Heer will die Zentralküche. Alle Kasernen in NÖ werden künftig von Wiener Neustadt mit dem Essen versorgt. Brigadier Arnulf Verhovnig, Günther Höfler (l.) und Militärkommandant Rudolf Striedinger (r.) halten die politische Kritik daran für falsch.

Erstellt am 18. September 2011 (20:01)
NOEN
VON MARTIN GEBHART

Seit Wochen pilgert die FPÖ durch das Land, um vor den Bundesheerkasernen gegen das Zentralküchen-Konzept „Cook & Chill“ des Verteidigungsministeriums zu wettern. Im Landtag konnte sie davor sogar einen Beschluss dagegen erreichen, wobei die ÖVP mitging. Dennoch wird der Einsatz der Zentralküche nicht mehr verhindert werden können, wie Streitkräftekommandant Generalleutnant Günther Höfler, NÖ Militärkommandant Brigadier Rudolf Striedinger und Projektleiter Brigadier Arnulf Verhovnig in der Vorwoche in der Hesser-Kaserne in St. Pölten versicherten.
Für Günther Höfler ist dieses Versorgungssystem einfach eine notwendige Erneuerung. Höfler: „Die Gulaschkanone ist ein Nostalgieobjekt.“ Die Umsetzung erfolge seit dem Start der Bundesheerreform unter dem damaligen ÖVP-Verteidigungsminister Platter. In Wien, der Steiermark und in Kärnten werden die Rekruten bereits aus einer Zentralküche versorgt, in NÖ wird das ab Ende des Jahres möglich sein und auch dann schrittweise umgesetzt werden. Von der Zentralküche in der Maximiliankaserne in Wiener Neustadt aus werden alle Einheiten in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland versorgt werden.

Höfler: „Mehr Effizienz und mehr Effektivität sind dabei unsere Ziele.“ Sprich: In der Zentralküche werden die Speisen zu 80 Prozent fertiggestellt, dann abgekühlt und in den jeweiligen Kasernen in sogenannten Finalisierungsküchen zubereitet. Das Ergebnis ist, so Projektleiter Verhovnig, dass in den Küchen keine Grundwehrdiener eingesetzt werden müssen. Und das Verwaltungspersonal, das wegen dieses Systems in den Kasernen eingespart wird, erhält andere Aufgabenbereiche.

Zentralküche für NÖ ist Ende November fertig
Das Ziel der FPÖ, die Zentralküche zu verhindern, wird kaum mehr möglich sein. Ende November soll sie in Wiener Neustadt fertig sein, bis Ende des kommenden Jahres soll die Versorgung aller Standorte logistisch erledigt sein. Dass dann etwa bei Katastropheneinsätzen Soldaten nicht mehr versorgt werden, weil es die berühmte „Gulaschkanone“ nicht mehr gibt, weist Höfler zurück. Die Versorgung vor Ort werde über die Finalisierungsküchen bewerkstelligt.
Militärkommandant Striedinger bestreitet, dass durch eine Zentralküche die regionale Wirtschaft künftig leide. Striedinger: „Das, was verkocht wird, wird zentral geliefert. Der Rest, wie Gebäck oder Obst, wird wie bisher regional eingekauft.“

FPÖ-Landtagsabgeordneter Christian Hafenecker bleibt trotz der Ausführungen der Kommandanten bei seiner Kritik und fordert Militärkommandant Striedinger auf, sich nach den Interessen seiner Soldaten zu richten, die mehrheitlich gegen die Zentralküche seien. Auch von der Landes-ÖVP erhält das Heer dabei keine Unterstützung. Für Landesgeschäftsführer Gerhard Karner habe Verteidigungsminister Darabos wichtigere Aufgaben wie die anstehende Heeresreform sowie angekündigte Verbesserungen in den Kasernen.