Norbert Hofer: „Ich gehe nicht gern ins Casino“. Norbert Hofer über 140 km/h auf der Autobahn, Ibiza-Video-Nachwehen und seine Angst vor VP-Grün.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 03. September 2019 (05:35)
Marschik
Norbert Hofer

NÖN: Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie das Wort Casino hören?

Norbert Hofer: Dass ich nicht gerne ins Casino gehe.

Zu den Turbulenzen um die FPÖ und die Besetzung des Casinos-Austria-Vorstandes sagen Sie nichts?

Hofer: Wenn ich im Land unterwegs bin, habe ich den Eindruck, dass das bei den Wählern kein Thema ist. Die erste Frage, die ich immer höre, ist, ob die Koalition eh fortgesetzt wird. Und das ist das, was wir im Wahlkampf besonders unterstreichen.

Und was sagen Sie zur These, die ÖVP könnte was mit dem Ibiza-Video zu tun haben?

Hofer: Ich will niemanden verdächtigen, aber ich will auch nichts ausschließen. Ich warte die Ergebnisse ab.

Marschik
Norbert Hofer im Gespräch mit NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger

Bei Heinz-Christian Strache hat man nicht unbedingt den Eindruck, dass er wegen des Ibiza-Videos und der daraus resultierenden Neuwahlen so etwas wie Schuldbewusstsein hat. Stört Sie das?

Hofer: Man muss seine spezielle Situation sehen, die für ihn nicht einfach ist. Aber die Leidtragenden sind vor allem die Österreicherinnen und Österreicher, denn wir hätten die Koalition gut fortsetzen können. Wobei Heinz-Christian Strache den Schritt gesetzt hat, der es ermöglicht hätte, diese Koalition fortzusetzen. Das war aber dem Koalitionspartner nicht genug, leider.

Wie erklären Sie sich, dass die FPÖ trotz aller Skandale und Skandälchen in den Umfragen stabil auf Augenhöhe mit der SPÖ liegt?

Hofer: Wir haben unsere Inhalte nicht geändert. Das, was wir vertreten, vertreten wir seit Jahren. Man kennt unser Programm, auch aus dem Regierungsprogramm. Das heißt, wir müssen uns nicht neu erklären. Bei SPÖ und ÖVP fällt auf, dass sie hingegen krampfhaft neue Themen für sich suchen – die SPÖ beispielsweise mit dem 1.700-Euro-Mindestlohn, die ÖVP mit dem Kopftuchverbot, das wir bereits in der letzten Legislaturperiode beschließen hätten können.

1.700 Euro Mindestlohn müssten ja ganz nach dem Geschmack der FPÖ sein.

Hofer: So etwas muss auch finanziert werden und letztendlich müssen die Unternehmer in der Lage sein, das zu bezahlen. Ich halte nichts davon, wenn man alle verpflichtet, einen gewissen Betrag zu bezahlen, und dann fallen Jobs weg. Ich würde sagen, alles mit Augenmaß. Entscheidend ist nicht, was brutto vorne steht, sondern dass den Menschen mehr netto bleibt. Deshalb haben wir Steuern gesenkt und müssen sie weiter senken.

Marschik
Norbert Hofer

Wieso ist Herbert Kickl der richtige Spitzenkandidat für Niederösterreich?

Hofer: Erstens war es logisch, weil er in Niederösterreich wohnt. Zweitens ist die Zusammensetzung der Mitbewerber interessant, mit Sobotka als Gegenpol.

Die ÖVP sieht das eher nicht als Duell Kickl gegen Sobotka.

Hofer: Ich glaube schon, dass die ÖVP das nicht sehen will. Aber natürlich ist es spannend, wer von beiden wie abschneidet – und wie ich Herbert Kickl kenne, wird er gut abschneiden.

Sie wollen die Koalition mit der ÖVP fortsetzen. Könnte sie am ÖVP-Veto gegen Kickl scheitern?

Hofer: Zuerst müssen wir das Wahlergebnis abwarten und schauen, welche Partei mit welchem Gewicht in die Verhandlungen gehen kann. Für uns gibt es zwei Optionen, entweder Koalition mit der ÖVP oder Opposition. Ich glaube, beides können wir sehr gut, wobei natürlich Regieren und Gestalten im Vordergrund steht, aber nicht um jeden Preis. Deswegen werden wir uns sehr bemühen, die Koalition fortzusetzen. Ich hoffe, es gelingt. Wenn es nicht gelingt, dann werden wir eine sehr starke Oppositionspartei sein.

Marschik
Norbert Hofer

Im NÖN-Interview im Juni haben Sie angekündigt, dass die FPÖ im Wahlkampf stark auf das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit setzen wird. Bisher ist davon nichts zu bemerken.

Hofer: Doch, das ist schon ein Thema für uns. Aber ich möchte nicht so wie die Linksparteien eine Klimahysterie erzeugen. Sondern wir sind in der Lage, mit Forschung, Entwicklung, durch die richtigen Förderanreize die Energiewende in Österreich zu schaffen. Eine Hysterie zu erzeugen, bringt gar nichts. Wir sind Realisten.

Wenn die FPÖ wieder in der Regierung ist, kommt dann 140 km/h auf allen Autobahnen?

Hofer: Auch da bin ich für einen Weg der Vernunft. Ich bin sehr zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen der Teststrecken, zwei davon liegen in NÖ. Auch, was die Sicherheit betrifft. Aber es sind Teststrecken. Halbwegs flächendeckend ausrollen würden wir das erst ab einem gewissen Prozentsatz der Dekarbonisierung des Individualverkehrs.

Die FPÖ will die Grenzkontrollen zu Deutschland aufrecht erhalten. Glauben Sie wirklich, dass Österreich weniger sicher wäre, wenn es die nicht mehr gäbe?

Hofer: Solange die Schengen-Außengrenze nicht gesichert ist, brauchen wir die Grenzkontrollen. Wir sehen ja auch den Erfolg: Die Zahl der illegalen Grenzübertritte wird von Jahr zu Jahr geringer. Aber es geht um mehr – es müssen auch die Planstellen bei der Polizei aufgestockt werden. Und wir müssen die Finanzierung des Bundesheers sicherstellen. Langfristiges Ziel muss sein, dass wir ein Prozent des BIP für unsere Landesverteidigung ausgeben.

Marschik
Norbert Hofer

Das Geld kommt woher?

Hofer: Im Vergleich zu NATO-Ländern liegen wir auch dann niedrig. Aber wir sind ein neutrales Land und haben die Verpflichtung, diese Neutralität zu bewahren und mit unserem Heer zu sichern. Finanziell geht sich das aus. Wir haben vernünftig gewirtschaftet und können bei Bürokratie und Verwaltung noch viel einsparen.

Welches Wunschergebnis haben Sie für die Wahl?

Hofer: Ziel ist, klar über 20 Prozent zu liegen und so stark zu sein, dass sich Schwarz-Grün nicht ausgeht.

Schwarz-Grün sehen Sie als realistisches Szenario?

Hofer: Das sehe ich als große Gefahr. Teile von ÖVP und Grünen wollen das.