Familienverband begrüßt Ethik-Unterricht. Familienverband-Vizepräsidentin Astrid Ebenberger hält Einführung von Alternativ-Gegenstand für alle, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, für wichtig. Gut findet sie auch, dass Brennpunktschulen zusätzlich gefördert werden sollen und Elementarpädagogik einen höheren Stellenwert bekommt.

Von NÖN Redaktion und Lisa Röhrer. Erstellt am 13. Januar 2020 (10:53)
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Vorwiegend positiv beurteilt der Katholische Familienverband das vorgestellte Bildungsprogramm der türkis-grünen Bundesregierung. Gleich zwei geplante Maßnahmen im vorgestellten Regierungsprogramm begrüßt Astrid Ebenberger, Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes und Bildungsexpertin ausdrücklich: „Zum einen freuen wir uns sehr, dass 100 ausgewählte Schulen in einem Pilotprogramm zusätzliche Ressourcen erhalten werden und die Sinnhaftigkeit der damit getroffenen Maßnahmen evaluiert wird“, ist Ebenberger von der Wirkung dieser Maßnahme überzeugt.

In Niederösterreich könnten diese, laut Bildungsdirektor Johann Heuras, bis zu 15 Schulen in den Städten zugute kommen.

Astrid Ebenberger
Zarl

Besonders begrüßt die Vizepräsidentin auch die geplante Einführung des Ethikunterrichts für jene Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen: „Dabei geht es nicht um ein gegenseitiges Ausspielen der beiden Unterrichtsgegenstände gegeneinander, sondern dass künftig auch Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, sich mit existenziellen Fragen des Lebens auseinandersetzen können“, meint Ebenberger.

Durch ihre Lehr-Tätigkeit an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule in Wien/Krems hat sie einen Einblick in die Ausbildung der Religionslehrer: „Religionsunterricht ist Ethikunterricht und deckt ein breites Feld ab, auch andere Religionen werden thematisiert und kennengelernt“, so die Expertin.

"Zeigt hohen Stellenwert der Bildung"

„Das vorliegende Bildungskapitel zeigt, dass die Koalitionspartner den Stellenwert der Bildung erkannt haben und diese in allen Bereichen aufwerten wollen“, so Ebenberger. Ein Beispiel dafür ist die geplante mittlere Reife und die Aufwertung der neunten Schulstufe: „Eine wirkliche Aufwertung wäre toll, beim aktuellen Fachkräftemangel ist es wichtig, auch die Attraktivität einer Lehrausbildung zu steigern“, ist Ebenberger überzeugt. 

Lob für Fokus auf Elementarpädagogik

Positiv ist für den Familienverband auch der Fokus, den die Bundesregierung auf die Elementarpädagogik legt: „Hier mehr zu investieren ist gut und wichtig, allerdings soll es dabei nicht nur um den quantitativen Ausbau gehen, sondern vor allem um die Qualität“, ist die Überzeugung von Ebenberger, die im aktuellen Regierungsprogramm deutliche Schritte in diese Richtung erkennen kann: „Allein die Errichtung eines Beirates für Elementarpädagogik, der einheitliche Qualitätsmindeststandards für Elementarpädagogik erarbeiten soll, wäre eine große Chance“, ist Ebenberger überzeugt und verweist auf das langjährige Engagement des Familienverbandes in diesem Bereich. 

Kopftuch-Verbot ist für Ebenberger mehr als Symbolpolitik

Während der Familienverband das Kopftuchverbot in Volksschulen als „reine Symbolpolitik“ kritisierte, da kaum Mädchen betroffen waren, sieht die Expertin ein Kopftuchverbot für die Unterstufe anders. „Das ist definitiv ein Bereich, in dem das Thema Relevanz hat.“, weiß die ehemalige Mittelschul-Direktorin aus eigener Erfahrung und gibt zu bedenken: „Sich für ein Kopftuch zu entscheiden, hat sehr große Auswirkungen auf Frauen. Ein Ablegen gestaltet sich in vielen Fällen schwierig. Vielleicht wäre es gut, wenn mit dieser Entscheidung bis zur Religionsmündigkeit mit 14 gewartet wird?“, so Ebenberger. 

Zu wenig konkret ist für Ebenberger der Bereich Inklusion abgehandelt: „Hier gibt es zwar ein Bekenntnis, alle Kinder mitzunehmen, die Maßnahmen dazu sind aber recht wenig konkret und es sind scheinbar keine zusätzlichen Mittel für diesen Bereich vorgesehen." Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass der Schulbesuch für Kinder mit Behinderung oft eine große organisatorische Herausforderung für die betroffenen Familien sein kann: „Hier gilt es ein besonderes Augenmerk zu legen, damit jedes Kind nicht nur überhaupt, sondern so lange  es braucht die richtige Schule besuchen kann“, wünscht sie sich mehr Maßnahmen und Unterstützung für Schüler mit Behinderung.