Udo Landbauer: „Gab Parteiaustritte nach Kickl-Wahl“. Udo Landbauer über niederösterreichische FPÖ-Mitglieder, denen Kickl als neuer Parteichef nicht passt, seine Rolle im Bund und sein Verhältnis zu Landesrat Gottfried Waldhäusl.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 22. Juni 2021 (11:28)
Udo Landbauer
Udo Landbauer
Franz Gleiß

Nachdem er diese Funktion bisher nur als geschäftsführender Landesparteiobmann innehatte, soll Udo Landbauer beim Landesparteitag der FPÖ am Samstag in Wieselburg erstmals zum FPÖ-NÖ-Chef gewählt werden. Genau eine Woche zuvor, am vergangenen Samstag, übernahm der Wiener Neustädter auch eine neue Funktion im Bund: Er ist nun Stellvertreter des Bundesparteiobmanns Herbert Kickl.

Die NÖN sprach mit Landbauer über niederösterreichische FPÖ-Wähler, denen Kickl als Bundes-Chef nicht passt, seine Rolle im Bund, und sein Verhältnis zu Landesrat Gottfried Waldhäusl.

NÖN: Sie sollen am 26. Juni erstmals zum Landesparteiobmann gewählt werden. Wo liegen die Schwerpunkte für die Periode?

Udo Landbauer: Die Hoffnung ist, dass wir vom Corona-Thema wegkommen. Es gibt viele andere, die behandelt werden müssen. Das ist natürlich das Thema Zuwanderung, aber auch der Wohnbau. Und natürlich geht es auch schon in Richtung 2023 und Landtagswahl. Das erklärte Ziel ist es, die Absolute der ÖVP zu brechen und zweitstärkste Kraft zu werden, damit wir wirklich mitbestimmen können.

Der Bundesparteitag ist am Samstag schon über die Bühne gegangen. Kickl ist Bundesparteichef, Sie sein Stellvertreter. Was erwarten Sie von ihm?

Landbauer: Eine klare Linie – die man ihm ja schwer absprechen kann. Manche bezeichnen das als zu hart. Aber ich glaube, wenn du in der Politik keine klaren Ansagen machst, kannst du nur untergehen. In den letzten Monaten sind wir vor dem Problem gestanden, dass wir zwei Chefs hatten. Da bin ich froh, dass wir uns jetzt schnell einigen konnten. Viele haben ja schon damit gerechnet, dass die Chaos-Monate in der FPÖ anbrechen. Und die Versuche, Herbert Kickl in ein Eck stellen zu wollen, des zu Scharfen, zu Kantigen, zu Bösen, kommen in der Regel aus der Ecke des politischen Mitbewerbers.

Kritik kommt nicht nur vom politischen Mitbewerber – auch innerparteilich ist Kickl manchen zu radikal. In der Steiermark gab es deshalb Parteiaustritte. Auch in Niederösterreich?

Landbauer: Ja, das waren sieben oder acht Personen. Allerdings bei 10.000 Mitgliedern. Es ist gar nicht möglich für einen Politiker, alle zu beeindrucken. Auf der anderen Seite hatten wir wesentlich mehr Beitritte.

Udo Landbauer
Udo Landbauer
Franz Gleiß

Kickl wird im Bund Radikal-Opposition betreiben. In NÖ hat die FPÖ ein Arbeitsübereinkommen mit der ÖVP. Wie wollen Sie Ihre Rolle als Kickl-Stellvertreter da auslegen? 

Landbauer: Ich bezeichne eine klare Linie, für die Kickl steht, als ehrlich und geradlinig. Wer für die Freiheit und Sicherheit unserer Heimat kämpft, ist nicht radikal, sondern in meiner Definition normal. Wir werden uns weder im Land noch im Bund ein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es zu Ungerechtigkeiten kommt. Überall dort, wo wir regieren können, werden wir das tun. Aber sicher nicht um jeden Preis.

Hofer hat trotz seines Rücktritts eine Kandidatur bei der Bundespräsidentschaftswahl nicht ausgeschlossen. Sind Sie dafür?

Landbauer: Er muss entscheiden, ob er das will. Wenn ja, weiß ich nicht, was da groß dagegen sprechen soll. Wenn die FPÖ sich dazu entschließt, als Partei einen Kandidaten zu unterstützen, werden wir das mittragen.

2023 wird auch in NÖ gewählt. Gehen Sie als Spitzenkandidat in die Landtagswahl?

Landbauer: Die Frage der Kandidaten werden wir klären, wenn der Wahltermin steht.

Aber Sie wollen Spitzenkandidat sein bzw. erwarten sich das?

Landbauer: Jemand, der sich zum Landesparteiobmann wählen lässt, und nicht Spitzenkandidat sein will, sollte gleich wieder einpacken. Aber bis 2023 fließt noch Wasser die Donau runter. Deshalb will ich nichts verfrüht hinausposaunen. Wir arbeiten in der FPÖ auf allen Ebenen gut zusammen.

Auch Sie und Landesrat Gottfried Waldhäusl? Zuletzt hat es für Verwunderung gesorgt, dass Sie Kickl begrüßt haben, Waldhäusl sich aber nicht äußern wollte.

Landbauer: Das ist eine Missinterpretation. Wir haben einen einstimmigen Präsidiumsbeschluss gefasst für Kickl. Es war meine Rolle, den zu kommunizieren. Das Verhältnis zwischen uns ist so gut, wie es immer war. Auch wenn versucht wird, ein schlechtes Verhältnis herbeizureden. Manche argumentieren das damit, dass wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Ja, das sind wir. Das sieht Gottfried Waldhäusl, glaube ich, genau wie ich als Vorteil für die Partei. Zwei völlig gleiche Typen würden nichts bringen. Ich finde aber, dass er hervorragende Arbeit macht und das so lange wie möglich weitermachen soll.

In der Causa Drasenhofen wird wegen Amtsmissbrauch ermittelt. Muss Waldhäusl zurücktreten, wenn er verurteilt wird?

Landbauer: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er verurteilt wird. Schon die Anklage ist gewagt, hier Wissentlichkeit herbei zu argumentieren – das schau ich mir an. Aber ich sage es trotzdem: Nur, weil ein Politiker angeklagt wird, bin ich nicht der Meinung, dass man ihn zum Rücktritt zwingen muss. Das meine ich nicht nur in Richtung des FPÖ-Landesrats. Man muss schon aufpassen, dass man als Politiker nicht weggeputscht wird. Im Fall von Sebastian Kurz schaut die Geschichte so aus: Er hat selbst in Richtung Strache gesagt, dass er nicht mit jemandem regieren kann, gegen den Ermittlungen laufen. Wenn ein Politiker so etwas von anderen fordert, ist selbstverständlich, dass er es bei sich auch anwendet.