Erstellt am 17. Januar 2017, 01:15

von Martin Gebhart

Kirchenaustrittszahlen: "Schmerzlicher Verlust“ . Auch wenn die Kirchenaustrittszahlen im Vorjahr stabil geblieben sind, macht man in Diözesen St. Pölten und Wien deutlich, dass man sich damit nicht abfinden darf.

Das Bekenntnis zum katholischen Glauben: In Niederösterreich wurden mit Ende des Vorjahres 1.080.907 Katholiken gezählt.  |  Rupprecht/kathbild

„Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass Katholiken austreten. Jede Person, die austritt, ist ein schmerzlicher Verlust und eine Anfrage an unser pastorales Wirken.“ Gerhard Reitzinger, Bischofsvikar für die Pastoralen Dienste in der Diözese St. Pölten, fand deutliche Worte, als die jüngste Kirchenstatistik präsentiert wurde. Auch wenn die Zahl der Kirchenaustritte 2016 im Vergleich zum Vorjahr ungefähr gleichgeblieben ist.

Insgesamt werden mit Ende des Vorjahres 1.080.907 Katholiken in Niederösterreich gezählt. 579.686 im niederösterreichischen Teil der Erzdiözese Wien (Weinviertel, Industrieviertel) und 501.221 in der Diözese St. Pölten. Das bedeutet etwa für das Gebiet der Diözese St. Pölten, dass dort noch 70 Prozent Katholiken sind.

Der Rückgang an Katholiken resultiert aber nicht bloß aus den Kirchenaustritten (4.836 in der Diözese St. Pölten, 5.173 im NÖ Teil der Erzdiözese Wien), sondern auch aus einem Defizit bei den Zu- und Abwanderungen sowie aus dem Geburtenrückgang. Zur Veranschaulichung: Im St. Pöltner Bereich standen im Vorjahr 5.137 Sterbefällen von Katholiken nur 4.317 Taufen gegenüber.

In der Erzdiözese Wien ist vor allem die Bundeshauptstadt Wien für die katholische Kirche ein großes Problem. Diözesansprecher Michael Prüller: „Wir schauen immer auf die Austritte, aber das eigentliche Problem ist, dass wir in der Stadt Wien nur noch 34 Prozent Katholiken-Anteil haben, das heißt, 66 Prozent der Wiener sind keine Katholiken. Wir sind also eine Minderheit in einer Missionssituation.“ Deswegen sollen in Zukunft die Gründe für Austritte und Wiedereintritte genauer erforscht werden, um wieder mehr Mitglieder zu gewinnen.