„Eigenmarken bedrohen die Bauern“. NÖ Bauernbundobmann Stephan Pernkopf und Bauernkammerpräsident Johannes Schmuckenschlager über ihre Pläne, Ziele und die EU-Wahl.

Von Walter Fahrnberger und Daniel Lohninger. Erstellt am 16. April 2019 (02:43)
Marschik
Links: NÖ Bauernkammerpräsident Johannes Schmuckenschlager.; Rechts: NÖ-Bauernbundobmann und LH-Stv. Stephan Pernkopf.

NÖN: Sie sind beide in Ihren Funktionen als NÖ Bauernbundobmann bzw. als NÖ Bauernkammerpräsident Hermann Schultes nachgefolgt. Gibt es eine Eigenschaft Ihres Vorgängers, die Sie mitnehmen wollen?

Stephan Pernkopf: Ich glaube, die Kunst ist die Beständigkeit und gleichzeitig auch Neues zu ermöglichen. Zukunftsbewusst und gleichzeitig traditionsbewusst, das ist der Job des Bauernbundes.

Johannes Schmuckenschlager: Was man vom Hermann mitnehmen kann, ist die Hartnäckigkeit, die gerade für die Interessenspolitik wichtig ist. Aber nicht im Sinn von Sturschädel, sondern beharrlich auf Themen drauf zu bleiben. Ich glaube, das hat Hermann wirklich stark gemacht.

Davor waren die beiden Funktionen in Personalunion, jetzt sind sie aufgeteilt. Ein Vorteil oder ein Nachteil?

Pernkopf: In der Geschichte hat es das immer wieder gegeben. Es war der Wunsch der Bäuerinnen und Bauern, dass wir stark vertreten sind, mit Hannes im Nationalrat und mir in der Landesregierung.

Schmuckenschlager: Im Nationalrat habe ich Zugang zu den Bundesentscheidungen, Stephan als Bauernbundobmann und Mitglied der Landesregierung wiederum ist sehr eng bei Landesentscheidungen dran – diese Konstellation sehe ich ganz klar als Vorteil, wenn es um Entscheidungskraft geht.

Die heimische Landwirtschaft steht vor vielen Herausforderungen. Welche drei Aufgaben sind für die Zukunft entscheidend?

Pernkopf: Für mich ist das eine Steuerreform, bei der die Bauern entlastet werden. Weiters brauchen wir bei den Agrarverhandlungen auf EU-Ebene Unterstützung, weil Kürzungen im Raum stehen. Das darf nicht auf dem Rücken der Familienbetriebe passieren. Der dritte Punkt ist, und da geht es um die Zukunft, dass nicht so despektierlich über den ländlichen Raum gesprochen wird. Familien müssen in der ländlichen Region dieselben Voraussetzungen haben wie in der Stadt.

Schmuckenschlager: Ich kann mich dem absolut anschließen. Spezifiziert sehe ich als größte Herausforderung für die Landwirtschaft den Klimawandel. In der politischen Umsetzung ist es die Frage der Betriebsmittel, die uns tagtäglich begleitet. Wir haben so viele Veränderungen, da können wir nicht weiter einschränken, gerade was den Pflanzenschutz betrifft.

Die Zahl der bäuerlichen Betriebe ist nach wie vor rückläufig. Ist der Trend zu stoppen?

Schmuckenschlager: Der große Strukturwandel ist schon eingebremst. Wir sehen eher eine Stabilisierung. Aber wenn man die Entwicklung seit dem EU-Beitritt 1995 sieht, hat sich einiges getan. Vor allem bei den Ackerbaugebieten sind die Betriebe rückläufig, wo es auch durch die technische Erweiterung möglich ist, größere Flächen zu bewirtschaften. Aber wir treten entschieden gegen Großinvestoren und Finanzindustrie auf, die stark in die Landwirtschaft drängen. Auch wenn es ein interessantes Investment ist, wollen wir die Bewirtschaftung in bäuerlicher Hand sehen.

Pernkopf: Unsere Bauern sind nicht die Größten, sie sind die Besten. Jeder Konsument kann etwas dazu beitragen, wenn er regionale Produkte kauft.

Wird das Bewusstsein für heimische Produkte stärker?

Schmuckenschlager: Die Regionalität wird wichtiger. Das ist auch ein wesentlicher Faktor für die Lebensmittelmärkte. Und wir sehen bei den Beratungen und Investitionen, dass immer mehr Betriebe sich auf Bauernläden oder Kleinvermarktung spezialisieren. Bedrohlich sind für uns die Eigenmarken in den Lebensmittelmärkten. Dort verschwindet das Gesicht der Region und damit das Gesicht der Bauern. Da werden wir nicht mehr lang zuschauen können. Damit werden Marken zerstört.

Kann man dem entgegenwirken?

Schmuckenschlager: Nein, das reguliert sich nur über den Markt, den Kunden als Verbündeten, Bewusstseinsbildung und Kommunikation.

Pernkopf: Positiv ist, dass die Konsumenten eindeutig die Vielfalt wollen. Das ist eine Chance für die Regionalität.

Stichwort EU-Wahl. Der NÖ Bauernbund stellt mit Alexander Bernhuber einen eigenen Kandidaten und unterstützt im Vorzugsstimmenwahlkampf nicht die bundesweite Bauernbund-Kaid Kandidatin Simone Schmiedtbauer.

Pernkopf: Das ist mit dem Bauernbund und der ÖVP-Spitze so abgestimmt. Bernhuber war Chef der Landjugend auf Bundesebene und wir wissen, dass er gut ist. Wir ermöglichen somit überhaupt erst die Chance, dass vielleicht sogar zwei Kandidaten den Sprung ins EU-Parlament schaffen.