Sobotka: „Dafür lohnt die Arbeit!“. Wolfgang Sobotka (63), daheim in Waidhofen an der Ybbs, führt seit dem 20. Dezember 2017 eines der wichtigen Ämter der Republik. Ein Anlass für eine erste Bilanz.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 29. Januar 2019 (00:24)
Erich Marschik
Wolfgang Sobotka begann seine Polit-Karriere in Waidhofen/Y.

Umgeben von der betörenden architektonischen Pracht und Schönheit der Monarchie residiert Wolfgang Sobotka (ÖVP) in einem Containergebäude im Wiener Burggarten, direkt hinter der Nationalbibliothek. Er trägt es mit Fassung, lobt den Ausblick aus seinem spartanisch eingerichteten Büro, das ohne Schreibtisch auskommt. Er weiß, auch diese Zeit geht zu Ende; wenn die Restaurierung des Parlaments abgeschlossen sein wird, kehrt er 2020 zurück, in Räume voll Prunk und Gloria.

Einmischen will er sich in die Umbauarbeiten nicht. „Unmittelbar nachdem ich das Amt des Nationalratspräsidenten übernommen habe, war für mich klar, dass der Umbau des Parlaments in professionelle Hände gelegt werden muss. Niemand ist dafür besser geeignet als die Bundesimmobiliengesellschaft.“

"Stiegensteigen ist ohnehin gesünder"

Was aber nicht heißt, dass sich der Präsident abputzt: „Unsere Verantwortung ist, den entsprechenden Beschluss des Nationalrates einzuhalten. Bei einem historischen Umbau kann es aber immer Überraschungen geben. Manche Abwurfpakete wurden auch schon beschlossen, um die Kosten einzuhalten. Mehrere kleine Lifte wurden beispielsweise zu einem großen zusammengelegt. Stiegensteigen ist ohnehin gesünder.“

Während er stets zielgerichtet agiert, schaut er eher ungern zurück. Dass er ein Jahr Erster Präsident des Nationalrates ist, scheint ihm nicht so wichtig. „Ich feiere keine persönlichen Jubiläen. Das darf man aber nicht mit den Jubiläen der Republik verwechseln. Die zu feiern sind dann wichtig, wenn sie eine Bedeutung für die Zukunft haben, wenn sie Anlass bieten, sich an einen Teil unserer Geschichte zu erinnern, wenn sich daraus Handlungsanweisungen für die Jetztzeit ableiten lassen.“

Auch wenn Sobotka nicht zurückblicken mag, zu einer Aussage lässt er sich hinreißen: „Das Amt des Nationalratspräsidenten ist vielleicht der schönste Beruf, den ich jemals ausüben durfte. Aus dem Grund, weil die Vielfalt so

enorm ist. Und weil er – da kommt der Historiker in mir durch – zur Grundlage der demokratischen Verfasstheit unseres Staates führt.“

Ein sachorientiertes Arbeitsklima

Seine Arbeitsbedingungen seien sehr gut, meint Sobotka: „Natürlich haben wir ein sehr, sehr pointiertes Klima bei Parlamentsdebatten, da darf man auch nicht dünnhäutig sein. In der Präsidiale und im Hintergrund gibt es ein sehr gutes, sachorientiertes Klima.“

Bleibt die Frage zum Abschluss, worauf er am meisten stolz ist? „Sehr viel Freude macht es mir, wenn man Österreich im Ausland in Sachen Demokratieentwicklung als Vorbild sieht. Das zeigt, dass wir im gesamten Parlament eine Arbeit tun, die wertvoll und auch international anerkannt ist. Für mein Vorhaben, den Stellenwert des Parlaments auch öffentlich wieder stärker in den Fokus zu rücken, erfahre ich auch durchaus Lob über alle Parteigrenzen hinweg. Dafür lohnt es sich zu arbeiten.“