Margarete Schramböck: „Wir sind noch nicht übern Berg“. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck über Hilfspakete, die neue E-Commerce-Plattform und ihre Kraftquelle.

Von Daniel Lohninger und Walter Fahrnberger. Update am 02. Juli 2020 (08:41)
Margarete Schramböck
Christoph Dworak

NÖN: Die Regierung hat für die heimische Wirtschaft in der Coronakrise eine Fülle von Hilfspaketen geschnürt. Können die Unternehmer da noch den Überblick bewahren
Margarete Schramböck: „Es ist eigentlich richtig, dass es diese Vielzahl gibt. Jedes Unternehmen ist in einer anderen Situation, darum braucht es verschiedene Maßnahmen. Wir helfen bei den Personalkosten mit der Kurzarbeit, bei den Fixkosten und beim Unternehmerlohn. Jetzt kommen Anreize für die Konjunktur hinzu und die Förderung des Konsums, indem wir Steuern reduzieren.

Es gab viel Kritik, dass Gelder zu langsam fließen oder mit zu viel Bürokratieaufwand. Wo haben Sie nachjustiert?
Also die Hilfe beim Unternehmerlohn war schnell draußen. Unser Ziel war, 80 Prozent schnell zu erreichen. Dann haben wir genau geschaut, wo man nachjustieren muss. Daher haben wir hunderte Gespräche geführt und die Hilfe Schritt für Schritt ausgeweitet. Es war gut, dass wir so viel Feedback bekommen haben. Und wir haben gezeigt, dass wir uns schnell anpassen können.

Margarete Schramböck im Gespräch mit den NÖN-Chefredakteuren Daniel Lohninger und Walter Fahrnberger.
Christoph Dworak

Werden diese Hilfsmaßnahmen ausreichen, um ein großes Unternehmersterben post Corona zu verhindern?
Die Forschungsgruppe Economist Intelligence Unit hat alle Maßnahmen verglichen. Da liegt Österreich gemeinsam mit Deutschland auf Rang zwei. Nur Neuseeland ist laut dieser Studie bisher besser unterwegs. Wir müssen aber noch ganz viel tun. Noch sind wir nicht übern Berg.

Können Sie abschätzen, wann die heimische Wirtschaft wieder auf Vor-Corona-Niveau kommen wird?
Das ist eine Herausforderung. Was man allerdings sieht, ist, dass alle Indikatoren nach oben zeigen. Das BIP steht aktuell laut wöchentlichem Indikator der Nationalbank bei minus zehn Prozent, die Voraussage liegt bei einem Rückgang von 7,5 Prozent. Die OECD prognostiziert uns einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 6,2 Prozent. Wir sehen aber, dass wir die Talsohle durchschritten haben. Ich gehe aber davon aus, dass es zwei drei Jahre dauern wird, bis gewisse Branchen aus dieser Krise heraußen sind.

Was sehen Sie als wesentliche Parameter für ein mögliches Kurzarbeitsmodell, das über Ende September hinausgeht?
Wir haben es in der Krise geschafft, ein einheitliches und attraktives Modell anzubieten. Das gibt es in der Form nur in der Schweiz. Gottseidank haben wir es uns leisten können. Es muss jetzt aber wieder einen großen Anreiz geben, arbeiten zu gehen. Nach September wäre beispielsweise eine branchenabhängige Form der Kurzarbeit eine Möglichkeit. Die Sozialpartner beraten derzeit darüber.

Welche Unternehmen haben die Krise als Chance genützt?
Der gesamte IT-Bereich oder digitale Geschäftsmodelle wurden stark entwickelt. Wir haben gesehen, dass auch viele kleine Händler den Onlinehandel forciert und sich auf E-Commerce konzentriert haben. Aber viele von ihnen wurden dann im Internet nicht gefunden. Deshalb möchte ich eine Plattform „Kaufhaus Österreich“ aufbauen. Das soll ein Online-Marktplatz werden, wo heimische Unternehmen vertreten sind. Das soll nicht Plattformen ersetzen, die es jetzt schon gibt. Diese sollen dort auch mit dabei sein. Und es wird dafür auch ein Gütesiegel als Qualitätsgarantie geben.

Margarete Schramböck
Christoph Dworak

Bis wann soll die Plattform umgesetzt werden?
Wir arbeiten das über den Sommer aus und wollen so viele heimische Unternehmen wie möglich einbinden.

In Niederösterreich wurde vor Kurzem ein 10-Millionen-Euro-Paket für die Förderung der Digitalisierung in den Unternehmen verabschiedet. Gibt es bundesweit ein ähnliches Modell?
Wir haben mit dem „KMU digital“ eine eigene Förderschiene dafür. Diese wird noch vor der Sommerpause neu aufgesetzt und wird auf diesen Bereich E-Commerce zugeschnitten werden.

Sie leben in St. Andrä-Wördern in Niederösterreich. Wo finden Sie den Ausgleich zum stressigen Alltag?
Ich arbeite leidenschaftlich gern im eigenen Garten. Das passiert auch in der Nacht, wenn ich spät heimkomme, mit einer Stirnlampe, ähnlich wie Wolfgang Sobotka das macht. Erholung finde ich auch in meiner unmittelbaren Umgebung im Wald.