eHealth aus den USA als Pilotprojekt für NÖ. Mit Lob für NÖ und einem Analyseprogramm für die Zukunft im Handgepäck kam eine NÖ-Delegation aus Amerika.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Oktober 2019 (04:40)

Vergleiche sind schwierig. Dazu sind die Gesundheitssysteme in den Vereinigten Staaten und in (Nieder-)Österreich einfach zu verschieden. Aber: „Wir haben sehr ähnliche Probleme!“

Stellte Niederösterreichs Landesrat für Internationales, Martin Eichtinger, fest. Und war, gemeinsam mit NÖs Landeskliniken-Holding-Personalgeschäftsführer Konrad Kogler, für einen Kurzbesuch an Amerikas Ostküste gereist. Um, so Eichtinger, „von den Ideen zu profitieren, die man hier hat“.

„Worum man uns in den USA sehr beneidet, ist ELGA.“ Landesrat und NÖGUS-Vorsitzender Martin Eichtinger

Dazu traf man sich in Washington, in Maryland und in Baltimore mit Senatsmitarbeitern, mit Informationsdirektoren im Gesundheitsministerium, mit Telemedizinern und mit Universitätsprofessoren, um über Telehealth, eMedikation, Datenschutz und, auch, künstliche Intelligenz zu reden.

Dabei war schnell klar: Von einer eCard und erst recht von einer elektronischen Gesundheitsakte (ELGA), wie sie in Niederösterreich seit 2017 bzw. 2018 in Betrieb ist, ist man in den USA weit entfernt. Gerade in ländlicheren Gebieten hätte man, so der Gesundheitsausschuss von US-Senator Lamar Alexander, noch „einen riesigen Mangel an Ärzten und Spitälern“ – und an Breitband-Verbindungen. Dafür sei man hier gerade dabei, ein Gesetz für geringere Kosten in der Gesundheitsversorgung auszuarbeiten.

Im US-Gesundheitsministerium arbeite man dagegen vor allem mit staatlichen Anreizen für gemeinsame Standards in der (großteils privaten) Gesundheitsversorgung. Und interessierte sich daneben sehr für Österreichs Mutter-Kind-Pass, während man auf Seiten Niederösterreichs mitnahm, speziell die Beratung von werdenden Müttern im Zuge der telefonischen Gesundheitsberatung unter 1450 ausbauen zu wollen.

Was mit Hilfe von Artificial Intelligence in der Diagnostik möglich ist, erklärte man in Amerikas Nationalem Gesundheitsinstitut. Und wie ein Analyseprogramm für die Gesundheit einer ganzen Bevölkerung, kurz: ACG, aussehen kann („wir nehmen Daten als Werkzeug“) und wie das bereits von Deutschland bis Schweden eingesetzt wird, präsentierte man an der renommierten Johns Hopkins Universität. „Das“, fasste Martin Eichtinger zusammen, nämlich Gesundheitsdaten aus ELGA, aus den Krankenkassen und aus den Kliniken, „würde ich gerne auch in Niederösterreich zusammenführen.“ Und als Pilotregion „für die Prävention“ einsetzen.

Also sprach man an die Public-Health-Abteilung von Johns Hopkins gleich eine Einladung nach NÖ aus. Und nahm noch schnell einen besonderen Preis, zwar nicht für eHealth, aber für internationale Vernetzung, mit: den Woodrow Wilson Award an Landesrat Martin Eichtinger.