Europa nach Corona-Pandemie wurde in Krems diskutiert. Corona dürfe europäische Werte nicht dauerhaft gefährden, so das Fazit einer Diskussion in Krems.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Juni 2021 (02:55)
Diskutierten auf Einladung der Volkskultur Niederösterreich im Haus der Regionen über die Zukunft Europas: Prälat Maximilian Fürnsinn, Schülerunion-Landesobmann Benjamin Koiser, Demokratieforscherin Ulrike Guérot und NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger (von links). Die Diskussion kann online auf www.volkskulturnoe.at nachgehört werden.
Johann Lechner, Johann Lechner

Wie wird Europa nach der Corona-Pandemie aussehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der jüngsten Auflage der „Europa neu denken“-Diskussionsreihe im Haus der Regionen in Krems. Der Tenor: Europa, allen voran die EU, muss sich rasch aus dem permanenten Krisenmodus befreien, wenn es im globalen Wettstreit nicht dauerhaft ins Hintertreffen gelangen will.

Fürnsinn: Wurden in „Gefängnis der Vorsichtigkeit“ gezwungen

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot skizzierte dabei fünf Bedrohungen für die europäischen Werte: eine Refeudalisierung, eine bleibende Einschränkung der Grund- und Freiheitsrechte, die Digitalisierung und die damit verbundene Verschiebung der Machtverhältnisse hin zu global agierenden Konzernen, die Hygienisierung als Dauerzustand sowie die Chinesisierung Europas. Europa, meinte Guérot abschließend, dürfe kein knöchernes Bürokratiekonstrukt sein, sondern müsse eine lebendige Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe, den Ansprüchen der Zukunft und den Bedürfnissen der Menschen sein.

Die Pandemie habe uns in ein „Gefängnis der Vorsichtigkeit“ gezwungen, bedauerte Prälat Maximilian Fürnsinn. An dieses Gefängnis sollten wir uns nun nicht gewöhnen, sondern das „gute Leben“ im christlichen Sinne suchen. Wie die Politik sei auch die Kirche in der Corona-Zeit nicht ohne Fehler gewesen, habe sich lieber auf das Streamen von Gottesdiensten konzentriert statt auf Gespräche mit Menschen. Für die Zeit nach Corona wären christliche Werte für Europa aber wichtiger denn je.

Optimistisch blickt Schülerunion-Landesobmann Benjamin Koiser in die Zukunft: „Kein Jugendlicher stellt heute mehr die Sinnhaftigkeit der EU infrage. Jeder und jede sieht die positiven Errungenschaften, wir verstehen uns als Europäerinnen und Europäer.“ Und auch wenn manche Gruppen von Jugendlichen im Diskurs in der Corona-Zeit zu kurz kamen, ortet er keine „Lost Generation“. Im Gegenteil: Die Krise habe neue Wege aufgezeigt, beispielsweise auch im Unterricht.

Volkskultur-Geschäftsführerin Dorli Draxler fasst den Diskussionsabend so zusammen: „Europa heißt, den Ausgleich in der Vielfalt zu finden.“