SPÖ NÖ: "Hoher Nachholbedarf bei Kinderbetreuung". Eine kostenfreie, flächendeckende und durchgehende Kinderbetreuung sei dringend notwendig, gab die SPÖ Niederösterreich bekannt.

Von Linda Goldsteiner. Erstellt am 31. Juli 2019 (12:46)
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In Niederösterreich gibt es derzeit 1.509 aktive Einrichtungen, in denen 67.888 Kinder betreut werden. Die Betreuungsquote liege in den Kindergärten bei 96 Prozent, bei den Betreuungsmöglichkeit für Kinder unter drei Jahren bei lediglich 17 Prozent, kritisiert Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Damit befinde sich Niederösterreich bundesweit auf Platz fünf. "Hier gibt es sehr hohen Aufholbedarf", so die Landesrätin.

Die SPÖ NÖ fordert deshalb ein "qualitativ hochwertiges, kostenfreies, flächendeckendes und durchgehendes Kinderbetreuungsangebot". Außerdem solle die Bildungszeit auf den ganzen Tag ausgeweitet werden, um auch nachmittags kostenlose Betreuung zu ermöglichen.

Eine weitere Forderung lautet, die Schließtage auf "ein Minimum zu reduzieren" - das wären 25 Tage im Jahr. Im Durchschnitt haben Kinderbetreuungsstätten derzeit 31,5 Schließtage, heißt es von der SPÖ. Ein gutes Beispiel sei St. Pölten mit lediglich drei geschlossenen Tagen. 

Mostviertel als "Notstandsgebiet" in Kinderbetreuung

Königsberger-Ludwig bezieht sich außerdem auf den Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF), der mittels fünf Kriterien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf prüft. In Niederöstereich würden nur 19,3 Prozent der Kinder in Betreuungsstätten sein, die alle fünf Kriterien erfüllen. Mehr als 30 Prozent aller niederösterreichischen Kindergärten hätten mehr als drei Kategorien nicht erfüllt. Hier gäbe es vor allem "regional sehr große Unterschiede", heißt es von der Landesrätin. Sie bezeichnet das Mostviertel sogar als "Notstandsgebiet". 

AK NÖ
Anteil der Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen, die mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind.

"Wir müssen darauf achten, dass alle VIF-Kriterien erfüllt sind und in Regionen denken", sagte Königsberger-Ludwig. So müsse es etwa in einem Umkreis von 20 Kilometern eine gewisse Anzahl von Betreuungsstätten geben, die alle fünf VIF-Kriterien erfüllen. "So kann Wahlfreiheit gelebt werden. Und diese Wahlfreiheit muss in ganz Niederösterreich für alle Familien gleich sein."

Altersarmut bei Frauen verhindern

SPÖ-NÖ-Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt bezieht sich auf die Altersarmut bei Frauen: "Altersarmut beruht schon auf der Kinderbetreuung." Man müsse deshalb den Fokus auf die Betreuung von Kleinkindern legen, um Müttern einen raschen Wiedereinstieg ins Berufsleben und Vollzeitarbeit zu ermöglichen. "Das führt zu höherem Einkommen , was wiederum Altersarmut bei Frauen verhindern könnte", so Schmidt.

SPÖ NÖ
v.l.L Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ NÖ Familiensprecherin), Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig und Elvira Schmidt (SPÖ NÖ Frauenvorsitzende).

Als ein Vorzeigebeispiel für Kinderbetreuung nennt Familiensprecherin der SPÖ NÖ, Kerstin Suchan-Mayr, das "Taka Tuka Land" der Stadtgemeinde St. Valentin. Ein kostenloses, flexibles Angebot in den Semester-, Oster- und Sommerferien von Montag bis Freitag, 06.30 bis 17 Uhr. Die Gesamtkosten liegen hier bei 50.000 Euro. Sie fordert deshalb das Land auf, "Verantwortung zu übernehmen und die Gemeinden finanziell zu unterstützen".