Erstellt am 07. Februar 2017, 00:31

von Christine Haiderer

Gemeinden sind verärgert. Die NÖ Ärztekammer sammelt Unterstützungserklärungen für die Einleitung ihres Volksbegehrens „SOS Medizin“. Kritik von Gemeinden und Apothekerkammer.

NÖ Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl zufolge kommen die Gemeinden ihren Verpflichtungen nach.  |  Felicitas Matern

„Maßlos verärgert“ reagierten Alfred Riedl und Rupert Dworak, die Präsidenten des NÖ Gemeindebundes und des NÖ Gemeindevertreterverbandes, auf den Vorwurf, dass manche Gemeinden in NÖ das Volksbegehren der NÖ Ärztekammer boykottieren würden. „Nur weil die Ärztekammer mitten im Wahlkampf steht, gibt es keinen Grund, auf die Gemeinden hinzuhauen. Die Gemeinden kommen ihren gesetzlichen Verpflichtungen zu 100 Prozent nach, jedes Volksbegehren werde und müsse auch gleich behandelt werden“, so Riedl und Dworak.

Die Antwort von NÖ Ärztekammerpräsident Christoph Reisner: „Ich will keine Gemeinden schlecht machen, wir wollen nur auf ein Problem hinweisen.“ So gab es laut Reisner Rückmeldungen von Bürgern zu elf NÖ-Gemeinden. Manche erklärten diesen, dass sie keine Unterlagen dazu hätten, andere, dass nur bis Ende Jänner unterschrieben werden könne usw. Wobei: „Wir wissen nicht, ob das mutwillig war und was wirklich die Ursache ist“, so Reisner.

NÖ Ärztekammerpräsident Christoph Reisner ortet Probleme in der Abwicklung auf den Gemeinden.  |  Bernhard Noll/ÄKNÖ

Kritik kommt zurzeit auch von Seiten der Apotheker. Dabei geht es um einen der vier Punkte des Volksbegehrens: die direkte Abgabe von Medikamenten durch den Arzt. Eine Forderung, die im Gegensatz zu den anderen nichts mit der 15a-Vereinbarung zu tun hat, wie An-dreas Hoyer, Landesgruppenobmann des NÖ Apothekerverbandes, betont, aber die Apotheker infrage stellt.

Die Kritik: Arzneimittel gehören in die Hand von Apothekern, der Arzt ist für Diagnose und Therapie ausgebildet. Der Gesetzgeber bestünde schon lange auf die Trennung der beiden Berufe und sieht dies als wichtig für die Patientensicherheit an. Wichtig ist Hoyer zufolge die Vernetzung: „Es gibt viele andere Ärzte, die wissen, dass eine gute Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich das Beste für den Patienten ist.“

NÖ Apothekerverband-Landesgruppenobmann Andreas Hoyer kritisiert die geforderte Medikamentenabgabe durch Ärzte.  |  zVg

„Wir wollen keine Apotheken ersetzen“, so Reisner, der sich auch vorstellen könnte, dass Apotheken Außenstellen in Arztordinationen eröffnen. Die im Volksbegehren geforderte Abgabe erfolge bei „medizinisch-dringlichen oder sozialen Indikationen, in Einzelfällen“. Und: Es gehe um „zehn bis 15 Medikamente je Fachgebiet. Das gefährdet niemanden.“

Das sieht NÖ-Apothekerkammerpräsident Heinz Haberfeld anders: „Wenn Ärzte Medikamente verkaufen dürfen, gibt es die Apotheke nicht mehr.“ Er spricht sich auch für die Trennung der Berufe aus: „Diese Tradition hat sich bewährt. Das wäre, wie wenn Legislative und Exekutive in einer Hand wären.“