Richtlinien für unsere Esskultur nötig?. Nachdem in einem Amstettner Kindergarten kein Schweinefleisch mehr serviert wird, will der Bauernbund eine bundesweite Regelung.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 12. September 2017 (03:00)
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Bei den Essensausgaben in heimischen Schulen oder Kindergärten wird immer öfter auf Schweinefleisch verzichtet. Zuletzt sorgte ein Fall in einem Kindergarten in Amstetten für Diskussionen bei Politik und Eltern. Das will der Bauernbund mit Regeln für die Esskultur unserer Kinder ändern. 

Das neue Schul- und Kindergartenjahr ist erst eine Woche alt. Und schon gibt es eine erste große Polit-Debatte. Auslöser ist ein Kindergarten in Amstetten, der wegen Rücksichtnahme auf Kinder aus anderen Kulturen beim Mittagessen gänzlich auf Schweinefleisch und Gelatine verzichtet.

Die Folge war ein Schlagabtausch mit heftigen Vorwürfen der ÖVP gegen die Amstettner SPÖ-Bürgermeisterin Ursula Puchebner. Für den Amstettner ÖVP-Vizebürgermeister Dieter Funke ist das „ein falsches Zeichen von Integration“. Und auch der Chef der Bundes-ÖVP, Sebastian Kurz, sprach bei seinem Wahlkampfauftakt in St. Pölten das Thema an. Menschen aus fremden Kulturen müssten demnach unsere Sprache lernen und unsere Werte annehmen: „Wer denkt, dass man Schweinefleisch in unseren Kindergärten verbieten muss, ist am falschen Dampfer“, erklärt Kurz.

 „Wer denkt, dass man Schweinefleisch in unseren Kindergärten verbieten muss, ist am falschen Dampfer.“ Sebastian Kurz, ÖVP-Chef 

Bürgermeisterin Puchebner stellte wiederum klar, dass es die alleinige Entscheidung der Kindergartenleiterin gewesen war, dass kein Schweinefleisch mehr angeboten wird.

Und auch wenn es in Österreich für jedes und alles Normen und Regeln gibt: In diesem Fall gibt es keine. Eine bundesweite Richtlinie gibt es nicht, weil die Kindergärten Ländersache sind. „Die Organisation des Mittagessens in den Kindergärten obliegt grundsätzlich den Gemeinden“, stellt wiederum Marion Gabler-Söllner von der NÖ Fachabteilung für Schulen und Kindergärten klar.

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Bauernbundpräsident Georg Strasser

Im Gesetz sei lediglich festgelegt, dass der Erhalter für ein warmes Essen zu sorgen hat. In der Regel wird am Anfang des Kindergartenjahrs abgefragt, ob Allergien, Unverträglichkeiten etc. vorhanden sind, um die Speisepläne darauf abzustimmen. Auch vom Land gibt es dafür keine Vorgaben.

Geht es nach Georg Strasser (ÖVP), dem neuen Präsidenten des Österreichischen Bauernbunds, soll sich das bald ändern: „Ich wünsche mir österreichweit Richtlinien für unsere heimische Esskultur in Schulen und Kindergärten.“

Die Debatte sieht er auch im Hinblick auf die Qualität der heimischen Produkte sehr kritisch: „Da geht es um die Frage, wie gehen wir in Österreich mit den heimischen Produkten um, auf die wir so stolz sind.“ Gefahr bestünde laut Strasser, dass man österreichisches Schweinefleisch gegen andere Billig-Produkte austauscht.

"Auch in anderen Kindergärten wird kein Schweinefleisch mehr angeboten"

Auch Amstettens Vizebürgermeister Funke sieht gerade in seinem Bezirk mit den vielen Schweine-Betrieben die Interessen der Bauern gefährdet. Wie Funke weiß, handelt es sich bei dem Fall in dem Amstettner Kindergarten um keinen Einzelfall: „Es haben mich inzwischen auch noch Eltern kontaktiert, deren Kinder in einem anderen Kindergarten oder einem Hort in der Nachmittagsbetreuung sind. Dort wird das genauso gehandhabt. Es ist in Amstetten fast normal, dass in Kindergärten und -horten beim Mittagessen kein Schweinefleisch mehr angeboten wird.“ Bereits zu Jahresbeginn wurde auch in der SPÖ-Gemeinde Traiskirchen ein ähnlicher Vorfall bekannt.

Keine Rücksicht wird hingegen im Lehrplan von Hotelfachschulen genommen. Dort ist festgeschrieben, dass die Ausbildung die Verarbeitung aller Fleischarten beinhalten muss. Ausnahmen gibt es nur beim Verzehr, wenn die Schüler aus ethischen, religiösen oder sonstigen Gründen kein Fleisch konsumieren wollen.