Donau-Limes wird Weltkulturerbe. 2019 dürfte der Flussabschnitt vom deutschen Regensburg über Ober- & Niederösterreich in Unesco-Liste aufgenommen werden.

Von Karl Ettinger und Walter Fahrnberger. Erstellt am 24. April 2018 (02:31)
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Mit der Aufnahme in die Liste der Unesco-Weltkulturerbe darf sich die Donauregion wie hier in Hainburg touristische, wirtschaftliche und neue kulturelle Impulse erwarten.

Gottes Mühlen mahlen langsam, die bürokratischen Mühlen zur Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes brauchen ebenfalls lange. Aber 18 Jahre nach den ersten Bemühungen und ebenfalls 18 Jahre nach der Aufnahme der Wachau als schützenswerte, einzigartige Landschaft steht der gesamte Abschnitt der Donau nach Informationen der NÖN vor dieser Auszeichnung.

Der sogenannte nasse Donau-Limes als Grenze des ehemaligen Römischen Reichs von Bayern über Ober- und Niederösterreich, Wien und weiter in die Slowakei und Ungarn soll, so viel steht bereits fest, zum Unesco-Weltkulturerbe werden. Der Schlusspunkt im langwierigen Verfahren ist für 2019 zu erwarten. Niederösterreich ist bisher mit zwei Natursehenswürdigkeiten als Unesco-Weltkulturerbe registriert.

Einerseits ist dies seit dem Jahr 2000 der weltberühmte Donauabschnitt der Wachau im Herzen des blau-gelben Bundeslandes. Andererseits zählt dazu seit 1998 die atemberaubende, 1854 fertiggestellte Gebirgsbahnstrecke über den Semmering, die 150 Jahre nach Erbauung immer noch die viel befahrene Verbindung zwischen Wien und Niederösterreich mit Graz und weiter bis an die italienische Adria ist.

"Das Welterbe-Komitee wird im Sommer 2019 dazu entscheiden"

Im österreichischen Unesco-Komitee wurde der NÖN bestätigt, dass das gemeinsame Nominierungsdossier von Österreich, Deutschland, Slowakei und Ungarn fristgerecht bei der Unesco eingereicht wurde. Die Unterlagen würden geprüft und evaluiert, dann gebe es eine Empfehlung. „Das Welterbe-Komitee wird im Rahmen der Tagung im Sommer 2019 dazu entscheiden“, kündigte die Pressestelle des Österreich-Unesco-Komitees an.

Wie weit die Vorbereitungen für den Status des Donau-Limes bereits gediehen sind, beweist ein Schreiben, das der NÖN vorliegt und auf Informationen der Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission, Gabriele Eschig, beruht. Unter „sehr erfreulicher Zwischenschritt“ wird darin der ehemalige Präsident des Bundesrates, der langjährige ÖVP-Politiker Gottfried Kneifel aus Enns unmittelbar an der Grenze zu Niederösterreich, informiert. Der zentrale Satz in dem Brief lautet: „Wenn alles gut geht (wovon mittlerweile alle ausgehen), könnte die Erklärung zum Weltkulturerbe 2019 erfolgen.“

Machbarkeitsstudie „sehr positiv“

Davor wird in dem Schreiben auf die vorerst letzte Sitzung des Weltkulturerbekomitees im polnischen Krakau im Vorjahr verwiesen. Dort sei die Machbarkeitsstudie „sehr positiv aufgenommen“ worden, somit könne die Empfehlung abgegeben werden, das Projekt der entscheidenden Unesco-Kommission in Paris vorzulegen. Auch niederösterreichische Abgeordnete in der Länderkammer des Parlaments haben an der Seite von Kneifel für die Aufnahme des gesamten österreichischen Donauabschnittes mitgekämpft.

Dazu zählt insbesondere die Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer Bundesrätin Sonja Zwazl, aber auch langgediente SPÖ-Vertreter in der Länderkammer wie Albrecht Konecny und Reinhard Todt. Entscheidend ist vor allem auch gewesen, dass sich Bayern und Deutschland für die Aufnahme des Donau-Limes als Unesco-Weltkulturerbe stark gemacht haben. Der sogenannte rätische Limes von Regensburg Richtung Holland ist bereits Weltkulturerbe.

Mit der Aufnahme in die Liste der Unesco-Weltkulturerbe darf man sich vor allem auch weitere touristische, wirtschaftliche und neue kulturelle Impulse für die gesamte Region an der Donau erwarten. Dafür könnte noch ein Informationszentrum eingerichtet werden müssen. Das wird aber nicht in Niederösterreich sein, weil sich die Stadt Enns dafür anbietet.

Dort wird am 26. April die oberösterreichische Landesausstellung „Die Legion kehrt zurück – das Römische Reich in OÖ“ eröffnet. 2019 könnte dort die Informationsarbeit zum neuen Weltkulturerbe mit großem Niederösterreich-Anteil anschließen.

Limes kommt aus dem lateinischen und heißt Grenze. So wurden die vom Römischen Reich vom 1. bis zum 6. Jahrhundert angelegten Grenzwälle in Europa, Vorderasien und Nordafrika benannt. An Rhein, Donau, Euphrat und Tigris markierten die Wasserläufe dieser Flüsse die Grenze. Diese werden auch „Flusslimes“ oder „nasser Limes“ bezeichnet. In Niederösterreich ist das der gesamte Bereich der Donau, wo sich wertvolle archäologische Stätten, wie in Carnuntum, Tulln, Traismauer, Mautern, Pöchlarn oder in Wallsee finden.