NÖ verschärft Corona-Maßnahmen: "Lockdown verhindern". Ab 5. Oktober darf in „orangen“ Bezirken kein Publikum mehr bei Sportveranstaltungen dabei sein. Auch bei anderen Events werden die Besucherzahlen beschränkt. In Restaurants werden die Gästelisten verpflichtend eingeführt. Die Sperrstunde wird aber nur bei „Rot“ auf 22 Uhr vorverlegt.

Von Daniel Lohninger, Walter Fahrnberger und APA . Update am 25. September 2020 (13:40)

Mit Stand heute Freitag sind in Niederösterreich 1.098 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Täglich kamen in dieser Woche im Schnitt 130 Neuinfektionen dazu. In neun NÖ-Bezirken und in den Statutarstädten Krems und Wiener Neustadt wurde die Corona-Ampel auf „Orange“ gestellt

Das ist der Grund, warum Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP) und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Freitag verschärfte Maßnahmen für Niederösterreich präsentierten.

Bis zur Ampelfarbe Gelb gelten die Maßnahmen des Bundes. Ab „Orange“ werden in NÖ strengere Regelungen vorgeschrieben. So darf dann bei Sportveranstaltungen kein Publikum mehr anwesend sein. Ausgenommen sind bei Amateurveranstaltungen die Angehörigen. Von dieser Maßnahme ebenfalls nicht betroffen ist die Bundesliga, wo Zuschauer weiterhin zugelassen sind.

Auch bei anderen Veranstaltungen werden die Besucherzahlen massiv beschränkt.

Indoor dürfen bei Orange nur mehr 250 Personen statt bisher 1.500 auf zugewiesenen Plätzen teilnehmen. Bei nicht zugewiesenen Plätzen wird die Zahl auf zehn reduziert. Outdoor gelten 1.000 statt 3.000 Personen auf zugewiesenen Plätzen, 100 bei nicht zugewiesenen.

Gäste-Registrierung in der Gastronomie

Für die Gastronomie werden so wie in Wien nun auch in Niederösterreich bei „Orange“ die verpflichtenden Gästelisten für die Registrierung eingeführt. Dafür bleibt die Sperrstunde bei 1 Uhr.

„Nur in den roten Bezirken wird die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt“, erklärt die Landeshauptfrau.

Betroffen von den neuen Regelungen sind auch die Kindergärten, wo der Betrieb mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden soll. Bei „Rot“ sollen die Kinder nur bei Bedarf zur Betreuung geschickt werden. Auch in Kliniken und Reha-Zentren kündigte Mikl-Leitner entsprechende Maßnahmen an.

Es brauche ein klares Regulativ, das den Menschen Sicherheit gebe, meinte Mikl-Leitner. „Es gilt nun alles zu tun, um die Infektionen in den Griff zu bekommen“, sagte die Landeshauptfrau, die auch strenge Kontrollen der Einhaltung der Maßnahmen seitens des Bundes ankündigte.

Wann welcher Bezirk auf welche Farbe geschaltet ist, wird wie bisher jeweils am Freitag bekanntgegeben. Die Maßnahmen treten dann ab dem darauffolgenden Montag in Kraft.#

"Gefahrenpotenzial" bei Sportevents

"Wir müssen alles tun, um einen weiteren Lockdown zu verhindern", betonte Landeshauptfrau Mikl-Leitner. Weil gerade von Sportveranstaltungen ein "Gefahrenpotenzial" ausgehe, dürften diese in Bezirken bei Orange nur noch ohne Publikum stattfinden.

"Ich weiß, das tut weh, wenn man nicht anfeuern kann, dabei sein kann und die Spannung erleben kann", so Mikl-Leitner. Der Schritt sei jedoch notwendig, "um Sport weiterhin möglich machen zu können". 

Über zwei Drittel der Infektionen durch "Sport & Freizeit"

Derzeit gehen nach Angaben von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) 69 Prozent der Infektionen auf "Sport und Freizeit" zurück. Dem folgten die Bereiche "Haushalt", "Arbeit" und "Bildung".

Mit den Regulativen bei Veranstaltungen (siehe weiter oben) sollen "strenge Kontrollen" einhergehen. "Überall, wo soziale Kontakte stattfinden, kann kontrolliert werden", erklärte Mikl-Leitner.

In der Gastronomie sehen die Maßnahmen Gästelisten zur Dokumentation der Besucher vor. Die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) soll in den kommenden Tagen die Vorgaben ausgeben, die auch nach Möglichkeit in Abstimmung mit Wien umgesetzt werden sollen, erklärte die Politikerin.

Kindergärten bleiben offen, Appell pro Home Office

Bei oranger Corona-Ampel müssten Kindergartenkinder "direkt an der Tür" den Betreuern übergeben werden. Eltern und andere Personen sollen die Einrichtungen nicht mehr betreten.

Sollte die Ampel auf Rot wechseln, werde man den Betrieb einschränken. "Kindergärten bleiben auf alle Fälle offen", sollten dann jedoch nur von Kindern besucht werden, die sonst keine Möglichkeit auf Betreuung hätten, betonte Mikl-Leitner.

Sie appellierte zudem an Unternehmer, Mitarbeiter im Home-Office arbeiten zu lassen, um Pendlerbewegungen zu reduzieren. Ziel sei es, in den kommenden Wochen auf "50 Prozent Home-Office" zu kommen.

In rot gefärbten Teilen Niederösterreichs soll es zudem "restriktive Regeln in Kliniken, Rehaeinrichtungen und Kuranstalten" geben. Ausgenommen blieben in jedem Fall Geburten-, Kinder- und Palliativstationen. "Die Lage ist ernst", betonte auch LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP). Er stellte ein "strengeres Besuchsregime in Landeskliniken und Pflegeheimen" in Aussicht.

Zuletzt hat sich laut Pernkopf die Zahl der hospitalisierten Coronavirus-Patienten in Niederösterreich "von 36 auf 71 verdoppelt". 15 Personen mussten intensivmedizinisch behandelt werden. Pernkopf kündigte darum auch eine neue Covid-Station im Landesklinikum Gmünd an. In Krankenhäusern gelte es, den Betrieb in anderen Bereichen aufrecht zu erhalten. "Wir wollen Verschiebungen von Operationen vermeiden", hielt er fest.

"Die Reproduktionszahl liegt in Niederösterreich derzeit bei 1,24", berichtete Königsberger-Ludwig. Aktuell könne man "zwei Drittel aller Fälle" auf ihren Ursprung zurückführen. Dennoch wolle man mehr und schnellere Test anbieten. Aus diesem Grund sei man in Zukunft mit "35 mobilen Testteams" unterwegs.