Norbert Totschnig: „37 Millionen Euro für die NÖ Landwirte“

Erstellt am 18. August 2022 | 05:52
Lesezeit: 4 Min
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Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) im Gespräch mit den NÖN-Chefredakteuren Daniel Lohninger (l.) und Walter Fahrnberger (r.).
Foto: Kartin Schinewitz
Der neue Landwirtschaftsminister über die Hilfen für NÖ-Bauern, rückläufiges Bauernsterben und den Klimawandel.
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NÖN: Sie sind jetzt drei Monate im Amt und hatten in der turbulenten Krisenzeit gleich einen sehr intensiven Einstieg. Wo liegt der Fokus Ihrer Arbeit?

Norbert Totschnig: Wir sind in einer Zeitenwende aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und haben das Dauerthema Klimawandel zu bewältigen, wo wir als Landwirtschaft sowohl Betroffene aber auch Teil der Lösung sind. Es gab also von Anfang an viel zu tun. Als unser erstes Projekt haben wir nach konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner noch mehr Tierwohl umgesetzt.

Wie werden die heimischen Landwirte im Kampf gegen die aktuelle Teuerung unterstützt?

Totschnig: Ich habe für die Landwirtschaft das Versorgungssicherungspaket mit einem Volumen von 110 Millionen Euro aufgestellt. In Niederösterreich bekommen 25.000 Betriebe 37 Millionen Euro. Darüber hinaus greifen auch die Entlastungen, die die Bundesregierung für alle Landsleute beschlossen hat. Wie zum Beispiel die ökosoziale Steuerreform oder die Anti-Teuerungspakete. Im Oktober bekommt jeder Erwachsene in Österreich 500 Euro Anti-Teuerungsbonus ausbezahlt, für Kinder jeweils 250. Dazu kommen noch die erhöhte Familienbeihilfe, die Abschaffung der kalten Progression oder die Energiepreisbremse, die gerade in Ausarbeitung ist. Da kommt viel an Unterstützung. Für die Landwirtschaft steht zudem auch die neue GAP (Anm.: gemeinsame Agrarpolitik der EU ab 2023) an. Sie ist auch ein wichtiger Baustein für die Planungssicherheit und Stabilität in der Land- und Forstwirtschaft.

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Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig 
Foto: Kartin Schinewitz

Das Bauernsterben hat sich in den vergangenen Jahren abgeschwächt. Wo sehen Sie dennoch die Herausforderungen, um langfristig eine agrarische Struktur aufrechtzuerhalten, wie wir sie heute haben?

Totschnig: Seit dem Beitritt zur EU sehen wir ein klares Einbremsen des Strukturwandels in der Landwirtschaft. In den letzten zehn Jahren hatten wir bei den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben einen Strukturwandel von 11 Prozent, vorher waren es über 20 Prozent. Wir sind hier den österreichischen Weg einer ökosozialen Agrarpolitik gegangen. Die Transformation einer Wirtschaft in Richtung erneuerbarer Energien ist die nächste Herausforderung. Da muss die Balance von Ökologie, Ökonomie und Sozialem passen, sonst gibt es Verwerfungen, die nicht mehr korrigierbar sind. Und den österreichischen Weg haben wir auch immer konsequent in der GAP verhandelt. Wir sehen zum Beispiel, dass mit dem Agrarumweltprogramm und Investitionsförderungen der Strukturwandel eingebremst werden konnte.

Zuletzt wurde immer mehr die Angst um die Versorgungssicherheit verkündet. Ab wann wäre die heimische Lebensmittelversorgung wirklich gefährdet?

Totschnig: Die Lebensmittelversorgung in Österreich ist gesichert – dank der hohen Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln durch unsere Bäuerinnen und Bauern. Wir können uns bei Schweinefleisch und Rindfleisch zu 100 Prozent, bei Milch sogar darüber, selbst versorgen. Unser Ziel ist das zu halten. Die globale Versorgungssicherheit hat aber andere Dimensionen.

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Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig 
Foto: Kartin Schinewitz

Es gibt viele Kritiker, die Rinderhaltung als eine der größten Umweltverschmutzer sehen. Was halten Sie dagegen?

Totschnig: Da muss man bei den Fakten bleiben, weil bedauerlicherweise hier sehr viel Stimmung betrieben wird. Die Landwirtschaft ist in Österreich für zehn Prozent der Emissionen verantwortlich. Da geht es ja um biologische Kreisläufe. Wir haben in Österreich 1,4 Millionen Hektar Grünland, das nur über den Rindermagen, über Milch und über Fleisch verwertet werden kann. Und hier haben wir aufgrund der strukturellen Veränderung seit 1990 sogar eine CO 2 -Reduktion um 17 Prozent.

Im Kampf gegen die Energiekrise könnte auch Biogas ein kleiner Puzzlestein sein. In NÖ haben wir 74 Biogasanlagen. Gibt es Pläne für einen weiteren Ausbau?

Totschnig: Das war viele Jahre ein ganz schwieriges Thema, weil die Kosten zu hoch waren. Jetzt sind sie noch immer hoch, aber wir sind effizienter geworden. Im Regierungsprogramm steht, dass wir Biogas bis 2030 auf fünf Terawattstunden ausbauen. Im aktuellen Gaswirtschaftsgesetz verhandeln wir bereits um zehn Terawattstunden, um energieunabhängiger zu sein. Damit könnten zehn Prozent des gesamten Gasverbrauchs bereitgestellt werden.

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Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) im Gespräch mit den NÖN-Chefredakteuren Daniel Lohninger (l.) und Walter Fahrnberger (r.).
Foto: Kartin Schinewitz