Die neue Gesundheitskasse startet bald. Mit 1. Jänner gibt es die Gesundheitskasse. Versicherte brauchen nichts zu tun.

Von Walter Fahrnberger, Daniel Lohninger und Christine Haiderer. Erstellt am 12. November 2019 (01:07)
Generaldirektor Bernhard Wurzer: „Was die Zusammenlegung betrifft, sind wir in der finalen Phase.“
Wilke

Aus den neun Gebietskrankenkassen Österreichs wird eine Österreichische Gesundheitskasse. All jene, die bisher bei einer der Gebietskrankenkassen versichert waren, werden ab 1. Jänner 2020 zu Versicherten der Gesundheitskasse. Insgesamt über 7,2 Millionen österreichweit.

Ob man dazu selbst etwas beitragen muss? „Nein. Weder der Versicherte noch der Vertragspartner muss etwas tun. Das geht alles automatisch“, erläutert Bernhard Wurzer. Der St. Pöltner ist Generaldirektor der neuen Gesundheitskasse. Die E-Card behält man. Österreichweit wird es rund 150 Standorte geben, verrät die neue Internetseite www.gesundheitskasse.at

Was die Zusammenlegung noch mit sich bringt?

Viele Fragen.

Durch die Zusammenlegung entsteht eine Fülle an Fragen, mit denen sich 21 Fokusgruppen auseinandersetzen. Zum Beispiel: Welche Infos erscheinen, wenn ein Arzt die E-Card steckt? Wie sieht es mit dem Software-Update für Ärzte aus? Wie werden die Mitarbeiter von Ländergrenzen überschreitenden Dienstgebern, die ja in Zukunft nur noch einen Ansprechpartner bekommen, zugeordnet? Wie können Meldungen vereinfacht werden? Wie soll die Internetseite aussehen?

Die Harmonisierung.

Bis 1. Jänner ist nicht mehr viel Zeit. Einiges wird man bis dahin österreichweit vereinheitlichen können, aber nicht alles. Bereiche, wie Normen, Krankenverordnung und Satzung, sollen mit 1. Jänner gleich sein. Doch: „Wir schaffen es nicht, alle Verträge bis 1. Jänner zu harmonisieren“, betont Wurzer. So gibt es in den einzelnen Ländern etwa Unterschiede bei Zuschüssen zu Hilfsmitteln und Heilbehelfen. Unterschiede gibt es auch bei den Verträgen mit Ärzten. „Wir haben angefangen, einen Gesamtvertrag zu verhandeln. Die Honorare werden aber noch regional verhandelt.“ Auch viele interne Prozesse müssen standardisiert werden. „Die Gebietskrankenkassen waren autonome Unternehmen“, so Wurzer, die sich unterschiedlich entwickelt hätten. Und so sind auch viele Systeme und Prozesse, Abrechnungsnummern, usw. verschieden.

Neue Struktur.

Ihren Hauptsitz hat die Österreichische Gesundheitskasse in der Haidingergasse in Wien. Doch nicht alles wird von Wien aus gesteuert werden. Wie zum Beispiel die Fachbereiche. Elf soll es von diesen geben. Ihre Leiter sind auf die neun Bundesländer verteilt und führen von dort aus ihren Fachbereich für ganz Österreich. Von St. Pölten aus werden das voraussichtlich der Fachbereich, der für gewerbliche Vertragspartner (wie Bandagisten, usw.) zuständig ist, sowie der Finanzbereich sein.

Dem hier stationierten Finanzchef unterstehen alle Finanzabteilungen in den anderen Bundesländern. Umgekehrt werden in St. Pölten tätige Mitarbeiter anderer Abteilungen den in anderen Bundesländern stationierten Abteilungschefs unterstehen. Zusätzlich zu den Fachbereichen gibt es dann noch den chefärztlichen Dienst und Expertisezentren (wie etwa Personal, strategisches Controlling usw.) sowie Landesstellenleiter. „Der Landesstellenleiter ist Standortmanager und zuständig für das Kundenservice vor Ort“, erläutert Wurzer. Wer das in Niederösterreich wird? Im Jänner werden die konstituierenden Landesausschüsse – auf Vorschlag des zentralen Verwaltungsrates – die Landesstellenleiter bestellen.

Neue Budgetgrößen.

Das jährliche Budget liegt bei über 15 Milliarden Euro. Wobei über 97 Prozent davon Leistungen betreffen, unter drei Prozent die Verwaltung. Die Voranschläge werden künftig von den Fachbereichen kommen und nicht mehr von den Landesstellen. Die Zusammenlegung wird auch Einsparungspotenziale bieten. Elf Millionen Euro beispielsweise alleine bei der geplanten Anschaffung einer zeitgemäßen Software.