Stefan Hopmann über „empirischen Quatsch“. Stefan Hopmann, Bildungsexperte, sprach mit Carina Rambauske über „empirischen Quatsch“.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 09. Oktober 2018 (02:38)
zVg

NÖN: ÖVP-Minister Heinz Faßmann spricht vom Bildungspaket als „bedeutsamen Meilenstein“. Ist er das, ein Meilenstein?

Stefan Hopmann: Ein Meilenstein ist es nicht, bedeutsam schon, weil er Ausdruck für einen Sinneswandel ist. Die Rückkehr in die „gute alte Zeit“ soll aktuelle Probleme lösen.

Es wird verstärkt auf Ziffernnoten gesetzt, Sitzenbleiben macht wieder Schule. Kehrt wieder mehr Strenge in die Schulen zurück?

Hopmann: Es wird vorgetäuscht, dass Leistung objektiv messbar ist. Das ist empirischer Quatsch. Leistungsdruck führt nicht zu mehr Leistung. Die Forschung zeigt, dass Sitzenbleiben in den meisten Fällen der Anfang vom Scheitern von Schulkarrieren ist. Alle diese Maßnahmen machen die Schwachen nur schwächer. Die Schulen haben weder ein Migrations- noch ein Sprachproblem, sondern es geht darum, wachsende Sozialunterschiede mit angeblichen Leistungsunterschieden zu begründen. Nicht Bildungspolitik, sondern Sozialpolitik ist das Thema.

Wie wichtig ist denn dieses Bildungspaket für das Schulwesen?

Hopmann: Es ist eher ein unnötiger Klotz am Bein. Es sollte daran gearbeitet werden, dass Schulen mehr Spielraum hinsichtlich Organisation, Personal und Budget erhalten.

Die ohnehin schon Veränderungsgebeutelten NMS erfahren erneut eine. Schadet ihnen das?

Hopmann: Bei all dem Chaos – wir haben gute Lehrkräfte, die den Zick-Zack-Kurs abfedern. Gerade in NÖ ist viel Positives in Bewegung gekommen.

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