Apothekerkammer-Präsident: „Keine Engpässe bei Tests“. NÖ-Apothekerkammer-Präsident Peter Gonda ortet genug Termine bei den Covid-19-Antigen-Schnelltests in den Apotheken. Selbsttests kommen auch. Und wird bald geimpft?

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:49)
Peter Gonda
Carina Walter

NÖN: Gratistesten in den Apotheken: Wie kommt es bei der Bevölkerung an? Welcher Test wird angewendet?

Peter Gonda: Die Covid-19-Antigen-Schnelltests kommen in den Apotheken sehr gut an. Die Nachfrage ist hoch, aber die Apotheken sind nicht, wie man immer wieder hört und liest, wochenlang ausgebucht, da gibt es noch genug Termine, viele sogar kurzfristig! Aktuell sind es rund 100 Apotheken in Niederösterreich, wo getestet wird, einige Apotheken sind noch in der Pipeline. In erster Linie erfolgt der Abstrich über die Nase, natürlich macht das ausschließlich qualifiziertes Personal. Wir sehen uns bei den Gratistests nicht als Konkurrenz zu den Teststraßen, im Gegenteil: Wir wollen ergänzen, damit sich die Bevölkerung ausgiebig testen lassen kann. Im Gegensatz zu den Teststraßen geht es bei uns allerdings nur mit einer Terminvergabe, wir planen so, dass die Wartezeit kurz ist, und nach rund zehn Minuten gibt es schon das hoffentlich negative Ergebnis. Und: Wenn eine Apotheke nicht testet, dann ist das nicht böse gemeint, aber vielleicht fehlt dafür das notwendige Personal oder die notwendigen Räumlichkeiten. Demnächst wird es in den Apotheken übrigens auch Gratis-CoV-Selbsttests, „Wohnzimmertests“, für zu Hause geben. Sie dienen allerdings nicht als „Eintrittstests“, sondern lediglich der Selbstkontrolle.

Wer zahlt die Tests?

Gonda: Jede Apotheke besorgt sich die Tests selbst. Ich finde, das ist die bessere Variante. Und für jeden gemachten Test bekommen wir dann von der Regierung 25 Euro. Für die Bevölkerung sind die Covid-19-Antigen-Schnelltests selbstverständlich kostenlos.

Jetzt wird in den Apotheken getestet, wird in Zukunft auch geimpft?

Gonda: Sagen wir so: Wenn die Politik es will, dann werden wir auch impfen! Dazu bedarf es allerdings einer Gesetzesänderung, und unser Personal muss vorher dementsprechend geschult werden. In den USA wird bereits in Apotheken geimpft – und dort funktioniert das tadellos. Grundsätzlich muss ich betonen: Die Impferlaubnis hätte eine große Auswirkung auf die Durchimpfungs- rate. Wir sind bereit für das Impfen!

Wie steht die Apothekerschaft selbst zum Impfen?

Gonda: Um die 85 Prozent des Apothekenpersonals in Niederösterreich hat die Absicht, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das geht aus einer Umfrage hervor – und diese Umfrage war vor dem Auftreten der britischen und der südafrikanischen Mutationen. Ich denke, dass die Impfbereitschaft jetzt noch höher ist. Apotheker und Apothekerinnen sind Experten beim Thema Impfstoffberatung, als solche wissen sie, dass die Corona-Krise ausschließlich durch eine hohe Durchimpfungsrate überwunden werden kann.

Apotheken werden gerade jetztin der Pandemie als „ein sicherer Hafen für verunsicherte Personen“ bezeichnet …

Gonda: Ja, wir merken, dass die Verunsicherung der Bevölkerungen groß ist – und unsere Hauptarbeit aktuell die Beratung ist. Viele Fra-gen zu den Themen Impfen und Masken müssen beantwortet werden. Wir sind natürlich für die Bevölkerung da, das ganze Jahr, rund um die Uhr.

Warum ist die FFP2-Maske in der Apotheke teurer als im Supermarkt?

Gonda: Die Apotheken in Niederösterreich haben die FFP2-Masken eingekauft, da war von der Pflicht noch lange keine Rede. Wir haben diese Masken damals saumäßig (sorry für diesen Ausdruck) teuer eingekauft, das war dann beim Lebensmittelhandel ganz anders. Eines möchte ich hier auch klarstellen: Keine Apothekerin, kein Apotheker hat am Verkauf von FFP2-Masken groß verdient. Und glauben Sie mir: Die nächste Charge wird billiger, ich denke da an unter 1,50 Euro pro Stück.

Medikamente im Internet kaufen – Ihre Meinung dazu?

Gonda: Ich würde mir keine Sportschuhe über eine dubiöse Internetplattform kaufen. Und Medikamente schon gar nicht! Nur wer Medikamente in der Apotheke kauft, kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass es sich um keine Fälschungen handelt. Das gilt natürlich auch für den Corona-Impfstoff, bestellen Sie ihn niemals über das Internet. Corona-Impfungen werden aktuell nur an offiziellen, von den Bundesländern vorgesehenen Stellen durchgeführt. Man muss bedenken: Im besten Fall ist ein gefälschtes Medikament für den Betroffenen wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädigend oder sogar tödlich. Darüber hinaus verursacht der illegale Medikamentenschmuggel volkswirtschaft- liche Schäden in Milliardenhöhe.

Gibt es aktuell Lieferengpasse bei den Medikamenten?

Gonda: Durchschnittlich zwei Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit verbringen Apothekerinnen und Apotheker damit, nicht erhältliche Arzneimittel zu beschaffen oder das Problem anderwärtig, etwa durch Ausweichen auf ein wirkstoffähnliches Produkt, zu lösen. Ich verspreche: Jede Patientin, jeder Patient wird die Apotheke mit einer dankbaren Lösung verlassen, dafür sind wir ja da!