Bereitschafts-Debatte zeigt Frust bei Ärzten auf

Bei einer Umfrage unter Hausärzten, die Bereitschaftsdienste machen, stimmte der Großteil gegen die aktuellen Verhandlungsergebnisse zwischen Kasse und Kammer.

Aktualisiert am 10. Mai 2019 | 13:56
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Symbolbild Arzt Doktor Untersuchung
Die medizinische Versorgung in der Region wird immer dünner.
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Durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes im Februar sind Niederösterreichs Ärzte mit Kassenvertrag derzeit nicht verpflichtet, an Wochenenden oder Feiertagen einen Bereitschaftsdienst zu machen.

Rund zehn Prozent haben seit dem ihre Bereitschaftsdienste eingestellt. Der Großteil aber hat die Dienste weitergeführt - während Ärztekammer für NÖ und NÖ Gebietskrankenkasse neu verhandelt haben. Das Ergebnis wurde den betroffenen Ärzten präsentiert. In einer Umfrage wurden sie nach ihrer Meinung dazu befragt.

77 Prozent haben an der Umfrage teilgenommen. Was sie gezeigt hat? Die Mehrheit wollte das Verhandlungsergebnis nicht.

Unzufriedenheit und zu viel Arbeit

Warum? „Die Mehrheit kann und möchte nicht mehr zu den nun vorgeschlagenen Bedingungen arbeiten“, glaubt Oliver Rückert, Hausarzt aus Wiener Neustadt und Mitbegründer der Plattform „Freiwilligkeit“. „Bisher bestand nicht einmal die finanzielle Abdeckung der Fixkosten des Bereitschaftsdienstes, geschweige denn des eingesetzten Personals“, sagt er. „Und auch der neue Vorschlag war nicht wesentlich besser.“

Die Bereitschaft da zu sein, sollte aus Sicht der Plattform besser honoriert werden. Wäre das der Fall, würden vielleicht auch Wahlärzte Bereitschaftsdienste übernehmen. Eine wesentliche Rolle spiele auf jeden Fall die Freiwilligkeit. Eine Chance wird, der Plattform zufolge, auch in der Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen gesehen, eine Chance für ein angemessenes Leistungs- und Honorarsystem für alle.

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Haiderer

Walter Heckenthaler von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin und Allgemeinmediziner in Maria Enzersdorf ist der Ansicht, dass der Bereitschaftsdienst geregelt sein muss, Ärzte eine Teilverantwortung tragen, wie auch Gebietskrankenkasse und Politik.

Er glaubt, dass der Grund des Umfrageergebnisses die Unzufriedenheit der Kollegen über das bestehende System sei. „Dieser Frust sitzt sehr tief bei den Kollegen.“ Dabei geht es unter anderem um die „elektronische Hilfs- beziehungsweise Hindernismittel“ genauso wie um die Honorierung der Allgemeinmedizin im Vergleich zu Fachärzten, die geringe Wertschätzung der Allgemeinmedizin und die hohe Arbeitsbelastung. „In Österreich betreut ein Hausarzt ca. 2.200 Personen, im europäischen Vergleich sind es 1.600 - maximal 2.000 Personen“, meinte Susanne Rabady, Präsidentin der NÖ Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, im Frühling. „Mit jeder nicht besetzten Nachbarordination steigt der Druck.“

Weitere Gespräche folgen

Auch Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der Niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für NÖ, glaubt dass der allgemeine Frust der letzten zwei Jahrzehnte hinter dem Umfrageergebnis steckt. Immer mehr Bürokratie, das Arzneimittelbewilligungssystem, mehr finanzielle Aufwendungen für Ärzte … „Es geht nicht nur um eine Honorarerhöhung. Es muss eine Basislösung her, die für alle tragbar ist.“

Demnächst aber soll es einen Termin mit der Gebietskrankenkasse und dem Land NÖ geben. Denkbar wäre etwa, dass auch angestellte Ärzte Bereitschaft machen. Aus der Schnittstelle Spital – niedergelassener Bereich müsse eine Nahtstelle werden, so Baumgartner.

Man könnte ein Primariat bzw. eine Abteilung für Allgemeinmedizin in den Landeskrankenanstalten schaffen. Dort, wo es Sinn macht, könnten dann auch Spitalsärzte die Bereitschaftsdienste übernehmen. Eine Abteilung für Allgemeinmedizin könnte übrigens auch die Ausbildung von Allgemeinmedizinern im Krankenhaus verbessern.