Deutschklassen: Lehrer drohen mit Kampfmaßnahmen. Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer verlangt von Bildungsminister Faßmann die Klärung offener Fragen vor Schulschluss. Vorsitzender Kimberger vermisst Planungssicherheit für Schüler mit Sprachdefiziten im neuen Schuljahr.

Erstellt am 23. Mai 2018 (15:42)
Gewerkschaft wirft Ministerium unzureichende Vorbereitung vor
APA (dpa)

Die türkis-blaue Koalition hat per Nationalratsbeschluss im Eilzugtempo die Weichen für eigene Deutschklassen gestellt. Diese sollen bereits ab dem kommenden Schuljahr heuer im September für Schüler mit Sprachdefiziten eingerichtet werden.

Aber den Lehrervertretern fehlen Grundlagen für Organisation, Sprachtest und Lehrpläne. Gibt es von Bildungsminister Faßmann noch im laufenden Schuljahr keine Verhandlungen und keine Klärung, so hat sich die Bundesleitung der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer mit ihrem Vorsitzenden Paul Kimberger in einer der NÖN vorliegenden Resolution auf gewerkschaftliche Maßnahmen festgelegt.

Mit einem Schlag spitzt sich damit die Auseinandersetzung um die eigenen Deutschklassen schon im neuen Schuljahr zu. Viel Zeit bleibt bis zur Klärung offener Fragen vor dem Schulschluss nicht mehr.

„Es ist organisatorisch alles unklar, es fehlt der Sprachtest, es fehlt der Lehrplan“, beklagt der Chef der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger im Gespräch mit der NÖN. Niederösterreichs Landesregierung hat die Deutschklassen hingegen nicht nur begrüßt, sondern betrachtet ein Pilotprojekt in Wiener Neustadt sogar als Vorbild.

Kritik an fehlender Planungssicherheit vor dem Sommer 2018

In der Resolution der Bundesleitung der Teilgewerkschaft werden vor allem sozialpartnerschaftliche Verhandlungen von Bildungsminister Heinz Faßmann, der hinter dem Beschuss eigener Deutschklassen steht, verlangt. Konkret wird Planungssicherheit „vor dem Sommer 2018“  im Bereich Sonderpädagogik und in der Sprachförderung gefordert.

Weiters müssten die autonomen Spielräume der Schulstandorte in allen pädagogischen und organisatorischen Fragen erhalten und ausgebaut werden. Schließlich wird darauf hingewiesen, dass Wünsche zu den Deutschklassen bereits im Rahmen  der Begutachtung des Gesetzes im April vorgebracht worden seien. Es wurmt die Pflichtschullehrervertreter, dass diese Bedenken einfach ignoriert worden sind.

Den Lehrergewerkschaftern stößt vor allem sauer auf, dass Erfahrungen der Pädagoginnen und Pädagogen an den einzelnen Schulen zu den bereits 2015/16 eingeführten Sprachstartgruppen und Förderungen nicht berücksichtigt worden seien. Darüber hinaus sei mit der jetzigen Vorgangsweise bei den Deutschklassen die häufig beschworene Autonomie der Schulstandorte „ad absurdum“ geführt worden, wird in dem Beschluss der Pflichtschullehrerorganisation betont.