Erstellt am 22. August 2017, 00:35

von Magdalena Binder

Kindern eine Stimme geben. Der Katholische Familienverband will ab 2018 ein Mitbestimmungsrecht für Kinder. NÖ Kinderfreunde sind skeptisch.

Ginge es nach dem Katholischen Familienverband, so soll ab der Landtagswahl im kommenden Jahr das Familienwahlrecht gelten, um so auch Kindern eine Stimme zu geben. Konkret sollen dann die Erziehungsberechtigten für jedes Kind einen eigenen Stimmzettel erhalten und in Abstimmung mit den Kindern ein Kreuzerl machen.  |  Wolfgang Zarl

Eine außergewöhnliche Forderung stellt der Katholische Familienverband. Er kritisiert, dass das „allgemeine Wahlrecht“ lediglich für Erwachsene gilt und fordert ab der kommenden Landtagswahl ein Mitbeteiligungs- und Mitbestimmungsverfahren für alle Kinder, deren Eltern in Niederösterreich wahlberechtigt sind. In diesem Fall sollen Eltern für jedes Kind eine zusätzliche Stimme erhalten.

„Wir müssen Kindern eine Stimme geben. Schließlich werden heute viele politische Entscheidungen gefällt, von denen die junge Generation am stärksten betroffen ist“, sagt Josef Grubner, Vorsitzender des Familienverbands NÖ. Zusätzlich hofft er, dass die Parteien durch ein Mitbestimmungsverfahren für Kinder die Anliegen der Familien stärker berücksichtigen. Politik werde für jene gemacht, die wählen dürfen, Kinder und Jugendliche bleiben oft unberücksichtigt.

"Eltern wählen nicht nur für sich, sondern für die Zukunft der Kinder"

Nicht begeistert reagieren die NÖ Kinderfreunde auf den Vorstoß: „Diese rückständige Forderung kommt vor Wahlen wie das Amen im Gebet. Eltern wählen doch jetzt schon nicht nur für sich, sondern für die Zukunft und somit für ihre Kinder“, so Andreas Kollross, Landesvorsitzende der Kinderfreunde Niederösterreich.

Sie sehen es als fortschrittlicher, die soziale Selektion, die das derzeitige Schulsystem vorsieht, zu beseitigen, anstatt mit derartigen Aktionen von den tatsächlichen Problemen und Aufstiegschancen der Kinder abzulenken. Schwierig gestalte sich laut Kollross auch die Zuteilung des Stimmrechts bei geschiedenen Eltern, Alleinerziehenden und Patchworkfamilien.