Pflege-Ausbildungspaket wird in Niederösterreich geschnürt

Aktualisiert am 19. Januar 2022 | 16:16
Lesezeit: 6 Min
Zur Arbeitsklausur trat die ÖVP Niederösterreich am Mittwoch im Schloss an der Eisenstraße in Waidhofen an der Ybbs zusammen.
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Bei einer Pressekonferenz präsentierte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zu Mittag die zentralen Ergebnisse. Zunächst ging die Landeshauptfrau jedoch auf die derzeitige Omikron-Welle näher ein: „Viele Menschen machen sich Sorgen und alle haben Sehnsucht nach Normalität.“, sagte die Landeshauptfrau.

Niederösterreich für Omikron gerüstet

In Niederösterreich habe man sich jedoch in drei wesentlichen Bereichen auf Omikron vorbereitet. „Die beste Vorbereitungsarbeit haben die niederösterreichischen Landsleute selbst geleistet, indem sie sich für die Schutzimpfung entschieden haben“, hielt Mikl-Leitner fest und verwies darauf, dass 76,6 Prozent der Gesamtbevölkerung Niederösterreichs mindestens ein Mal, 72,9 Prozent zwei Mal und 49,8 Prozent drei Mal geimpft seien. Niederösterreich sei damit als Flächen-Bundesland in Sachen Impfung bundesweit auf Platz eins und insgesamt hinter dem Burgenland auf Platz zwei. „Uns ist wichtig, das Impfen so leicht zugänglich, wie möglich zu machen“, sagte Mikl-Leitner. Niederösterreich habe daher ein flächendeckendes Impfangebot mit rund 600 Impfstellen – von den niedergelassenen Ärzten über Pop-up-Aktionen, wie den Impfbussen, bis zu den Landes-Impfzentren.

Testungen sollen verdoppelt werden

Als zweiten Bereich sei man beim Testen für Omikron gewappnet. „Derzeit wird so viel getestet wie nie zuvor“, stellte die Landeshauptfrau fest. So würden derzeit pro Woche rund eine Million Testungen in Niederösterreich durchgeführt, wovon derzeit 55 Prozent PCR- und 45 Prozent Antigen-Testungen seien.

Mikl-Leitner bei Arbeitsklausur der Volkspartei NÖ: In dieser Zeit zählt Gemeinsamkeit
Foto: VPNÖ

Diese Testkapazitäten wolle man nun auf zwei Millionen Testungen pro Woche anheben. Angesichts der hohen Infektionszahlen stünden die Labore vor großen Herausforderungen, meinte Mikl-Leitner: „Ich erwarte mir aber schon, dass hier Verantwortung getragen wird und die versprochenen Laborkapazitäten auch halten.“ Sollte dies nicht der Fall sein, habe man in Niederösterreich jedenfalls ausreichend Antigen-Tests besorgt und somit ein Sicherheitsnetz vorbereitet. „Wir stehen hier in enger Allianz mit unseren Gemeinden“, hielt die Landeshauptfrau fest. „Dafür ein großes Danke!“ Das Contact Tracing wolle man so lange wie möglich aufrecht erhalten, betonte sie: „Dafür stehen bis zu 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz.“

Nur rund zehn Prozent der Intensivpatienten geimpft

Der dritte zentrale Bereich im Kampf gegen Omikron seien die 27 Landeskliniken, so Mikl-Leitner weiter. 7.000 Corona-Betten, davon 333 Intensivbetten, und 367 Beatmungsgeräte stehen hier bereit. „Ein Corona-Bett ist allerdings wertlos ohne das erforderliche Personal“, sagte Mikl-Leitner. „Das Gesundheitspersonal ist nun seit zwei Jahren unermüdlich gegen Corona im Einsatz und oft am Limit. Deshalb möchte ich mich beim gesamten Gesundheitspersonal bedanken.“ Die Landeshauptfrau appellierte in diesem Zusammenhang an die Bevölkerung: „Lassen Sie sich impfen! Impfen schützt und impfen kann Leben retten!“ Von aktuell 35 Patienten auf den Intensivstationen seien 31 nicht geimpft.

„Der Kampf gegen Covid ist herausfordernd und oft ist ein Gegeneinander spürbar“, meinte Mikl-Leitner. „In Niederösterreich ist uns aber das Miteinander wichtig. Deshalb gibt es für mich auch keine Geimpften und Ungeimpften, sondern nur Niederöstereicherinnen und Niederösterreicher, für die ich mich alle einsetzen werde. Miteinander können wir mehr erreichen.“

90 Millionen Euro für die Wirtschaft

Danach stellte die Landeshauptfrau weitere Vorhaben des Landes in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Qualifizierung von Arbeitskräften und Pflege vor. Ein besonderer Fokus liege auf dem Thema Aufschwung und wirtschaftliche Entwicklung, sagte die Landeshauptfrau. Mit einem Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent Ende 2021 liege man über dem Bundes-Durchschnitt. Bei den Arbeitslosenzahlen sei man rund neun Prozent unter dem Wert des Vorkrisenniveaus: „Niederösterreich verzeichnet in den letzten zwei Jahren von allen Bundesländern den größten Rückgang an Arbeitslosigkeit“, sagte Mikl-Leitner. Diese Erfolge lägen zum einen am guten Branchenmix, zum anderen aber auch an den Unterstützungen durch Bund und Land. So seien im Kampf gegen Corona in Summe rund zwei Milliarden Euro an Hilfsleistungen getätigt worden. Seitens des Landes wolle man diesen Weg fortsetzen, versicherte Mikl-Leitner und stellte für 2022 90 Millionen Euro in Aussicht. Vorgesehen sind ein Öko-Bonus, der seit Anfang des Jahres beantragt werden kann, eine Erhöhung der Jungunternehmerförderung von 1.200 auf 2.000 Euro sowie die Fortführung der Digitalisierungsoffensive. Spezielle Förderungen soll es auch im Bereich der Arbeitsmarkt-Qualifizierung geben. In den Arbeitsmarkt-Bereich sollen insgesamt über 100 Millionen Euro fließen.

Mehr Ausbildungsplätze im Pflegebereich und finanzielle Anreize

Des weiteren präsentierte die Landeshauptfrau ein blau-gelbes Pflegepaket. Eine Studie der Karl Landsteiner-Universität habe gezeigt, dass bis zum Jahr 2030 rund 9.500 neue Pflegekräfte benötigt werden – was etwa 37 Prozent der derzeit rund 26.000 Pflegekräfte entspricht. Um diesen Bedarf abdecken zu können, sollen die Ausbildungsplätze im Pflegebereich auf 2.100 erhöht werden. Um diese Ausbildungsplätze auch zur Gänze zu füllen, soll es finanzielle Anreize geben. Das Land Niederösterreich werde die Schulgelder bzw. bei Fachhochschulen die Studiengebühr zur Gänze übernehmen, kündigte die Landeshauptfrau an. Weiters habe man die Einführung eines Prämiensystems für jene, die sich für einen Pflegeberuf entscheiden, beschlossen. Gelten werde dies sowohl für die einjährige Pflegeassistenz, die zweijährige Pflegefachassistenz und das dreijährige FH-Studium. Den Auszubildenden werde man mit einer monatlichen Ausbildungsprämie von 420 Euro unter die Arme greifen, kündigte Mikl-Leitner an. Bedingung sei, dass die ausgebildeten Pflegekräfte anschließend für so lange, wie ihre Ausbildung gedauert hat, auch in Niederösterreich arbeiten. Rund zwölf Millionen Euro nimmt das Land NÖ für diese Ausbildungsmaßnahme in die Hand.

Investitionen in Pflege-Infrastruktur

Gezielte Investitionen werde es darüber hinaus auch in die Pflege-Infrastruktur geben, wobei besonders auf eine Architektur Wert gelegt werden soll, die kurze Wege für die Pflege ermöglicht, hielt Mikl-Leitner fest. 34 Millionen Euro investiert das Land etwa in den Bau eines neuen Pflege- und Betreuungszentrums mit 144 Betten in Waidhofen an der Ybbs.

Eine Unterstützung des Landes ist auch für Organisationen, die Pflegekräfte aus anderen Staaten ins Land holen wollen, angedacht. „Uns muss klar sein, dass wir die Herausforderungen in der Pflege nicht alleine stemmen werden können, sondern auf qualifiziertes Personal aus anderen Staaten, etwa aus Kolumbien oder Vietnam, angewiesen sind“, sagte die Landeshauptfrau.

Den prognostizierten Abgang im Landesbudget 2021 von 745 Millionen Euro werde man deutlich reduzieren können, kündigte Mikl-Leitner an. „Wie haben in Niederösterreich viele Herausforderungen zu stemmen. Statt gegeneinander zu arbeiten, verlassen wir uns dabei aber auf das Miteinander.“ Abschließend verwies die Landeshauptfrau in diesem Zusammenhang auf die Landesstrategie 2030, die im heurigen Jubiläumsjahr „100 Jahre Niederösterreich“ im Herbst präsentiert werden soll.