Petra Bohuslav: „Kultur fördert die Kreativität von jungen Menschen“

Erstellt am 24. Juni 2022 | 05:32
Lesezeit: 4 Min
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Die ehemalige Landesrätin Petra Bohuslav leitet seit September 2020 die Wiener Staatsoper als kaufmännische Geschäftsführerin.
Foto: Peter Mayr
Ex-Landesrätin Petra Bohuslav will als Geschäftsführerin der Wiener Staatsoper der Jugend die Kultur näherbringen.
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Die NÖN hat in Kooperation mit der Staatsoper in der Vorwoche 20 Kindern samt Eltern aus Niederösterreich einen Besuch bei Rossinis „Barbier für Kinder“ ermöglicht. Wie wichtig ist für die Staatsoper, die Jugend anzusprechen?

Petra Bohuslav: Als neue Staatsoperndirektion haben wir uns die Öffnung des Hauses für neue Publikumsschichten, speziell für junges Publikum, zu einem der zentralen Ziele gesetzt. Mir persönlich ist es ein ganz besonderes Anliegen, vor allem Kinder für Oper und Ballett zu begeistern. Sie sind die Gäste von morgen und wir freuen uns, diesen wichtigen Schritt in der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen mitbegleiten zu dürfen.

Wie waren die Reaktionen der jungen Gäste?

Bohuslav: Auch bei dieser Vorstellung waren die Kinder begeistert. Aber nicht nur die Kinder, auch die Eltern haben die Aufführung genossen.

Sind Kindervorstellungen ein fixer Bestandteil im Programm der Staatsoper?

Bohuslav: Aufführungen speziell für Kinder und junges Publikum sind selbstverständlich ein Fixpunkt in unserem Spielplan. In dieser Saison haben wir neben sieben Vorstellungen von „Der Barbier für Kinder“ auch 15 Mal „Die Entführung ins Zauberreich“, basierend auf Mozarts „Entführung aus dem Serail“, in Form einer Wanderoper durch das Haus aufgeführt. Mit überwältigendem Erfolg! Diese Produktion wird im Herbst wieder aufgenommen. Darüber hinaus kommt eine eigene „Road Opera“ für Jugendliche, Tschick, nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf. Und natürlich die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Wiener Opernball, direkt im großen Ballsaal. Aber auch abseits der speziellen Vorstellungen für Kinder und Jugendliche, also im Rahmen unseres regulären Vorstellungsbetriebes, bieten wir täglich ein Kontingent an Kinderkarten, die – in Verbindung mit Erwachsenenkarten – um 15 Euro gekauft werden können. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen und so sind auch abends immer wieder ganz junge Gäste im Haus.

Warum ist Ihrer Meinung nach die Kultur für die Jugendlichen so wichtig?

Bohuslav: Kulturelle Bildung fördert und fordert das kreative Denken, die Kreativität von jungen Menschen und führt zu mehr Toleranz, mehr Offenheit. Gerade im digitalen Zeitalter, in dem oft sehr individuell konsumiert wird, ist aber auch das analoge, sehr emotionale Erlebnis in Gemeinschaft mit vielen „Gleichgesinnten“ nicht hoch genug zu bewerten.

Ihr Haus war von Einschränkungen in der Pandemie stark betroffen. Wie läuft es aktuell?

Bohuslav: Obwohl wir wieder fast ohne Einschränkungen spielen können, kann von Normalbetrieb leider noch nicht die Rede sein. Die Besucherzahlen haben zwar stark angezogen, aber es fehlen weiterhin internationale Gäste, die Wien und die Staatsoper besuchen. Unsere größten Besuchergruppen vor der Pandemie kamen aus den USA, aus dem asiatischen Raum und aus Russland. Hier wird es, fürchte ich, noch eine Weile dauern, bis sich die Situation auf ein Vorkrisen-Niveau eingespielt hat.

Aktuell trifft die Teuerungswelle große Teile der Bevölkerung. Fürchten Sie, dass dies in Zukunft Auswirkungen auf den Kartenverkauf in der Staatsoper bzw. bei Kulturveranstaltungen generell haben könnte?

Bohuslav: Ja, damit beschäftigen wir uns natürlich. Vor allem was unsere teuren Preiskategorien betrifft, wird das Auswirkungen haben. Was aber vielleicht nicht so bekannt ist: Die Wiener Staatsoper hat neben – zugegeben – hochpreisigen Tickets auch jede Menge sehr günstige Karten im Angebot. Dieses wird auch sehr gerne angenommen und stellt in Krisenzeiten eine gute Alternative dar.

Sie sind seit September 2020 kaufmännische Geschäftsführerin der Wiener Staatsoper. Was sind Ihre nächsten großen Vorhaben?

Bohuslav: Den eingeschlagenen Weg der so wichtigen Öffnung des Hauses wollen wir zum Beispiel mit speziellen Kinderführungen, die wir im Frühjahr ins Programm genommen haben und auch im Sommer anbieten werden, und dem Tag der offenen Tür am 4. September weiter gehen. Ein großes Ziel ist natürlich auch, endlich einmal in einem Normalbetrieb, ohne Covid-bedingte Einschränkungen und Hindernisse, arbeiten zu dürfen. Und, um hier schon etwas weiter an die Zukunft zu denken: Einer meiner persönlichen Wünsche ist, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher zumindest einmal im Leben eine Aufführung in der Wiener Staatsoper besucht hat.

Haben Sie im Sommer auch einen Abstecher zum Kultur-Sommer in NÖ geplant?

Bohuslav: Natürlich – und zwar gleich mehrere davon! Ich freue mich sehr auf das abwechslungsreiche und vielversprechende Programm.