Frage der Barmherzigkeit. Im Vorfeld der Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema Familienpastoral ging es um „heiße Eisen“.

Von Sonja Planitzer. Erstellt am 01. September 2014 (09:31)
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Kardinal-König-Gespräch im Pielachtal mit Vereinsobmann Gottfried Auer, Heinz Nußbaumer, Annemarie Fenzl, Matthias Beck und Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann.
NOEN, Foto: Planitzer

„Wie leben geht – Ehe, Familie, Partnerschaft“ – darum ging es bei den heurigen Kardinal-König-Gesprächen am vergangenen Samstag in Rabenstein an der Pielach. Und damit widmete man sich einem hochbrisanten Thema, denn von 5. bis 19. Oktober findet im Vatikan die von Papst Franziskus einberufene Familiensynode statt.

„Wichtig ist, dass die Menschen gehört werden und dass ein Gespräch beginnt“, ortete Annemarie Fenzl, langjährige Mitarbeiterin von Kardinal König, in ihrer Standortbestimmung einen Paradigmenwechsel in der Kirche. Große Erwartungen an das Schlusspapier der Synode, so Fenzl am Rande der Gespräche, habe sie nicht. „Ich erwarte mir aber kleine Schritte in die richtige Richtung: mehr zuhören, vorsichtiger urteilen und einfühlen.“

"Revolution in der Kirchengeschichte"

„Das ist eine Revolution in der Kirchengeschichte, dass ein Papst anfängt zuzuhören“, schlug auch Matthias Beck, Mediziner, Philosoph und Priester, in dieselbe Kerbe. Die Strukturen der Ehe und Familie werden, so Beck, noch weiter aufbrechen. „Wir haben es mit einer Entchristlichung Europas zu tun.“ Es gehe daher darum, den Einzelnen in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Zusammenhang sollte mehr Wert auf die spirituelle Erziehung junger Menschen gelegt werden. Schon von der Pubertät an sollte trainiert werden, den Heiligen Geist in sich selbst zu erkennen und die Stimme Gottes in sich hören zu lernen.

"Es muss Einzelentscheidungen geben“

„Und dann kann ich später sagen … bis dass der Tod uns scheidet.“ Nachsatz: „Geht die Ehe aber schief, dann geht es um Barmherzigkeit.“ Beck: „Weder staatliche noch kirchliche Gesetze können alles regeln. Es muss Einzelentscheidungen geben.“

In Bezug auf den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten könne er sich, so Beck, vorstellen, dass eine Lösung angedacht wird, wie sie in der Ostkirche praktiziert wird: Dort ist eine zweite Ehe möglich, ohne dass die Betroffenen von allen Sakramenten ausgeschlossen werden.