Pernkopf: "Umweltschutz mit Hausverstand". Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf über die Vorbildwirkung von Niederösterreich im Energiebereich, über die Initiative „Raus aus dem Öl“ und Erleichterung beim Photovoltaik-Ausbau.

Von NÖN Redaktion und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 23. Mai 2019 (13:38)
Franz Weingartner

Niederösterreich ist im Energiebereich ein Vorbild. Was machen wir in Niederösterreich im Vergleich zu den anderen Ländern so gut?
Stephan Pernkopf: Niederösterreich setzt auf Erneuerbare Energie, das macht uns zum Vorbild in ganz Europa. Seit 2015 decken wir unseren Strombedarf zu 100 Prozent aus sauberer, erneuerbarer Energie. Das heißt, wir machen Umweltschutz mit Hausverstand und sind Vorreiter bei den Klimazielen. Dass nun 200 Kilometer von St. Pölten entfernt mit dem AKW Mochovce ein Schrottreaktor ans Netz gehen soll, zeigt einmal mehr, dass wir in der Energiewende den einzig richtigen Weg gehen. Dieser Weg muss aber auch ein europäischer Weg sein, denn Atomkraft ist energiepolitisch ganz klar der falsche Weg.

Zudem ist das Problem des Atommülls nicht gelöst. Das Risiko durch Reaktoren, die nicht den Sicherheitsstandards entsprechen, ist zu groß. Man muss nur an die Atomkatastrophen zurückdenken: Vor 33 Jahren war das Reaktor-Unglück in Tschernobyl und vor acht Jahren die Katastrophe in Fukushima. Wir in Niederösterreich haben uns bereits vor 41 Jahren mit dem Nein gegen das Kernkraftwerk in Zwentendorf und somit gegen die Atomkraft entschieden. Das war auch der Startschuss für den Ausbau der Erneuerbaren Energie in Niederösterreich. Derzeit gibt es 40.000 sogenannte Green Jobs, das heißt, unsere Energiewende bringt auch Arbeitsplätze!

Was kann man als Privatperson zur Energiewende beitragen?
Pernkopf: Sehr viel, unter anderem müssen wir schauen, dass wir „Raus aus dem Öl“ kommen. Seit Jahresbeginn gilt in Niederösterreich als erstem Bundesland Österreichs das Ölkesselverbot in Neubauten. Das ist ein ganz wichtiger Schritt, denn Ölheizungen haben in einem Wohnhaus nichts mehr verloren. Als nächsten Schritt wollen wir die Zahl der Ölheizungen im Bestand verkleinern. Denn in Niederösterreich stehen in Privathaushalten nach wie vor rund 85.000 Ölheizungen herum.

Seit dem 1. Mai gibt es eine Förderung des Landes Niederösterreich für einen Heizkesseltausch von bis zu 3.000 Euro. In Kombination mit dem „Raus aus dem Öl“-Bonus vom Bund kann man sich insgesamt bis zu 8.000 Euro Förderung abholen. Ein wichtiger Punkt ist auch der Ausbau der Photovoltaik. Der PV-Ausbau ist in Niederösterreich seit einigen Monaten wesentlich erleichtert: Aufdach-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 200 kWpeak brauchen keine Genehmigung mehr. Weniger Zettelwirtschaft, mehr
Erneuerbare Energie: Dieser Bürokratieabbau macht es den Niederösterreichern nun erheblich einfacher, eine Sonnenstromanlage zu installieren. Durch diese wesentliche Vereinfachung erwarten wir uns einen noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energie in Niederösterreich und einen weiteren wichtigen Schritt in unserer Energiewende.

Im Energiebereich spielt auch die Mobilität eine zentrale Rolle. Am 25. Mai findet in Melk der fünfte e-Mobilitätstag statt. Welchen Stellenwert hat Niederösterreich im Bereich der e-Mobilität?
Pernkopf: Niederösterreich ist Pionier, was die e-Mobilität betrifft. Fast jedes vierte Elektroauto, das bundesweit unterwegs ist, ist in Niederösterreich angemeldet. Im Moment gibt es in unserem Bundesland über 6.000 e-Autos, das entspricht einer Steigerung von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Niederösterreich hat über 50 Schnelllade-Stationen und mit 1.220 Ladestationen die meisten in ganz Österreich. Diese Zahlen unterstreichen, dass Niederösterreich das e-Mobilitätsland Nummer eins ist. Darauf können wir stolz sein. Trotzdem gibt es nach wie vor viel Skepsis gegenüber der e-Mobilität. Daher lade ich alle herzlich ein, sich am 25. Mai am Wachauring in Melk selbst ein Bild darüber zu machen. Denn eines ist klar: e-Mobilität ist bereits heute alltagstauglich. Davon kann man sich am 25. Mai selbst überzeugen, indem man sich in eines der 50 e-Autos am Wachauring setzt und eine Runde dreht.