Bundesländer unterstützen Forderung aus NÖ. Alle Bundesländer stehen hinter dem 8-Punkte-Programm, das Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner präsentiert hat. Die wohnortnahe Gesundheitsversorgung sowie die Forderung nach mehr Studienplätze für Humanmedizin stehen im Mittelpunkt.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 20. November 2020 (17:54)
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Es ist knapp ein Monat her, da hat Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ein 8-Punkte-Programm präsentiert, um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum in Zukunft sicherzustellen.

Bei der heutigen Konferenz der Landesgesundheitsreferenten haben auch die anderen acht Bundesländer diesen Vorschlag begrüßt und die Unterstützung der Forderungen zugesagt, wie NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) berichtet. Vor allem zwei gemeinsame Forderungen werden an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) übermittelt. „Die Bundesregierung wird aufgefordert, die wohnortnahe Gesundheitsversorgung sicherzustellen sowie mehr Studienplätze für Humanmedizin einzurichten“, betont Eichtinger.

"Die Zustimmung zeigt, dass österreichweit Handlungsbedarf besteht"

„Wir wollen die beste Gesundheitsversorgung für unsere Landsleute von der Geburt bis ins hohe Alter. Was unsere Kliniken und Pflegezentren betrifft, haben wir uns bereits zukunftsfit aufgestellt. Die Zustimmung aus den Ländern zu unserem 8-Punkte-Programm zur Stärkung der ländlichen Gesundheitsversorgung zeigt aber, dass österreichweit Handlungsbedarf besteht. Bei Medizinstudienplätzen und dem Ärztenachwuchs sowie der Unterstützung von niedergelassenen Ärzten sind nun Gesundheitsminister und ÖGK gefordert“, so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Niederösterreich geht hier mit gutem Beispiel voran und hat die Studienplätze für Humanmedizin an der Karl Landsteiner Privatuniversität massiv ausgebaut. So würden laut Mikl-Leitner jeweils 100 Studierenden der Traum vom Medizinstudium in Niederösterreich erfüllt. 

Ausbildungsplatz soll an befristete Verpflichtung geknüpft werden

Schon im Vorjahr hatte Niederösterreichs Landeshauptrau massiv die Erhöhung der Anzahl der Medizin-Studienplätze an öffentlichen Universitäten gefordert. Laut Mikl-Leitner solle daran auch eine befristete Verpflichtung geknüpft werden, nach der Ausbildung in versorgungsschwachen Regionen – sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum – als Kassenarzt tätig zu sein.  

Die jüngste Aufstockung auf  1.740 Studienplätze (bei 17.600 Bewerbern) ist für Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) noch zu gering ausgefallen: „So wird neun von zehn jungen Menschen der Wunsch verwehrt, Medizin zu studieren“, kritisierte Pernkopf bei der Präsentation des Programms . Mikl-Leitner nannte als Richtwert 2.500 Plätze, die einmal helfen würden. 

Die Gründe, warum die Zeit dafür drängt, liegen auf der Hand. So stehen Pensionierungswellen von niedergelassenen Ärzten an. Neben dem Trend zum Wahlarzt gibt es zudem auch zahlreiche Stellen von Kassenärzten, die im ländlichen Raum nicht besetzt werden können. 

Der 8-Punkte-Plan aus Niederösterreich beinhaltet folgende Forderungen

Bei der Landesgesundheitsreferentenkonferenz unterstützten alle Bundesländer den Acht-Punkte-Plan aus Niederösterreich. Dieser Plan sieht vor, dass es

• mehr Studienplätze für Allgemeinmediziner geben soll, die Ausbildungsinhalte im Rahmen des Studiums adaptiert werden, der Allgemeinmedizin zukünftig dem Facharzt gleichgestellt wird.

• bei der Zulassung zum Studium und den damit verbundenen Aufnahmetests müsse auch die soziale Kompetenz ein wichtigeres Kriterium werden.

• Landarztquote bei Studienplätzen: ein Teil der Studienplätze soll für Studierende reserviert sein, die sich in Folge verpflichten, mindestens fünf Jahre in einer Bedarfsregion tätig zu sein.

• Forderung nach Landarzt-Stipendien.

• Sicherstellung der Versorgung mit Kassenärzten.

• Forderung nach Niederlassungs-Förderung.

• Unbesetzte Kassenstellen sollen der ÖGK in Zukunft keine finanziellen Vorteile mehr bringen. Die ersparten Mittel durch unbesetzte Kassenstellen sollen direkt in einen Länder-Fonds zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum fließen.

• Adaptierung der Gesetzesgrundlage für Gesundheitsnetzwerke. Die Trägerschaft für Gesundheitszentren solle dazu erleichtert werden.