Expertin versichert: "AstraZeneca ist nicht schlechter". Bedenken gibt es um das Vakzin von AstraZeneca. Es soll weniger wirksam sein als Konkurrenz-Produkte und heftigere Nebenwirkungen auslösen. Die NÖN fragte bei der Laxenburger Virologin Christina Nicolodi nach, ob es tatsächlich Grund zur Sorge gibt.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 19. Februar 2021 (16:18)
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Österreich setzte bei der Impfstoff-Bestellung vor allem auf den AstraZeneca-Impfstoff. Auch in Niederösterreich stehen in den nächsten Wochen nur von diesem Anbieter Vakzine zur Verfügung.

Christina Nicolodi berät Firmen bei Entwicklung von Arzneimitteln.
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Entbrannt ist nun eine Diskussion darüber, ob der AstraZeneca-Impfstoff weniger wirksam oder gefährlicher sei als andere. Gerade Personen aus dem Gesundheitswesen kündigten bereits an, sich nicht mit diesem "Wirkstoff zweiter Klasse" impfen lassen zu wollen. Ob es berechtigte Gründe für die Sorgen über das Vakzin aus schwedisch-britischer Produktion in Deutschland gibt, wollte die NÖN von Impfstoff-Expertin und Virologin Christina Nicolodi wissen. 

NÖN: Der AstraZeneca-Impfstoff wird als Impfstoff zweiter Klasse bezeichnet. Ist er tatsächlich schlechter als die anderen beiden bereits zugelassenen?

Christina Nicolodi: Der Impfstoff ist nicht schlechter. Man bezieht sich in dieser Aussage ausschließlich auf einen Wert, den man aus den Studien berechnet hat. Der Wert der Wirksamkeit fußt auf der Anzahl an Probanden, die an Covid-19 erkrankten. Treten weniger Covid-19 Fälle auf als erwartet, sinkt der Wert der Wirksamkeit. Man muss daneben noch die Parameter wie Sicherheit und Immunogenität berücksichtigen und im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen produziert auch der Impfstoff von AstraZeneca gegen die Wuhan-Variante ausreichend Antikörper. Gegen die neuen Varianten ist die Wirksamkeit jedoch tatsächlich deutlich geringer.

Wie unterscheidet sich der AstraZeneca-Impfstoff von denen von Biontech/Pfizer oder Moderna? 

In erster Linie sind es unterschiedliche Impfstoff-Technologien, die benutzt werden. Der AstraZeneca-Impfstoff benutzt ein Virus als Träger, in dem die Erbinformation des Spike Proteins inkludiert wird. Der RNA-Impfstoff, ist ein Stück RNA, das die Information des Spike Proteins beinhaltet. Das wird in Fettkügelchen verpackt und injiziert. 

Gibt es Studien, die belegen, dass der Impfstoff von AstraZeneca stärkere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen hervorruft als die anderen beiden bereits zugelassenen Impfstoffe?

Die Impfreaktionen bei AstraZeneca treten üblicherweise nach der ersten Teilimpfung auf und bei den mRNA-Impfungen erst nach der zweiten. Sie sind aber vergleichbar.

Zur Person: Die Virologin Christina Nicolodi (41) aus Laxenburg (Bezirk Mödling) berät Unternehmen bei der Entwicklung und Zulassung von Arzneimitteln.