Mikl-Leitner fordert neue Anreize für Landärzte. Um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum in Zukunft sicherzustellen, hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit Experten ein 8-Punkte-Programm erstellt. Dabei mahnt sie eine bessere Zusammenarbeit von ÖGK, Ärztekammer und Ministerium ein.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 25. Oktober 2020 (09:05)
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erarbeitete gemeinsam mit LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landesrat Martin Eichtinger., Filip Deimel (Leiter Gruppe Gesundheit und Soziales), Allgemeinmediziner Dr. Alireza Nouri und Dr. Markus Klamminger (Direktor Landesgesundheitsagentur) das Acht-Punkte-Programm.
NLK/Burchhart.

„Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern bereits eine Minute vor zwölf.“ So prekär schätzt Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die medizinische Versorgungssicherheit im ländlichen Raum ein. Und es sind gleich mehrere Entwicklungen, die Mikl-Leitner zu diesem Schluss kommen lassen:

Vor allem die bevorstehende Pensionierungswelle ist ein kritischer Faktor. So werden in den nächsten zehn Jahren 48 Prozent aller niedergelassenen Ärzte und 52 Prozent aller Kassenärzte in Österreich in Pension gehen. Kassenärzte fehlen aber auch bereits jetzt an allen Ecken und Enden. Aktuell sind 35 Kassenstellen für Allgemeinmediziner und 22 Facharztstellen in Niederösterreich unbesetzt. Bei Letzteren fehlt es vor allem an Kinderärzten. Hier sind sogar 14 Stellen vakant. Auch der Trend, dass es immer mehr Wahlärzte statt Kassenärzte gibt, beschleunigt das Problem.

NLK/Burchhart.

Deshalb hat Mikl-Leitner gemeinsam mit ihren Parteikollegen LH-Stv. Stephan Pernkopf und Landesrat Martin Eichtinger ein Acht-Punkte-Programm für „Sichere Gesundheit im ländlichen Raum“ erstellt.

Es brauche die gezielte Zusammenarbeit von Ärztekammer, Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) und dem Gesundheitsministerium, so die Forderung im 8-Punkte-Programm:

  •  Zu den acht Punkten zählt einmal mehr auch die im Vorjahr von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) vehement geforderte Aufstockung der Medizinstudienplätze, die letztlich auch im Regierungsprogramm ihren Niederschlag gefunden hat. Für Pernkopf ist die letzte Aufstockung auf 1.740 Studienplätze (bei 17.600 Bewerbern) zu gering ausgefallen: „Neun von zehn jungen Menschen verwehrt man den Wunsch, Medizin zu studieren, weil es nicht genügend Plätze gibt“, kritisiert Pernkopf. Laut Mikl-Leitner würden „2.500 einmal helfen“.
  • Auch die soziale Kompetenz soll bei der Zulassung zum Studium künftig ein wichtigeres Kriterium werden. Zudem müssten Schwerpunkte besser auf „Allgemeinmedizin im ländlichen Raum abgestimmt werden. 
  •  Eine neue Idee will das Land Niederösterreich aus Bayern importieren. Dort gibt es eine Landarztquote bei Studienplätzen. So sind dort 5,8 Prozent der Plätze für Studierende reserviert, die sich danach verpflichten, in einer Region tätig zu sein.
  •  Ebenso soll ein Landarzt-Stipendium für Medizin-Studenten einen Anreiz schaffen, dass sich Studenten nach der Ausbildung dazu verpflichten, in einer Bedarfsregion tätig zu sein.
  •  Von der ÖGK und der Ärztekammer fordert das Land die Sicherstellung der Versorgung mit Kassenärzten ein. „Es kann nicht sein, dass die Kassen die ärztliche Versorgung nicht bieten, obwohl alle ihren Beitrag zahlen“, nimmt Mikl-Leitner die ÖGK in die Pflicht. Aktuell sind von den 35 offenen Kassenstellen in NÖ 13 schon länger als ein Jahr unbesetzt. Das Land NÖ fordert im Acht-Punkte-Programm, dass künftig in diesen Fällen Hilfssysteme zur Überbrückung (wie zum Beispiel mobile Ordinationen) greifen. Die vom Land NÖ eingeführte Landarztgarantie, wo Spitalsärzte der Landesgesundheitsagentur einspringen, sei in der Abwicklung sehr kompliziert und werde aktuell nur an fünf Standorten praktiziert.
  •  Als Punkt sechs im Programm wird eine Niederlassungs-Förderung gefordert. Nach internationalen Vorbildern solle es eine Unterstützung für die Niederlassung in einer Bedarfsregion in der Höhe von 60.000 Euro durch die ÖGK geben, die Gründung einer Filialpraxis mit 15.000 Euro gefördert werden.
  •  Damit unbesetzte Kassenstellen der ÖGK in Zukunft keine finanziellen Vorteile mehr bringen, verlangt Mikl-Leitner, dass die die ersparten Mittel durch unbesetzte Kassenstellen in einen Länder-Fonds zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum fließen.
  •  Als letzte und achte Forderung sollen weitere Anreize für Primärversorgungseinheiten gesetzt werden. Die Trägerschaft für Gesundheitszentren solle dazu erleichtert werden. Wie Landesrat Eichtinger berichtet sei die Zufriedenheit von Ärzten und Patienten in diesen Zentren sehr hoch, „doch sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zu eng gestrickt“, betont Eichtinger.