Falsch geparkt – und weg. Nicht abgeholte Autos werden in NÖ meist verschrottet.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 11. Februar 2020 (01:01)
Das Abschleppen von Autos auf öffentlichem Grund ist in Niederösterreich grundsätzlich Gemeindesache.
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Die meisten, denen das schon mal passiert ist, erinnern sich nicht gern daran: Plötzlich ist das Auto weg, denn es war falsch abgestellt, im Halteverbot. Die Konsequenz: Das Auto wurde abgeschleppt.

Abschlepp-Hotspot in Österreich ist Wien, hier wurden 2019 laut MA 48 über 24.000 Autos abgeschleppt. Über 800 davon wurden nicht mehr abgeholt. Sie werden verschrottet oder, wenn sie noch einen entsprechenden Wert haben, auch versteigert.

Doch wo in Wien eine zentrale Stelle zuständig ist, ist die Zuständigkeit in Niederösterreich schon weitaus komplizierter geregelt. Laut §89a Straßenverkehrsordnung werden in der Regel dann Fahrzeuge abgeschleppt, wenn sie verkehrsbeeinträchtigend, ohne Kennzeichen oder in einer Abschleppzone abgestellt sind. Verkehrsbeeinträchtigungen können das Behindern von Schienenfahrzeugen oder Linienbussen ebenso sein wie Parken in zweiter Spur. In Auftrag gegeben kann das Abschleppen entweder von der Gemeinde oder der Polizei werden, wenn es sich um öffentlichen Grund handelt. Die Gemeinden können auch Tarife für die Höhe der durch das Abschleppen anfallenden Kosten festlegen.

Fleißige Abschlepper sind in Niederösterreich die St. Pöltner. In Summe wurden hier 2019 pro Tag 1,4 Fahrzeuge abgeschleppt – in absoluten Zahlen waren es exakt 519, im Jahr davor mit 491 etwas weniger.

Welche Autos nicht abgeholt werden

Ohne Kennzeichen wurden 2019 jedoch nur sechs Autos abgeschleppt, ebenso viele wie 2018. Während die abgeschleppten Kfz mit Kennzeichen in der Regel laut Auskunft des M.H.Abschleppdienst am selben Tag abgeholt werden, holt jene ohne Kennzeichen oft niemand mehr ab – sie werden verschrottet. In St. Pölten ist für das Anordnen des Abschleppens die Landespolizeidirektion zuständig. In wenigen Ausnahmen, etwa wenn das Marktgebiet am Domplatz durch Fahrzeuge blockiert wird, kann auch die Stadt selbst ein „Verstellen“ des Fahrzeuges anordnen. Hier wird tatsächlich nur verstellt und nicht abgeschleppt, heißt es vom Magistrat der Stadt St. Pölten.

In Wiener Neustadt etwa wurden zwischen 2014 und 2019 47 Fahrzeuge entsorgt. Dies passiert nach Ablauf einer Aufbewahrungsfrist, heißt es vom Magistrat der Stadt Wiener Neustadt. 2019 wurden fünf und im Jahr davor sieben Pkw im Auftrag des Magistrats abgeschleppt – allesamt, weil sie ohne Kennzeichen abgestellt wurden.

In der Stadt Krems wurden 2019 insgesamt 14 Fahrzeuge abgeschleppt – fünf davon ohne Kennzeichen, von denen nur eines wieder abgeholt wurde. Der Rest wurde verschrottet. 2018 war der Wert etwas höher: Insgesamt wurden hier 16 Fahrzeuge abgeschleppt, neun ohne Kennzeichen, und davon wurden fünf Fahrzeuge nicht wieder abgeholt, also dann ebenfalls verschrottet.

In Baden wurden ohne Kennzeichen 2019 vier Fahrzeuge abgeschleppt, 2018 waren es acht. Der Großteil davon wurde nicht abgeholt – und in Folge ebenfalls verschrottet. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Baden insgesamt 18 Autos verschrottet und drei der Freiwilligen Feuerwehr zu Übungszwecken überlassen. Zu den abgeschleppten Autos mit Kennzeichen werden keine Aufzeichnungen geführt.

Interessant: Die Stadt Klosterneuburg, immerhin drittgrößte Stadt in Niederösterreich, gibt keine Abschleppungen in Auftrag, wie eine Nachfrage der NÖN ergab.

Privatpersonen müssen übrigens, wenn Fahrzeuge auf ihrem Grund unerlaubterweise abgestellt wurden, selbst einen Abschleppdienst beauftragen und auf zivilrechtlichem Weg das Geld dafür vom Zulassungsbesitzer des Autos zurückholen.