Industriellenvereinigung will Peripherie stärken. Stopp der Ausdünnung des ländlichen Raums ist das Ziel des Industriellenvereinigung-Aktionsplans.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 09. April 2019 (01:35)
Juerginho/Shutterstock.com
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Mehr als die Hälfte der österreichischen Wirtschaftsleistung wird in den 56 größten Städten des Landes erwirtschaftet – also auf acht Prozent der Siedlungsfläche. Die Folge in peripheren Gebieten: Das Wohlstandsniveau sinkt seit Jahrzehnten. Die Politik versucht zwar gegenzusteuern, der Erfolg ist allerdings überschaubar.

Jetzt nimmt sich die Industriellenvereinigung (IV) der Agenda an. Unter Federführung von Vizegeneralsekretär Peter Koren erarbeitete die Interessensvertretung ein 44-seitiges „Aktionspapier zur Stärkung der Industrie in peripheren Räumen“, das der NÖN exklusiv vorliegt. Dass sich just die IV um den ländlichen Raum sorgt, erklärt Koren so: „Viele Industriebetriebe liegen abseits der Ballungszentren. Dünnt der ländliche Raum weiter aus, hat das massive Folgen für diese Betriebe.“

Im Mai wird das IV-Papier mit der Bundesregierung diskutiert, wobei Koren betont, dass sie bei „vielen dieser Themen bereits sehr gut unterwegs ist“. Die Hauptforderungen des IV-Papiers im Überblick:

Bundesraumordnungskompetenzen entwickeln

Die IV will, dass der Bund eine übergeordnete Raumordnungshoheit für Infrastrukturkorridore bekommt. Diese Bereiche könnten dann von Gemeinden nicht mehr verplant werden. „Derzeit scheitert der Ausbau von Autobahnen, Bahntrassen oder Leitungen oft daran, dass die Flächen daneben bereits zugebaut wurden“, erklären Günter Stummvoll, Sprecher der „Plattform für Leistung und Eigentum“, und Felix Montecuccoli, Präsident der „Land&Forst Betriebe Österreich“. Beide Institutionen unterstützen die IV-Forderungen. Eine völlige Verlagerung der Raumordnungskompetenz zum Bund will die IV aber nicht.

Regionale Kooperation fördern

Die IV fordert die verstärkte Förderung von Gemeinde-Verbünden und die Stärkung regionaler Bezirkszentren. Dadurch soll der Zersiedelung, aber auch dem Trend, dass jede Gemeinde ihr kleines eigenes Gewerbegebiet aufschließt, entgegengewirkt werden. In besonders strukturschwachen Regionen wie dem Waldviertel soll es zudem Steuerbegünstigungen für gewerbliche Investitionen und kommunale Infrastruktur geben.

Berufliche Bildung stärken

Gerade in peripheren Regionen passen oft lokales Ausbildungsangebot und Anforderungen der Wirtschaft nicht zusammen. Die IV fordert deshalb eine Stärkung der technischen Ausbildung und die Forcierung dislozierter HTL-Klassen. „Damit wirkt man der Abwanderung entgegen, weil diese Arbeitskräfte vor Ort gebraucht werden“, betont Koren. Verstärkt werden müsse auch die Zusammenarbeit der Schulen mit den Betrieben in der Region.

Regionalförderung für Klein- und Mittelbetriebe

Betriebe mit bis zu 250 Mitarbeitern sollen Regionalförderung erhalten, fordert die IV. Sie seien die Träger der Wirtschaft im ländlichen Raum. Neben der Ausschüttung zusätzlicher Fördermittel seien der rasche Breitbandausbau und ein neues Mobilitätskonzept Voraussetzung dafür, dass diese Klein- und Mittelunternehmen wettbewerbsfähig bleiben.