Ein Brief an den Papst. PFARRERINITIATIVE / In Rom geht man davon aus, dass Konflikt zwischen Pfarrerinitiative und Bischofskonferenz auf nationaler Ebene gelöst wird. Helmut Schüller will Gespräch mit Papst.

Erstellt am 23. April 2012 (00:00)
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Pfarrer Helmut Schüller: Brief an den Papst.
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VON MARTIN GEBHART

Auch wenn es das Zentrum der katholischen Weltkirche ist: In Rom sorgt das kleine Österreich derzeit für einigen Gesprächsstoff, in erster Linie wegen der Pfarrerinitiative und deren Aufruf zum Ungehorsam. Dass es deswegen einen direkten Dialog zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Proponenten der Initiative, Pfarrer Helmut Schüller, geben wird, sieht man im Vatikan eher als unwahrscheinlich an. „Wenn es ein Problem in einem Land gibt, wird der Papst zu den Bischöfen sagen: Das ist eure Arbeit, diese Probleme zu lösen“, so Pater Frederico Lombardi SJ, Leiter des Vatikanischen Presseamtes zu österreichischen Journalisten.

Auf den direkten Dialog hatte ja Helmut Schüller gehofft, nachdem Papst Benedikt bei der Chrisam-Messe am Gründonnerstag den „Aufruf zum Ungehorsam“ in seiner Predigt direkt ansprach. Mit der Frage: „Ist Ungehorsam ein Weg, um die Kirche zu ermutigen?“ Ein Satz, der in Rom als rein rhetorische Frage gedeutet wird, als klare Verurteilung des Ungehorsams. Der Grazer Bischof Egon Kapellari zum Text in der Papst-Predigt: „Der Text war moderat, hat keine Türe zugeschlagen, niemanden verletzt, ist aber keine Einladung an die Initiative, auf diesem Weg fortzufahren.“ Er sieht das Wort „Ungehorsam“ als Tabubruch an.

Während Bischof Kapellari mit Journalisten in Rom weilte, gab Kardinal Christoph Schönborn in einem News-Interview eine ähnliche Stellungnahme hinsichtlich der Papstpredigt ab. Zitat von Schönborn daraus: „Der Papst hat gezeigt, dass er genau weiß, was hierzulande diskutiert wird. Ich bezweifle, dass ihm ein solches Gespräch (Anm.: mit der Pfarrerinitiative) viel Neues brächte. Aber umgekehrt täte es uns Österreichern immer gut, ein wenig Geist von der Weltkirche zu atmen.“

Schüller will unbedingt  Gespräch mit dem Papst

 

Die Meldung aus Rom, dass der Konflikt mit der Pfarrerinitiative in Österreich gelöst werden soll und sich der Heilige Vater nicht direkt einbringen wird, hat Helmut Schüller nicht entmutigt. Der Weinviertler Pfarrer will nun einen Brief an Papst Benedikt schreiben, in dem er ihn um ein persönliches Gespräch bittet, wie er in einem Presse-Interview erklärte. Die Erklärung von Sprecher Lombardi sieht er nicht als offizielle Stellungnahme an. Schüller wörtlich: „Wenn der Vatikan den direkten Dialog mit uns ablehnt, dann soll er uns das in einem offiziellen Schreiben mitteilen.“

In Rom werden die Pfarrerinitiative, deren Aufruf zum Ungehorsam sowie deren Forderungen etwa nach dem Frauenpriestertum oder der Abschaffung des Zölibats sehr kritisch gesehen. Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen: „Das ist ein bisschen das Pro-blem der Pfarrerinitiative, in der man im Grunde Einheit sucht und Spaltung produziert.“ Vor einer drohenden Spaltung hatte ja auch Bischof Egon Kapellari in einem Hirtenbrief gewarnt. „Dieser Brief hat auch in Rom und Deutschland Gefallen gefunden“, so Kapellari.

Auf Kritik stößt die Pfarrerinitiative auch bei P. Bernd Hagenkord, Chefredakteur der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. Er hält sie für „strukturkonservativ“. Die Initiative wolle kirchliche Inhalte ändern, um eine Struktur aufrecht zu erhalten, und nicht jenen Weg gehen, der sich um neue Strukturen bemüht.