Leitner. „Auch wenn es weniger Auswahl gibt, reicht diese in den meisten Fällen aus.“ Auf Nachfrage eines Besuchers hält die Landeshauptfrau aber nichts von einer Steuer auf leerstehende Geschäftsgebäude in Städten und verweist abermals auf eine sinnvollere Online-Steuer.

Doch auch Fragen zum öffentlichem Verkehr, zum Förderwesen für erneuerbare Energiequellen, bis hin zu E-Mobilität und Bodenversiegelung beschäftigten sich mit Umwelt-Aspekten. Vor allem soll auf den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen gesetzt werden. Die Landeshauptfrau sprach sich diesbezüglich für eine differenzierte Förderung aus - für Anlagen auf Dächern soll einen größeren Zuschuss bekommen, als Anlagen für die Bodenflächen verwendet werden. „Immer mehr Investoren wollen Landwirten Flächen für Photovoltaik-Anlagen abkaufen“, meint Mikl-Leitner. „Hier wird bald ein Regulativ zur Eindämmung folgen – wir brauchen die Böden für den Lebensmittel-Anbau!“ Windräder sollen in Zukunft nur mehr an bestehenden Orten durch „repowering“ aufgerüstet werden, da das Land bei neu geplanten Standorten meist mit Widerstand zu kämpfen hat. „Repowering“ bezeichnet das Ersetzen alter Kraftwerksteile durch neue Anlagenteile, die dann mehr oder effizienter Windenergie an gleichen Standorten produzieren sollen.  

Ländliche Jugend: Frage nach bundespolitischen Einschätzungen 

Während des Talks waren aber auch politische Stellungnahmen von der Landeshauptfrau gewünscht. Auf die Frage, wie sie zur möglichen türkis-grünen Regierung stehe, betonte Mikl-Leitner, wie stark die Parteien sich unterscheiden, dass es aber an alternativen mangele. Vor allem im Bereich Landwirtschaft würden die Meinungen der beiden Parteien, beispielsweise in Bezug auf Düngemittel und Pestizide, stark voneinander abweichen. Als Beraterin bei den Koalitionsverhandlungen möchte sie sicherstellen, dass „nicht nur Themen, welche die Bundeshauptstadt betreffen, diskutiert werden“ und hofft auf realitätsnahe Lösungen.  

„InTalk ist ein gutes Format um sich auszutauschen“, meint die Landeshauptfrau. „Zwar besteht viel Kontakt heute schon über Social Media, ein persönliches Gespräch kann aber durch nichts ersetzt werden.“ Johanna Mikl-Leitner appellierte an die Besucher, bei der kommenden Gemeinderats-Wahl „Ja zur Verantwortung zu sagen und sich einzubringen."
„Die Jugend des ländlichen Raums ist für ihr Engagement bekannt“, lobte die Landeshauptfrau alle Anwesenden. „Ihr seht Probleme, analysiert sie, packt sie an und löst sie durch euren Einsatz.“