„OP-Assistenten wandern nach Wien ab“. Medizinische Assisstenzberufe sind in Wien besser bezahlt als in NÖ. „Unverständlich in Zeiten der Personalnot“, sagen Betriebsräte.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 25. November 2021 (05:32)
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530 OP-Assistenten sind in NÖ-Spitälern beschäftigt.
Shutterstock/sfam_foto

Um ihre prekäre Lage aufzuzeigen, protestierten gerade erst Pfleger im ganzen Land. Sie kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Mehr Bezahlung kommt auf der Forderungsliste in der Regel weiter unten. Bei einer Berufsgruppe in NÖ ist das anders: Die Arbeitskräfte in medizinischen Assistenzberufen werden beim Job-Einstieg hierzulande schlechter bezahlt als in Wien. Betriebsräte und Gewerkschaft fürchten deshalb, dass ihnen das Personal davonläuft, das Patienten am OP-Tisch richtig lagert und sich um die Desinfektion kümmert.

„Unsere OP-Assistenten wandern nach Wien ab“, sagt Reinhard Waldhör von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD). Vom Klinikum St. Pölten tauschten heuer etwa schon drei Personen ihren Job gegen einen in Wien, erzählt Wolfgang Schrefl vom Betriebsrat.

Im ersten Job-Jahr nur 90 Prozent Gehalt

Die Unterschiede sind erheblich: „Beim Wiener Gesundheitsverbund bekommt man beim Einstieg 2.269 Euro, bei der NÖ-Landesgesundheitsagentur 1.885 Euro brutto“, sagt Waldhör. Die AK weist auf Stellenangebote für OP-Assistenten hin – mit 9.000 Euro Differenz beim Jahresgehalt. „In Zeiten, in denen wir Personalmangel in der Pflege haben, ist das unverständlich“, kritisiert Schrefl.

Um diese Kluft zu kitten, will die GÖD mit der Landesgesundheitsagentur (LGA) verhandeln. Geregelt sind die Gehälter für Bedienstete der öffentlichen Spitäler in Landesgesetzen. „NÖ war, was die Pflege betrifft, lange Spitzenreiter“, weiß Waldhör. Damit das Land sich diesen Rang zurückholt, verlangen die Gewerkschafter auch das Streichen der Einstiegsphase. Gemeint ist damit das erste Job-Jahr, in dem nur 90 Prozent des Gehalts ausbezahlt werden. Bei diplomierten Krankenpflegern, Pflegefachassistenten und Pflegeassistenten hat der Landtag diese im Juli abgeschafft. Für OP-Assistenten und Co. gilt sie weiter. „Danach liegt ihr Gehalt bei 2.105 Euro“ , sagt Waldhör.

Bei der LGA verneint man ein Abwandern des Personals. Insgesamt sind in den NÖ-Spitälern alleine 530 OP-Assistenten beschäftigt. „Bei dieser Berufsgruppe ist die Fluktuation sogar leicht im Sinken“, heißt es. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass der Einkommenszuwachs in NÖ in den ersten Dienstjahren steiler ausfalle als in anderen Ländern.