Zwettl

Erstellt am 02. Oktober 2018, 00:59

von Walter Fahrnberger und Carina Rambauske

Faßmann: „Zwettl fast so gut wie Singapur“. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) über Digitalisierung in Schulen, die tägliche Turnstunde und Bildungsschwächen.

Bildungsminister Heinz Faßmann im Interview mit NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger.  |  Erich Marschik

NÖN: Sie haben bei Ihrer NÖ-Tour eine Schwerpunktschule für Digitalisierung in Zwettl besucht. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Heinz Faßmann: Zwettl war sehr beeindruckend. Ich hätte mir die Reise nach Singapur vor wenigen Wochen fast ersparen können. Die Schule ist sehr gut ausgestattet und die Digitalisierung ist in den Unterricht integriert. Dahinter stehen offenbar auch ein Direktor und ein Lehrerteam, dass das mit Herz und Verstand weiterbringt.

Mit dem „Masterplan Digitalisierung“ wollen Sie ein neues Zeitalter in den Schulen einläuten. Was ist geplant?

Drei Dinge sind dabei wichtig: erstens die Hardware. Wie gut ist eine Schule an ein Netz angebunden, bzw. wie gut ist die Schule mit WLAN ausgestattet. Das ist trivial, aber teuer. Der zweite Aspekt ist alles, was man unter Software verstehen kann. Da gehören auch die Lehrpläne dazu sowie das Unterrichtsfach „digitale Grundbildung“. Da geht es darum, Verständnis für Programm und fürs Programmieren zu entwickeln. Der dritte Punkt ist der wichtigste. Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die das aktiv betreiben und wissen, wie man das im Unterricht integriert. Daher wird eine Offensive im Bereich der Lehrerfort- und -weiterbildung nötig sein.

In welchem Zeitraum sollen diese Pläne realisiert werden?

Diese Frage wird erst im Rahmen des Masterplans beantwortet werden können. Das ist schon eine Sache der nächsten Jahre.

Wo sehen Sie Österreich bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich? Hinken wir hinterher?

Nein. Auch in Deutschland gibt es seit Jahren die Diskussion, wie man Schüler stärker mit der Digitalisierung vertraut macht. Also Entwicklungsland sind wir da keines.

Können Sie sich vorstellen, dass alle Schüler in Pflichtschulen künftig mit einem Tablet ausgestattet werden?

Ich möchte jetzt noch gar nichts ausschließen. Klar ist auf alle Fälle: Das ist nicht eine Sache, die man sofort umsetzen kann.

Studien besagen, dass ein Viertel aller 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen und schreiben können. Braucht es zur Digitalisierung nicht auch eine Bildungswende?

Das ist einer der Schwachpunkte und ein Manko des österreichischen Schulsystems. Aber das ist in vielen Staaten nicht anders. Wir müssen mehr in die Qualität investieren. Und es müssen Eltern und Schule an einem Strang ziehen, um die Bedeutung von Bildung in der Gesellschaft klarzumachen. Die Ernsthaftigkeit dem Schulsystem gegenüber möchte ich schon einmahnen. Das ist woanders viel klarer. In Singapur ist die Meinung: Bildung ist das einzig Entscheidende.

Es gibt in Niederösterreich gute Schwerpunktschulen. Die Schulsprengel binden Schüler aber oft an die Gemeinden. Sind Schulsprengel noch zeitgemäß?

Als Professor für Raumplanung und Raumordnung sage ich: Ja, Sprengel haben eine Ordnungsfunktion und Sprengel schaffen den Schulstandorten eine berechenbare Größe an Schülern. Es gibt auch die Möglichkeit des Sprengelübertritts, der in einem Ansuchen der Eltern in der Regel genehmigt wird.

Ich kenne aber auch Beispiele, wo das nicht der Fall ist.

Ja, das ist eine ambivalente Sache. Das muss letztlich die Landespolitik abwägen.

Warum schafft man es nicht, die tägliche Turnstunde österreichweit einzuführen?

Das ist eine Frage der Finanzierung, denn jede zusätzliche Stunde kostet Geld. Ich habe noch selten Vorschläge gehört, welche Fächer man einsparen könnte. Außerdem hat Österreich im internationalen Vergleich relativ viele Sport- und Bewegungsstunden. Es muss sich nicht alles in der Schule abspielen. Wir haben ein gut funktionierendes Vereinsleben.

Das heißt, die tägliche Turnstunde ist nicht so bald realisierbar?

Ja, weil das Budget entsprechend vorbereitet werden müsste.

Nach den schlechten Ergebnissen bei der Mathematik-Zentralmatura wurde eine Evaluierung gestartet. Gibt es schon Ergebnisse?

Wir holen viele Meinungen ein und sind auf einem guten Weg. Es braucht faire Beispiele, die klar und innerhalb gegebener Zeit gut lösbar sind.

Das heißt, es wird verständliche Angaben bei der nächsten Mathematik-Matura geben?

So ist die Erwartungshaltung meinerseits, ja.