Schulen: Hilfe für Direktoren. Land will nicht mehr auf Bund warten. Ab 2015 stellt NÖ den Direktoren von die Schul-Direktoren Pflichtschulen Unterstützungspersonal für administrative Tätigkeiten zur Verfügung.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 20. Oktober 2014 (05:26)
NOEN, Foto: Erwin Wodicka

Es ist eine langjährige Forderung. Direktoren im Pflichtschulbereich – Volksschulen und Neue Mittelschulen – sehen sich mit immer mehr Verwaltungstätigkeit konfrontiert und fordern deswegen personelle Unterstützung. Bislang erfolglos. Trotz Resolutionen an den Bund, trotz ständiger Gespräche. Jetzt will NÖ diese Verhandlungen nicht mehr abwarten und nimmt vorerst einmal das Problem selbst in die Hand.

Über-50-jährige als Entlastungspersonal

Ab dem Jahr 2015 sollen jährlich rund drei Millionen Euro in die Hand genommen werden, um Verwaltungspersonal über den Verein „Jugend und Arbeit“ anzustellen und den Schulen anzubieten. Da das Hauptaugenmerk dabei auf ältere Arbeitslose über 50 Jahre liegt, ist auch das NÖ Arbeitsmarktservice mit Förderungen mit an Bord.

Angedacht ist, dass pro Woche rund 2.800 Arbeitsstunden zur Verfügung stehen. Wie diese dann auf die Verwaltungskräfte bzw. auf die einzelnen Schulen aufgeteilt werden, soll an der Basis von den Bildungsdirektionen mit den Schulen und den Personalvertretern erarbeitet werden. Das hängt natürlich auch davon ab, wie viel Bedarf angemeldet wird. In der Praxis könnte dann eine Verwaltungskraft auch für mehrere Schulen tätig sein.

Unterstützung auch im psychologischen und sozialen Bereich nötig

ÖVP-Bildungslandesrätin Barbara Schwarz: „Die Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass die bundesweiten Forderungen der Lehrerschaft nach administrativer Unterstützung nicht zu Unrecht gestellt werden. Die Situation an den Schulen lässt oft wesentliche pädagogische Aufgaben zu kurz kommen, und ich bin froh, dass wir hier Abhilfe schaffen und ein Vorzeigeprojekt starten können. Ich appelliere auch an die Frau Bundesministerin, im Rahmen der anstehenden Bildungsreform-Verhandlungen, unser Pilotprojekt als Vorbild für eine österreichweite Gesamtlösung in dieser Problematik zu sehen.“

Mehr Unterstützung würde in Zukunft nicht nur in der Verwaltung, sondern auch im psychologischen und sozialen Bereich an den Schulen benötigt.

Große Chance für ältere Arbeitslose

Für ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka ist dieses Projekt auch eine große Chance für ältere Arbeitslose. Sobotka: „Am Arbeitsmarkt werden Jobs im Bereich Büro und Verwaltung dringend gesucht, vor allem für die Zielgruppe der älteren Arbeitslosen. Mit dieser Initiative schaffen wir einen umfassenden Stundenpool und Jobs, die es bis dahin noch nicht gegeben hat und damit mittelfristige Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl für ältere Arbeitslose als auch für Junglehrerinnen und Junglehrer.“ Wobei bei den Junglehrern das Land die Kosten allein tragen muss.

Das Projekt ist vorerst auf drei Jahre angesetzt, wobei noch genau geschaut werden muss, wie die Förderungen im AMS-Bereich laufen. Verbunden ist das Pilotprojekt des Landes mit dem Risiko, dass der Bund auch künftig für diesen Bereich kein Geld aufwenden wird. Landesrätin Schwarz: „Wir haben in den Gesprächen ein klares Signal gesetzt, dass wir als Bundesländer künftig nicht immer wieder finanziell in Vorlage treten werden.“ Sie erwartet sich, dass all diese Fragen in der Reformgruppe zur Schulverwaltung geklärt werden.

Unterstützungspaket für Pflichtschuldirektoren geschnürt: Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka, Bildungslandesrätin Barbara Schwarz, Peter Böhm vom Zentralausschuss der NÖ Landeslehrer.

Arbeitsgruppe zur Bildungsreform

Abgesehen von jener Expertengruppe, die derzeit ein Bildungspapier zur Verwaltungsentflechtung zwischen Bund und Ländern erarbeitet, hat die Regierung in der Vorwoche eine politische Bildungs-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Über eine Bildungsreform werden seitens der Bundesregierung Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Kanzleramtsminister Josef Ostermayer für die SPÖ sowie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer seitens der ÖVP verhandeln.

Die Bundesländer werden wohl durch die ÖVP-Landeshauptleute Erwin Pröll und Wilfried Haslauer (Salzburg) sowie die SPÖ-Landeshauptleute Peter Kaiser (Kärnten) und Hans Niessl (Burgenland) vertreten sein. Formal werden diese von der Landeshauptleutekonferenz nominiert werden.

Diskussionen über Landesschulratspräsidenten 

Grundsätzlich haben sich auf Nationalratsebene SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder und ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka darauf verständigt, den Ländern die Möglichkeit zu geben, die Landesschulrats-Vizepräsidenten abzuschaffen. In diese Diskussion rutschte dann, dass man auch die Landesschulratspräsidenten abschaffen könnte. In NÖ reagierte man auf die Debatte vorerst abwartend.

Gegen Abschaffung von Sonderschulen

Die von der ÖVP gestellten Präsidenten und Vizepräsidenten der Landesschulräte sowie VP-Lehrervertreter sind gegen die Abschaffung von Sonderschulen. Sowohl Bildungsexperten aus der Praxis als auch Eltern dieser „besonders betreuten“ Kinder seien gegen eine totale Inklusion in das Regelschulwesen, heißt es in einer Aussendung anlässlich der Herbsttagung der VP-Landesschulratschefs. Es komme ja auch niemand auf die Idee, die geschützten Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen infrage zu stellen.

Die Landesschulratschefs fordern, anstelle einer Abschaffung der Sonderschulen die Durchlässigkeit und Übergänge zu Regelschulen durch gemeinsame Projekte zu verbessern. Pläne des Bildungsministeriums sehen vor, dass das Modell der Sonderschule, in der Kinder und Jugendliche mit körperlicher oder psychischer Einschränkung separat unterrichtet werden, bis 2020 zur Ausnahme werden soll. Kritik am Papier der Landesschulratspräsidenten gab es danach von den Grünen.