„Die Geschichte wird nicht geglättet“. Drei Millionen waren veranschlagt, drei Millionen Euro hat es gekostet. Jetzt ist es fertig und wird am Samstag eröffnet.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 05. September 2017 (03:01)

Was lange währt, wird endlich gut. Für das große Eröffnungsfest am Samstag haben sich 1.400 Ehrengäste angesagt, und ab Sonntag steht das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich allen offen.

Zu sehen sind 2.000 Objekte, viele davon äußerst wertvoll, wie zum Beispiel der Wiener Neustädter Corvinus-Becher, der ein paar Monate nach St. Pölten übersiedelt, wozu ein eigener Gemeinderatsbeschluss notwendig war. Oder das einzige „echte“ Faksimile des Staatsvertrages 1955.

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Die letzten Arbeiten an der ersten Schwerpunktausstellung im Haus der Geschichte.

In einen Teil des von Hans Hollein geplanten Landesmuseums hat ein Architektenteam unter der Leitung von Gerhard Abel auf knapp 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein ganz neues Museumskonzept entwickelt. Nicht eine zeitliche Sicht auf die Geschichte des Landes innerhalb des europäischen Zentralraums steht im Zen-trum, sondern die Einrichtung von elf thematischen Clustern, die für den Ausstellungsbesuch ganz neue Möglichkeiten bieten.

Die Kosten sind für ein Projekt dieser Größenordnung überschaubar. Die Sanierung des alten Baues war um 500.000 Euro wohlfeil, die Einrichtung der neuen Schauräume kostete 2,5 Millionen Euro und jährlich stehen den Gestaltern – jenseits der Personalkosten – 200.000 Euro zur Verfügung.

KRN
Ein Schachbrett von Karl Renner, mit dem er sich während des Hausarrests in seinem ehemaligen Wohnhaus in Gloggnitz in den Jahren von 1938 bis 1945 die Zeit vertrieb.

Der ehemalige Landeshauptmann Erwin Pröll hatte immer wieder gesagt, wie wichtig es sei, seine Wurzeln zu kennen, um die Zukunft zu gestalten. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte noch vor der Eröffnung des Hauses, dass man mit diesem Museum auf das wachsende Interesse für die Zeitgeschichte reagiert habe und stellte fest: „In Zeiten von Irra tionalität und Angst ist es wichtig, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, die Werte der Demokratie zu entdecken und zu sehen, dass sie nicht selbstverständlich ist.“

Mikl-Leitner lobte das Projekt, „bei dem das Budget auf Punkt und Komma eingehalten wurde“ und viele Exponate aus den eigenen Sammlungen zu sehen seien. „Wir zeigen hier den Niederösterreichern, was den Niederösterreichern gehört.“

Atelier Olschinsky
Ein besonders schönes Objekt aus einem 2010 in Wiener Neustadt entdeckten Schatzfund aus der Zeit um 1400.

Stefan Karner, Gründungs direktor und wissenschaftlicher Leiter des Hauses, ist es ganz besonders wichtig, die Geschichte nicht als abgeschlossen zu zeigen, sondern immer offen zu sein für neue Erkenntnisse. Und: „Die Geschichte denkt in Brüchen, wie die Realität brüchig ist. Wir glätten die Brüche nicht, zeigen die Diskontinuitäten. Die Wahrheit ist bekanntlich den Menschen zumutbar.“