25 Jahre Europa-Forum: „Wir brechen auf zu neuen Ufern“. Präsident Martin Eichtinger über Amphitheater, Liebkinder, Jubiläumsgeschenke & Geburtstagswünsche.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:05)

NÖN: Diese Woche öffnet Niederösterreichs Europa-Forum – nach einem Jahr Pause – wieder seine Pforten. Wird das wie immer? Oder wird da alles anders?

Martin Eichtinger: Das ist für uns ein Befreiungsschlag! Das 25-Jahr-Jubiläum wäre ja schon letztes Jahr gewesen, das mussten wir absagen. Heuer haben wir lange überlegt, ob wir’s nur virtuell oder auch vor Ort machen. Wir hatten ja früher an die 500 Gäste, heuer werden es nur um die 100 sein. Aber wir sind glücklich, dass wir eine Hybridveranstaltung machen können. Dafür haben wir auch ein komplett neues Setting.

Veranstaltungsort – und auch Symbol – für das Europa-Forum war seit seiner Premiere im Jahr 1995 immer das Stift Göttweig.

Dabei bleibt es auch. Aber wir werden das Plenum, das immer im Altmann-Saal war, diesmal auf der Kaiserstiege machen. Und da wird die ganze Stiege zum Amphitheater, das wird großartig!

Interview „Wir brechen auf zu neuen Ufern“ mit Europa-Forums-Präsident Martin Eichtinger
Wie alles begann: Die Initiatoren von Niederösterreichs Europa-Forum Wachau, der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll (ganz links) und der damalige Außenminister Alois Mock (ganz rechts) mit Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (zweiter von links) und Ex-EU-Kommissionspräsident (damals noch Luxemburgs Premierminister) Jean-Claude Juncker anno 1995 in Göttweig. Foto: Europa-Forum Wachau
Europa-Forum Wachau

Neben Göttweig gibt es heuer aber noch einen zweiten „Spielort“ für das Forum. Wo ist der?

Gleich am ersten Tag sind wir in der Aula der Donau-Uni am Campus Krems. Das ist unsere neue Spielstätte – wir fangen ja auch gleichzeitig mit der Fußball-EM an [lacht]!

Und wie sieht die Gästeliste für das Jubiläumsforum aus?

Wir haben Außenminister, Europaminister, Wirtschaftsleute, drei hochkarätige EU-Kommissare – wir sind wirklich gut aufgestellt. Nur in der Planung war es wahnsinnig schwierig, wir haben ja mit der Absage 2020 begonnen, das Forum 2021 zu planen. Und es hat keinen Monat gegeben, wo ich nicht mit dem Europa-Forum beschäftigt war. Deshalb bin ich so glücklich, ein wirklich substanzielles Programm zu haben.

Die Agenda für 10. bis 12. Juni schaut noch dichter aus als sonst. Was durfte da nicht fehlen? Und was gibt’s heuer zum ersten Mal?

Wir haben wieder drei Tage, wie 2019 auch. Gleich am ersten Tag wird Paul Lendvai da sein, der ja schon beim ersten Europa-Forum dabei war und diesmal einen Rückblick geben wird. Thematisch geht es am Donnerstag um Gesundheit und Klimawandel, da haben wir auch ganz spannende Leute zu Gast, wie myAbility-Gründer Gregor Demblin und Plastic Bank-CEO David Katz. Am Freitag geht es dann um die Konferenz zur Zukunft Europas, mit zwei Online-Workshops am Nachmittag: zur Kommunikation – das war mir so wichtig, der Brexit war ja auch ein absolutes Versagen der EU-Kommunikation – und zur Wettbewerbsfähigkeit, das ist auch ein Liebkind von mir, da schauen wir uns an, was Europas Regionen am besten können. Und am Abend gibt es wie schon am Donnerstag einen Europa-Forums-Salon. Für die Salons, die wir 2018 ins Leben gerufen haben, haben wir ja schon großes Lob aus Brüssel bekommen. Und es ist auch unsere Hoffnung, dass wir mit diesen Bürgerbeteiligungsformaten ins nächste Vertragsveränderungsverfahren gehen können. Wir brauchen dringend einen neuen Vertrag, in der Europäischen Union!

Und wie sieht der Abschlusstag am Samstag aus?

Das ist schon traditionell der Tag des Kanzlers. Wir werden am Samstag auch unsere Festschrift zum 25-Jahr-Jubiläum präsentieren, die durfte ich mitherausgeben. Und für Paul Lendvai haben wir ein Jubiläumsgeschenk vorbereitet – das ist aber noch ein Geheimnis!

Und wo sind die „neuen Horizonte“, die als Motto über dem Europa-Forum 2021 stehen?

Die „new horizons“ darf ich auf meine Kappe nehmen. Ich hab’ gesagt, wir brechen auf, zu neuen Ufern. Nach der Pandemie hat sich unglaublich viel verändert. Und jetzt brennt auch vieles unter den Nägeln, die Einstimmigkeit in der EU-Außenpolitik etwa, aber auch die Frage, welche Union wir wollen.

Was wünschen Sie sich, für heuer und für die nächsten 25 Jahre?

Das Europa-Forum hat auch in den nächsten 25 Jahren noch viel zu tun. Heuer wünsche ich mir vom ersten Tag ein paar gute Ideen und Anregungen, für Niederösterreich, vom zweiten Tag erhoff’ ich mir auch ein bisschen Lob, für Niederösterreich. Und am dritten Tag machen wir einen Rückblick und einen Ausblick…