Dorfmeisters „Ex“ droht lange Haft. Andreas P. sitzt in U-Haft. Auch Ex-Kicker Paul Scharner ein Opfer? Skiverbands-Vize Reiter vertritt Beschuldigten vor Gericht.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 01. August 2017 (03:00)
Ein Bild aus besseren Tagen. Michaela Dorfmeister war mit ihrem Ex-Freund gemeinsam viel auf Events anzutreffen. Jetzt sitzt er in U-Haft.
Franz Baldauf

„Es gab schon schönere Zeiten in meinem Leben, das könnt ihr mir glauben! Danke an alle, die in dieser harten Phase da sind, die mir Mut machen, Kraft geben und die mir helfen, stark zu bleiben.“ Das aktuelle Facebook-Posting von Michaela Dorfmeister (44) aus ihrem Urlaub in Kroatien mit einem Foto am Meer bringt die Gefühlslage der Ski-Doppelolympiasiegerin auf den Punkt.

Der Betrugsverdacht gegen ihren (mittlerweile) Ex-Lebensgefährten Andreas P. machte die letzten Wochen für sie zu „einem Albtraum vom Anfang bis zum Ende“, wie sie gegenüber der NÖN betonte.

Dem Vater ihrer gemeinsamen achtjährigen Tochter Lea wird vorgeworfen, Unternehmer, Firmenvorstände und ehemalige Profisportler um über 4,5 Millionen Euro betrogen zu haben. Die Masche war einfach: P. hatte den Geschädigten hohe Renditen mit dem Verkauf von alten und wieder reparierten Indus-triemaschinen ins Ausland versprochen. Anfangs bekamen die Anleger sogar Geld ausbezahlt. So hatte er sich Vertrauen erworben. Doch bald war der 47-Jährige aus Purgstall (Bezirk Scheibbs) zahlungsunfähig. Auch weil P. Millionen im Casino verspielt haben dürfte. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft – laut seinem Anwalt ist er geständig.

Zwei „Sechser“ im Lotto gewonnen

Von den ihm vorgeworfenen Machenschaften hat Dorfmeister lange nichts mitbekommen: „Er hat über Jahre ein so perfektes Lügengebilde aufgebaut und Doppelleben geführt, dass es für mich noch immer unbegreiflich ist, wie das überhaupt möglich war“, erklärt sie. Dass er öfter in der Nacht „gearbeitet“ hat, weil die Wartungen an den Industrieanlagen nur bei Stillstand möglich ist, klang plausibel: „Da denkt man nicht automatisch, dass er ja auch im Casino sein könnte.“

Die Spielsucht von P. dürfte sich auch durch exzessives Lotto-Spielen ausgewirkt haben. Wie in Purgstall erzählt wird, hat er oft Dutzende Scheine aufgegeben. Dabei hatte Dorfmeisters Ex-Lebensgefährte sogar zweimal (!) einen Lotto-Sechser mit insgesamt 4,5 Millionen Euro gewonnen. „Von den Lottogewinnen wusste ich natürlich. Nicht aber, was er mit dem Geld tatsächlich gemacht hat“, erklärt die ehemalige Skirennläuferin, für die das Lügengebilde ihres Ex-Freundes Ende 2016 zusammengekracht ist. „Ich hatte von alldem bis zum Schluss keine Ahnung, bis ich Ende 2016 das E-Mail eines Geschädigten bekommen habe. Das war ein Schock. Da war von einer halben Million die Rede. Nach und nach hat sich dann das ganze Ausmaß gezeigt und ich war eine Zeit lang wie in einer Schockstarre.“

Dorfmeister hat selbst, wie sie betont, keinen finanziellen Schaden erlitten. Unter den geschädigten Ex-Profisportlern dürfte allerdings laut Tageszeitungs-Meldungen Ex-Profikicker Paul Scharner sein – so wie P. in Purgstall aufgewachsen. Er soll laut Berichten eine sechsstellige Summe verloren haben. Scharner ist zur Zeit auf Urlaub und war daher für die NÖN nicht erreichbar.

Für das ehemalige Ski-Ass Michaela Dorfmeister war der Urlaub auf Kroatien jetzt „ein Neuanfang nach all dem Wahnsinn“. Oberste Priorität für sie hat nun ihre Tochter Lea. „Dorfi“ will ihr Leben jetzt neu planen und für ihre Tochter da sein: „Die Vorstellung, dass andere Kinder mit dem Finger auf sie zeigen und sagen ,Dein Vater ist ein Betrüger‘ bricht mir fast das Herz.“

Ob sie überlegt, das gemeinsame Haus, das sie und ihr Ex-Freund in dessen Heimatgemeinde Purgstall gebaut haben, zu verlassen, ist entgegen Gerüchten vorerst kein Thema. „Ich liebe dieses Haus und diesen Ort. Ich muss sehen, wie sich alles entwickelt.“

Wie sich die Dinge für An-dreas P. entwickeln, werden die Gerichte entscheiden. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft, wie Leopold Bien, Erster Staatsanwalt am Landesgericht St. Pölten betont. Wann der Prozess starten wird, kann Bien noch nicht sagen.

Vertreten wird ihr „Ex“ übrigens von Rechtsanwalt Christian Reiter, der so wie Dorfmeister auch als Vizepräsident im NÖ-Landesskiverband tätig ist. Dass es dabei zu einem Interessenskonflikt für die künftige Zusammenarbeit im Skiverband kommen könnte, denken sowohl Dorfmeister als auch Reiter nicht. Dorfmeister: „Mein Ex-Partner hat sich da extrem was eingebrockt, das er jetzt auszulöffeln hat. Dafür wird er einen guten Anwalt brauchen und Christian ist ein guter Anwalt. Das hat aber weder mit mir noch mit der Zusammenarbeit von Christian und mir im Landesskiverband zu tun.“ Auch für Reiter ist der Umstand „kein Problem“.