„Glaube, Lindner. NÖN-Wahlkampfinterview / Frank Stronach über Rückzug von Monika Von MartinGebhartNÖN: Warum haben Sie Ihren Wahlauftakt just in der Hofburg gemacht?Stronach: Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.

Erstellt am 28. August 2013 (07:00)
NOEN, Erich Marschik

Von Martin Gebhart

NÖN: Warum haben Sie Ihren Wahlauftakt just in der Hofburg gemacht?
Stronach: Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Ist es ein gutes Zeichen für die Wahl oder auch dafür, dass Sie vielleicht auch als Bundespräsident kandidieren könnten?

Ist es ein gutes Zeichen für die Wahl oder auch dafür, dass Sie vielleicht auch als Bundespräsident kandidieren könnten?
Mit diesem Gedanken habe ich mich noch nicht befasst.

Wie sehr schmerzt oder ärgert es Sie, dass Frau Monika Lindner nicht mehr Ihre Kandidatin ist?
Erstens, ich habe nie Ärger. Ärger ist negative Energie. Aber es tut mir ein bisschen leid, es ist schade. Ich glaube, Sie ist eine gute Frau. Natürlich ist ihr Ruf ihr sehr wichtig. Da waren Aussagen von unseren Leuten, die verdreht wurden, die nicht so gemeint waren. Das war ausschlaggebend für Frau Lindner. Sie hat doch eine lange Verbindung gehabt mit der ÖVP und mit Raiffeisen. Ich brauche da keine Insiderinformationen von ihr. Ich sehe doch, dass jedes Jahr Milliarden verloren werden, die Schulden werden immer mehr. Ich habe das Gefühl gehabt, dass Frau Lindner unsere Werte sehr respektiert hat, dass sie daher dabei sein wollte. Ich glaube, ein Vortrag von mir hat ihr sehr gut gefallen. Es tut mir leid, dass sie nicht dabei ist.

„Ich hänge niemandem einen Maulkorb um“

Haben Sie seither noch einmal ein Gespräch mit ihr gehabt?
Ich habe nur kurz nachher noch einmal mit ihr gesprochen. Ich habe ihr gesagt: Monika, es tut mir leid, dass es so gelaufen ist. Es ist schade, ich hätte mich gefreut, mit dir zu arbeiten.

Bei dieser Debatte ist Kritik an Klubobmann Robert Lugar wegen dessen Aussagen aufgekommen. Er ist bei der Nationalratswahl Spitzenkandidat in Niederösterreich. Er ist noch immer voll Ihr Mann?
Ich schätze den Robert Lugar sehr. Erstens hat er es nicht so gemeint, und ich glaube, es wurde auch ein bisschen verzerrt wiedergegeben. Ich hänge niemandem einen Maulkorb um. Es ist, wie es ist.

Es ist aber noch nicht fix, ob er wieder Klubobmann wird?
Er ist jetzt Klubobmann und er hat mein Vertrauen. Er ist eine gute Person. Was in Zukunft sein wird, das kann man jetzt noch nicht sagen. Die Partei wird sich laufend verbessern und die Partei wird durch Leute, die einen besonderen Ruf haben, verstärkt.

Wie sind Sie überhaupt mit Ihrem niederösterreichischen Team rund um Landesrätin Elisabeth Kaufmann Bruckberger zufrieden?
Ich bin nicht sehr glücklich darüber, dass einem Budget zugestimmt wurde, das zu weiteren Schulden führt. Vor allem wollen wir mehr wissen. Wo stecken die Schulden, wie ist das Bild wirklich? Da wird zu wenig gemacht.

„Mein Interesse ist der Bund, von dort geht alles aus“

Sie sind mit dem Team in Kontakt?
Ich bin mit dem Team in Kontakt. Es müssten dort mehr Aktionen sein, damit wir wissen, wie es mit den Finanzen in Niederösterreich steht.

Überraschend ist, dass das Team an und für sich mit Landeshauptmann Erwin Pröll zusammenarbeitet.
Es hat den Anschein.

Das kann Sie wohl nicht zufrieden stimmen?
Nein, aber ich habe mich nie so auf die Länder konzentriert. Mein Interesse ist der Bund, von dort geht alles aus, von dort aus müssen wir Dinge ändern. Wir müssen die Kompetenzen klar legen, die Kompetenzen der Gemeinden, der Bezirke, der Länder, des Bundes. Dann kommen wir dort schon noch hin, wo wir hin wollen. Mehr Transparenz, dass wir überall reinschauen können.

Ihre Landesrätin Kaufmann-Bruckberger hat in einer Pressekonferenz gesagt, dass das Team Stronach eine Regierungsbeteiligung im Bund anstrebe.
Sie kann aber nicht für die Bundespartei sprechen. Wenn man das wissen will, muss man mich direkt fragen.

„Wir sind sachlich und keine Protestpartei“

Sie wollen in eine Regierung?
Ich möchte ganz klar sagen, wir sind nicht links, wir sind nicht rechts. Wir sind sehr sachlich, wir sind keine Protestpartei. Wir haben Werte, wobei fünf besonders wichtig sind. Wenn eine Partei diese Werte auch befürwortet, könnte ich mir eine Regierungsbeteiligung vorstellen. Aber die Werte sind nicht verhandelbar.

Alle fünf Werte oder geht es nur um das Schuldenmachen?
Es geht um die Schulden, den Verwaltungsabbau, die Vereinfachung der Steuergesetze, weniger Berufspolitiker und das Währungsthema muss gelöst werden.

Gibt es eine Partei, mit der Sie nicht zusammenarbeiten würden?
Für mich war es nie wichtig, welchen Anzug wer anhat, oder welchen Hut er trägt. Für mich ist immer wichtig, wofür man steht. Was sind die Werte, was ist das Programm.

Die Grünen haben schon angedeutet, dass sie sich eine Zusammenarbeit nicht vorstellen können.
Die Frau Glawischnig sagt nicht die Wahrheit. Die haben überhaupt kein Konzept für die Wirtschaft.

„Ich sage nur, der Erwin Pröll sagt nicht die Wahrheit“

Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie dem Kanzler Faymann oder dem Vizekanzler Spindelegger keine Ihrer Firma überantworten würden. Regieren würden Sie mit ihnen schon?
Ich habe eigentlich keinen Politiker schlecht gemacht. Ich sage nur, der Erwin Pröll sagt nicht die Wahrheit, die Eva Glawischnig sagt auch nicht die Wahrheit. Faymann und Spindelegger sind nette Personen, aber von der Wirtschaft verstehen sie nicht viel. Aber ich glaube, es gibt kaum einen Österreicher, der nicht sagen würde, der Stronach versteht mehr von der Wirtschaft als die beiden zusammen.

Beschäftigen Sie sich vor der Wahl mit Meinungsumfragen?
Überhaupt nicht.

Bei jeder Meinungsumfrage kommt das Team Stronach derzeit nur auf zehn Prozent.
Das passt überhaupt nicht. Ich glaube, wir werden mehr machen. Wenn der 29. September da ist und die Menschen das Kreuzerl machen müssen, müssen sich alle noch einmal überlegen, gehen wir den alten Weg nur mit Verlusten, mehr Schulden, wo viele Arbeitsplätze riskiert werden, oder gehen wir einen neuen Weg? Ich glaube, es ist das erste Mal, dass die Österreicher jetzt mit uns eine wirkliche Alternative haben.

Und in fünf Jahren will das Team Stronach dann den Bundeskanzler stellen?
Ich bin zuversichtlich, dass wir es machen werden.